
Agnes Husslein ab 2007 Leiterin
der Galerie Belvedere.

Will ältere Bestände
akzentuieren.
Wien. Überraschung war es keine. Als
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer am Freitag auftrat, um Agnes Husslein
als künftige Leiterin der Österreichischen Galerie Belvedere zu
präsentieren, war die Spannung längst verflogen. Nicht nur, weil Husslein,
zuletzt Leiterin des Salzburger Rupertinums, als sichere Favoritin galt.
Sie selbst war der Ministerin um einige Stunden im Ö1-Mittagsjournal
zuvorgekommen – und das ohne Absprache. "Die haben mich am Handy
erwischt", rechtfertigte sich Husslein vor der "Wiener Zeitung".
Mehr Mittelalter
Was die Medienfreudige, die Direktor Gerbert Frodl 2007 beerbt, plant?
Sie will die Bestände aus Mittelalter und Barock stärker fokussieren,
nachdem das Belvedere derzeit stark mit Klimt identifiziert werde. Dass
fünf Bilder des Malers nun restituiert wurden, sei traurig, aber nicht zu
ändern: "Recht, wem Recht gebührt", meint Husslein. Zudem will sie sich um
eine "stringente Fortsetzung der Sammlungstätigkeit" bemühen, die
Vernetzung von Oberem und Unterem Belvedere noch mehr vorantreiben.
Wesentliches Anliegen ist ihr auch das "20er Haus" in der Nähe des
Südbahnhofes, das ab 2008 bespielt werden soll: "Vor allem für die heutige
Kunst" sei es "wahnsinnig wichtig". Auf die "viele Arbeit", die ihr nun
bevorstehe, freue sie sich sehr.
Erfreut zeigte sich auch Gehrer: 417.745 Besucher – um 15 Prozent mehr
als 2004 – hätten im Vorjahr das Museum frequentiert. Nun meint sie, "eine
starke Frau für eine wichtige Position gefunden zu haben".
Einmal mehr zweifelt die Opposition an der Objektivität der Wahl:
"Gehrer soll doch nächstes Mal einfach sagen, wen sie will", meint
Wolfgang Zinggl, Grüner Kultursprecher, Hussleins Mitbewerber Peter
Assmann kritisiert eine "Pro-Forma-Ausschreibung". Vorwürfe, die Gehrer
erzürnen: Sie pocht erneut auf die Objektivität der Jury.
Dass Wilfried Seipel, Chef des Kunsthistorischen Museums, darin als
"Königsmacher" fungiert habe, bestreitet dieser, freut sich vielmehr auf
gute Zusammenarbeit mit Husslein. Auch Frodl, Albertina-Chef Klaus
Albrecht Schröder und Peter Pakesch, Zweitgereihter der Jury,
beglückwünschten sie. Wie lange sie das Haus leitet, ist noch
Verhandlungssache, derzeit sei erst die Bestellungsurkunde unterschrieben.
Vor Husslein, die in Salzburg Personalquerelen auslöste, fürchte sich laut
Frodl keiner: "Es gibt keine Angst vor der Neuen".
Samstag, 18. März
2006