Orangerie des Belvedere: Arnulf Rainer - Dieter Roth. Arbeiten 1973-1980
Der Kunst keine Regeln!
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Duett oder Duell? Zur Selbstinszenierung von Arnulf Rainer und Dieter
Roth: "o. T.", aus der Serie "1974. Performance ohne Publikum” ca.
1974. Foto: Atelier Arnulf Rainer
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Es ist eine Mischung aus Fluxus-Event und Duell: Die Zusammenarbeit von
Dieter Roth (1930-1998) und Arnulf Rainer (geboren 1929).
Rainers
Frau und Tochter haben diese Werke wieder entdeckt, ihnen ist nun eine
Ausstellung in der Orangerie des Unteren Belvedere gewidmet.
Wenn die beiden Künstler in Rainers Wiener Atelier in der
Mariahilfer Straße zusammenkamen, ließen sie ihrer Kreativität in Roths
Zeichnungen und Rainers Fotografien freien Lauf. Man könnte die
Vorgangsweise mit einem vierhändigen Klavierspiel vergleichen, ebenso
waren die bildenden Künstler vierhändig an einem Werk tätig. Mitunter
versuchte der eine den anderen in die Ecke zu drängen, um den eigenen
Stil zum Durchbruch zu verhelfen. Das Ergebnis nannten sie Mischkunst.
Andere Werke überarbeitete Roth auf Reisen und schickte sie per Post an
Rainer zum Weiterverbrauch, dies ist die von ihnen so genannte
Trennkunst.
Nachdem Rainer mit seinen "Face Farces" die Fotografie, gleichzeitig
mit Valie Export und Peter Weibel, erweitert hatte, diente vor allem
seine Übertragung abstrakt expressiver Zeichnung und Übermalung in
dieses Medium als neue künstlerische Ausdrucksform. Roth versuchte
indes mit viel Humor seine runderen und weicheren Linien hinzuzufügen.
Der Einsatz von Schrift ist ihnen gemeinsam. Außerdem posierten sie für
die Fotos, aber auch für Filme als Partner oder Gegner. Auch Roths
alkoholisierte Auftritte im Gegensatz zu Rainers asketischen, dürften
wohl Strategie gewesen sein.
Das grundsätzliche Anliegen neben der Benutzung neuer Medien und
performativer Körperstrategien, war das Ausschalten aller akademischen
Regeln.
Wir verfolgen also heute den heiligen Unsinn in der Nachfolge
freier, dionysischer Schaffensräusche, übertragen auf Duett oder Duell.
Die Inszenierung dieser Sitzungen vor der Kamera hat nicht selten auch
die Zerstörung des Werks integriert, aber es blieb genug bestehen;
Blätter und Fotos, die heute auch im Kunsthandel kursieren.
Postmodern ist daran die Kombination von Gegensätzen wie Komik und
Tragik, die Wandlung des Künstlerbilds vom Heros zum Clown. Das Team
beeinflusste auch die nächste Generation, vor allem Franz West und
Franz Graf.
Das Ende der siebenjährigen Zusammenarbeit kam 1980 mit einer
Ausstellung von Joseph Beuys in der Secession und klingt wie ein Witz:
Roth trampelte auf einem Teil der Installation "Nasse Wäsche" herum,
Rainer fürchtete Streit mit der starken Beuysgemeinde. Der Schamane aus
Kleve wollte nicht zum Nachfolger in Roths Teamkonzepten werden, sehr
wohl aber sein Sohn Björn und Ingrid Wiener.
Bildende Kunst
Arnulf Rainer -
Dieter Roth Robert Fleck (Kurator) Orangerie des Belvedere bis 11. Jänner 2009
Mittwoch, 01. Oktober 2008
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