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Kunstberichte

"Keine Angst vor Neuem"

Agnes Husslein als künftige Direktorin der Galerie Belvedere vorgestellt
Künftig als Museums-Chefin im Rampenlicht: Agnes Husslein, mit Elisabeth Gehrer und Gerbert Frodl.  Foto: apa

Künftig als Museums-Chefin im Rampenlicht: Agnes Husslein, mit Elisabeth Gehrer und Gerbert Frodl. Foto: apa

Von Julia Urbanek und Christoph Irrgeher

Aufzählung Agnes Husslein ab 2007 Leiterin der Galerie Belvedere.
Aufzählung Will ältere Bestände akzentuieren.

Wien. Überraschung war es keine. Als Bildungsministerin Elisabeth Gehrer am Freitag auftrat, um Agnes Husslein als künftige Leiterin der Österreichischen Galerie Belvedere zu präsentieren, war die Spannung längst verflogen. Nicht nur, weil Husslein, zuletzt Leiterin des Salzburger Rupertinums, als sichere Favoritin galt. Sie selbst war der Ministerin um einige Stunden im Ö1-Mittagsjournal zuvorgekommen – und das ohne Absprache. "Die haben mich am Handy erwischt", rechtfertigte sich Husslein vor der "Wiener Zeitung".

Mehr Mittelalter

Was die Medienfreudige, die Direktor Gerbert Frodl 2007 beerbt, plant? Sie will die Bestände aus Mittelalter und Barock stärker fokussieren, nachdem das Belvedere derzeit stark mit Klimt identifiziert werde. Dass fünf Bilder des Malers nun restituiert wurden, sei traurig, aber nicht zu ändern: "Recht, wem Recht gebührt", meint Husslein. Zudem will sie sich um eine "stringente Fortsetzung der Sammlungstätigkeit" bemühen, die Vernetzung von Oberem und Unterem Belvedere noch mehr vorantreiben. Wesentliches Anliegen ist ihr auch das "20er Haus" in der Nähe des Südbahnhofes, das ab 2008 bespielt werden soll: "Vor allem für die heutige Kunst" sei es "wahnsinnig wichtig". Auf die "viele Arbeit", die ihr nun bevorstehe, freue sie sich sehr.

Erfreut zeigte sich auch Gehrer: 417.745 Besucher – um 15 Prozent mehr als 2004 – hätten im Vorjahr das Museum frequentiert. Nun meint sie, "eine starke Frau für eine wichtige Position gefunden zu haben".

Einmal mehr zweifelt die Opposition an der Objektivität der Wahl: "Gehrer soll doch nächstes Mal einfach sagen, wen sie will", meint Wolfgang Zinggl, Grüner Kultursprecher, Hussleins Mitbewerber Peter Assmann kritisiert eine "Pro-Forma-Ausschreibung". Vorwürfe, die Gehrer erzürnen: Sie pocht erneut auf die Objektivität der Jury.

Dass Wilfried Seipel, Chef des Kunsthistorischen Museums, darin als "Königsmacher" fungiert habe, bestreitet dieser, freut sich vielmehr auf gute Zusammenarbeit mit Husslein. Auch Frodl, Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder und Peter Pakesch, Zweitgereihter der Jury, beglückwünschten sie. Wie lange sie das Haus leitet, ist noch Verhandlungssache, derzeit sei erst die Bestellungsurkunde unterschrieben. Vor Husslein, die in Salzburg Personalquerelen auslöste, fürchte sich laut Frodl keiner: "Es gibt keine Angst vor der Neuen".

Samstag, 18. März 2006


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