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19.12.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Malerei: "Nicht alles in Suppentopf werfen"
VON ALMUTH SPIEGLER
Österreich. Ein neuer Sammelband will einen wertfreien Überblick geben

Früher einmal hat man so Kochrezep te aus Frauenzeitschriften gehortet, heute kann man das auch mit öster reichischen Malern tun: Ringmappe auf, Blatt einheften, ablegen. Sauber, ordentlich und wertungsfrei. Fehlen nur noch die Kategorien, in diesem Falle hätten sich zum Beispiel abstrakt, gegenständlich, konzeptuell, expressiv etc. angeboten.

Heuer im Frühjahr, während der ersten "ViennAfair", wurde das von Sylvia Krieger, Caspar Einem, Wolfgang Alkier und Kolja Kramer herausgegebene Heftmappen-System "Malerei in Österreich zu Beginn des 3. Jahrtausends" präsentiert: Eine knallrote Mappe mit einer Grundausstattung von 224 losen Blättern, auf denen jeweils ein Maler mit ein, zwei Werken, Werdegang, Ausstellungs-Auswahl, Kontaktadresse und fallweise kurzer "Anmerkung" vorgestellt wird. Seit Freitagabend gibt es die erste Nachlieferung mit 79 Blättern. Die nächste wird etwa in einem Jahr folgen. Insgesamt sollen es einmal 600 werden - so viele, schätzt Krieger, hauptberufliche Maler gibt es hierzulande.

Die einzigen Kriterien zur Aufnahme stellen der Wohn- und Arbeitssitz in Österreich, ein einschlägiges Studium und die Teilnahme an zumindest zwei Gruppenausstellungen dar - oder, etwa für Autodidakte, der "Nachweis der Wahrnehmung des künstlerischen Werkes durch die Öffentlichkeit durch zumindest drei Einzelausstellungen oder Ankäufe durch die öffentliche Hand".

Um künstlerische Qualität oder Anerkennung geht es dabei nicht. Ein Hermann Nitsch, Adolf Frohner oder Heimo Zobernig bekommen ebenso nur ein Blatt zugestanden wie die 1980 geborene Schmalix-Studentin. Das mag vielen bitter aufstoßen, schließlich war Kunst noch nie ein demokratisches System. Und nicht einmal Heinrich Fuchs ging in seinem Mitte der 80er Jahre erschienenen, 3000 Künstler umfassenden sechsbändigen Nachschlagewerk "Die österreichischen Maler des 20. Jahrhunderts" soweit.

Doch Sylvia Krieger, im Brotberuf Wirtschaftsprüferin, ließ sich in ihrem idealistischen Vorhaben eines wertungsfreien Überblicks über die Maler-Szene nicht beirren: "Es geht uns um Vollständigkeit." Seit 1997 sammelt sie Kunst, und begann sich zu ärgern, "dass einige immer in den Himmel gehoben werden und alle anderen ein Dreck sind". Im Galeristen Kolja Kramer, der in der Ottakringer Brauerei jährlich mit der "artposition" junge Künstler vorstellt, fand sie ihren ersten Partner; danach begeisterte sie noch Ex-LIF-Politiker Wolfgang Alkier, selbst Kunstsammler, und ihren Jugendfreund Caspar Einem. Gemeinsam finanzierten sie die Kosten, trieben 10.000 € bei Staatssekretär Franz Morak auf, 8000 € bei NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll, 5000 € von einem SP-nahen Kulturverein. 18.000 € investierte die Gruppe privat.

Auf wenig Resonanz stieß die Gruppe um Krieger mit ihrem Vorhaben allerdings nicht nur bei den Lesern - verkauft werden konnten bisher nur 164 Stück - sondern auch in der österreichischen Galerienszene. "200 Galeristen haben wir angeschrieben, 90 Prozent haben nicht einmal reagiert oder wollten nicht", ärgert sich Krieger. "Der damalige Präsident des Galeristenverbandes hätte mich beinahe hinausgeschmissen; ich bin mir wie ein Vertreter vorgekommen."

Dazu muss bemerkt werden, dass die Aufnahme in die Mappe kostenlos ist. Die Künstler bekommen das Werk sogar um ein Drittel des normalen Preises (198 €). Was noch lange kein Kriterium zum Mitmachen sei, meint Galerist Georg Kargl. "Qualitätsunterschiede muss man betonen. Man kann nicht alles in einen Suppentopf werfen." Und von wegen Überblick: "Bei 3000 Künstlern weiß man nicht mehr, wo es lang geht."

Unterstützung fand Krieger dagegen bei der IG Bildenden Kunst, den Galeristen Peithner Lichtenfels, Lang, Steinek, Hrobsky, Gerersdorfer und Akum. Doch ein gewisses Kommunikationsproblem ist weiter evident: Obwohl einige seiner Künstler ebenfalls aufscheinen, war etwa Ernst Hilger ahnungslos: "Es klingt wie eine tolle Sache, aber ich habe noch nichts davon gehört." Und auch der neue Galerienverbands-Präsident Johannes Faber wundert sich: "Ich weiß davon nichts."

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