OÖN: Das Jahr nach Linz09 geht seinem Ende zu, wie hat das Lentos dieses Jahr überstanden?
Rollig: Eigentlich gut. Wir hatten auch vier sehr hochkarätige Ausstellungen, die gelungene Positionierung des neuen Ausstellungsformats TriennaleLinz1.0 und zuletzt eben VALIE EXPORT sowie Siegfried Anzinger, immerhin zwei der berühmtesten österreichischen Künstler überhaupt.
OÖN: Wie werden Lentos und das Ihnen ebenfalls unterstehende Nordico abschließen?
Rollig: Ich rechne mit rund 52.000 Besuchern insgesamt im Lentos. Im Nordico liegen wir bei 13.000.
OÖN: Wenn man den Kulturhauptstadt-Bonus einmal ausklammert, sind das im Lentos allerdings auch weniger als 2008. Da waren es 70.700. Was denken Sie, woran das liegt?
Rollig: Man spürt heuer schon die Wirtschaftskrise. Wir werden aber jedenfalls nicht beim Programm sparen, sondern ab Februar wieder einen Tag in der Woche, und zwar montags, geschlossen haben.
OÖN: Wichtig für ein Museum ist immer auch der Förderverein. Da gab es heuer ja ein Jubiläum.
Rollig: Genau. Das war für uns ein wichtiges und schönes Ereignis in diesem Jahr, das wir auch mit einem schönen großen Fest gefeiert haben. Aus Anlass dieses 25er-Jubiläums sind uns drei bedeutende Werke gestiftet worden. Das wertvollste ist eine Arbeit von Herbert Boeckl, weiters bekamen wir eine Videoinstallation von Gerwald Rockenschaub, der uns noch gefehlt hat, sowie eine Arbeit vom Oliver Dorfer.
OÖN: Wie viele Mitglieder umfasst der Förderverein?
Rollig: Derzeit exakt 206. Und es ist bemerkenswert, wie die Beitritte in die Höhe ziehen. Vor drei Jahren etwa waren wir runter auf 170, jetzt haben wir laufend Neubeitritte. Das ist für mich auch ein Erfolgserlebnis, weil das heißt, dass das Haus mitgetragen wird von der Bevölkerung.
Statutengemäß wird alles Geld, das vom Förderverein lukriert wird, in Kunstankäufe gesteckt. In diesen fünfundzwanzig Jahren hat der Förderverein etwa knapp über eine Million Euro in Ankäufe für das Lentos – vorher die Neue Galerie – investiert. Auch in diesem Jahr hat der Förderverein mehr für das Lentos angekauft, als wir das aus Eigenmitteln tun konnten.
OÖN: Im nächsten Jahr feiert ja einer der besten österreichischen Zeichner, der Leondinger Karikaturist und Cartoonist Gerhard Haderer, seinen 60er. Findet sich der im Lentos-Ausstellungsjahr? Schließlich tragen auch berühmte Kunsthäuser wie das Centre Pompidou der Comic-Kunst Rechnung.
Rollig: Ja. Haderer ist bei uns positioniert als Beitrag zum Festival Next Comic. Für einen Monat lang gibt es dazu in einem Raum im Obergeschoß eine eigene Präsentation.
OÖN: Wo genau?
Rollig: Hinter der Sammlung. Die wird ja nach Anzinger wieder umgebaut und neu präsentiert unter dem Arbeitstitel „50er Jahre bis heute“.
OÖN: Warum eigentlich nicht repräsentativer? Haderer ist schließlich eine herausragende Zeichnerfigur im deutschsprachigen Raum, hat auch dreidimensionale Arbeiten, auch grandiose Bühnenbilder...
Rollig: Hmm... naja, aber der zeitliche Ablauf ist ganz geschickt, weil Anzinger eben Mitte März endet, und Haderer gut dazwischenpasst.
OÖN: Sehen Sie sich selber eigentlich Comics oder Karikaturen an? Wo steht diese Kunstart in Ihrem eigenen Ranking?
Rollig: Ich gestehe, da bin ich wirklich keine Spezialistin.
OÖN: Was planen Sie sonst für 2011? Was sind Ihre persönlichen Highlights darunter?
Rollig: Wir haben drei große Ausstellungen. Im Frühjahr zeigen wir den ersten großen Überblick in Österreich über Arte Povera. Mit auch großen Werken jenes Dutzends italienischer Künstler, das diese Richtung geprägt hat. Von Mario Merz bis Pistoletto. Dann haben wir im Sommer eine Gilbert & George-Ausstellung, das ist mit Sicherheit ein ganz besonderes Highlight. Und dann im Herbst den österreichischen Shootingstar Markus Schinwald, der auch schon bei „Best of Austria“ dabei war. Er ist bei uns mit Zeichnungen, Installation, Video und auch performativ vertreten.
OÖN: Was ist Ihr Wunsch an das Kunst-Christkind für 2011?
Rollig: Da hab ich immer wieder die gleiche Vision...
OÖN: Nämlich?
Rollig: Immer mehr Leute für die zeitgenössische Kunst begeistern zu können.
Und das Offene Kulturhaus hat den Höhenrausch, der schlägt das gesamte Jahr das Lentos, wo die Kuratorinnen sowieso nur schlechte ausstellungen machen. Auf jeden fall war die Triennale eine Katastrophe. Die Leute haben nur gesudert, weil alles in einem Raum war und sich niemand auskannte, bzw. die Besucher-Betreuer auch nichts wußten! Blamabel!