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23. Juli 2008
21:02 MESZ

Galerie Krobath Wimmer, 1010 Wien, Eschenbachgasse 9. Bis 6. 9.

Link: www.krobathwimmer.at

 

 

Gestische Einschreibungen: Ansicht der Ausstellung "Tattoo" von Otto Zitko.


Im freien Lauf
Die Ausstellung "Tattoo" von Otto Zitko in der Galerie Krobath Wimmer

In seinen raumgreifenden Wandzeichnungen untersucht Otto Zitko seit etlichen Jahren das Verhältnis zwischen malerischer Geste und vorgegebener Architektur. "Tattoo" nennt er seine aktuelle Präsentation in der Galerie Krobath Wimmer, wo diesmal ein Frauenporträt die sich laufend fortsetzende Linie unterbricht.

Hand und Bleistift fördern oft ungeahnte Dinge zutage - beim Telefonieren zum Beispiel, wenn sich der Kopf auf etwas ganz anderes konzentriert. Die Malerei von Otto Zitko ist einerseits mit diesen alltäglichen Kritzeleien vergleichbar, aber auch mit einer Technik der Surrealisten, die versuchten über die "écriture automatique" die Tiefen ihrer Persönlichkeit zu entdecken. Über diese surrealistische Geste hinaus ist die Linie, die Otto Zitko seit den 1980er-Jahren durch die Ausstellungshäuser zieht, aber auch ein Kind seiner Zeit, in der die Hinterfragung des Künstler- oder besser Malersubjekts seinen Höhepunkt erlebte. Die subjektiv gefärbten Bildwelten, die die Maler aus sich selbst heraus "schöpften", interessierten weniger als die Erweiterung und Reflexion des Mediums, die Otto Zitko mit seiner Linie auf Wänden und Aluminiumtafeln vorangetrieben hat.

Bei Krobath Wimmer überrascht der Künstler nun insofern, als dort ein gezeichnetes Frauenporträt diese linearen Erkundungen unterbricht. Mit schwarzer Kreide gemalt, zeigt das Bild eine langhaarige Frau, die zu Zitkos neunteiliger Lithografiemappe "Pythia" gehört. Pythien nannte man die Priesterinnen in Delphi, die sich berauschten, um durch das Ausschalten der Kontrolle der Wahrheit näherzukommen.

Von der "wilden" Ausweitung des Mediums kommend, hält Zitko nun die Balance - zwischen der Reflexion und der gestischen Einschreibung, aber auch zwischen dem freien Lauf der Linie und der Konzentration auf das Medium, das es entgegen jeglicher Weissagungen nach wie vor auszuloten gilt. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.7.2008)


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