Wiederbeschaffung auf dem Kunstmarkt

Nach den Erfahrungen aus dem ersten Golfkrieg tauchen die meisten gestohlenen Kunstgegenstände wieder auf.


Der Großteil der aus irakischen Museen gestohlenen Kunstwerke wird nach Expertenmeinung auf dem internationalen Kunstmarkt auftauchen. "Das zeigen unsere Erfahrungen auch aus dem ersten Golfkrieg", sagt die Geschäftsführerin des "Art Loss Registers" (ALR) in Köln, Ulli Seegers.

Das ALR besitzt die weltweit größte private Datenbank mit insgesamt 130.000 gestohlenen, vermissten oder geplünderten Kunstwerken. Die Organisation prüft für Museen, Galeristen, Versicherer, Auktionshäuser und private Käufer die Unbedenklichkeit von Kunstwerken.

Plündern gegen Bezahlung

Nach Seegers Ansicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kunstwerke von Menschen aus den Museen geraubt wurden, um sie zu behalten, sehr gering. "Die Museen würden nicht geplündert, wenn es keinen internationalen Markt für die Gegenstände gäbe. Wenn jemand die Kunstwerke für sich behalten würde, hätte er sie nur aus einer privaten Sammlerleidenschaft heraus gestohlen. Das kommt aber sehr selten vor. Den Plünderern geht es meistens ums Geld."

Verdächtiges Kunstwerk in USA aufgetaucht

Gestohlene irakische Kulturgüter sind inzwischen offenbar auch in den USA aufgetaucht. Der amerikanische Zoll habe auf einem Flughafen des Landes mindestens ein verdächtiges Stück abgefangen, berichtete die Bundespolizei FBI. Auch in Europa und an der jordanischen Grenze sollen bereits irakische Kulturgüter aufgetaucht sein.

Die US-Regierung hat den Zoll zu erhöhter Wachsamkeit angewiesen, um das Einschmuggeln geplünderter Kulturgüter aus dem Irak zu verhindern. Zoll-Sprecher Robert Bonner bat die irakischen Museumsbehörden um Fotos und Beschreibungen der geplünderten Artikel, um diese den US-Beamten an der Grenze zur Verfügung stellen zu können.

Überprüfung der Kunstmärkte

Das "Art Loss Register" wird nach Angaben der Geschäftsführerin Ulli Seegers nur nach offiziellen Meldungen über vermisste Kunstwerke von Seiten der irakischen Behörden aktiv. Anschließend werde der gesamte internationale Kunstmarkt systematisch nach den verlorenen Gegenständen überprüft.

"Ob Messen oder Auktionen - wir überprüfen alles", sagte Seegers. Dabei gehörten nicht nur Kunstwerke zu dem Datenbankbestand des ALR, sondern auch archäologische Funde. Sie räumt ein, dass es oft Jahre dauern könnte, bis ein Kunstwerk auf dem Markt angeboten werde. Die Aufklärungsquote von ALR liegt bei 25 Prozent.

Der Kunstmarkt im deutschsprachigen Raum wird von der ALR-Filiale in Köln von vier Detektiven beobachtet. Die Londoner Zentrale der 1991 gegründeten Organisation ist mit zehn, die New Yorker Dependance mit fünf Detektiven besetzt. In St. Petersburg arbeitet derzeit eine ALR-Mitarbeiterin.

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