Bludenz
(VN-ag) Das italienische 7000-Seelen Städtchen
Borgo ist Partnerstadt von Bludenz. Borgo ist aber auch der Ort, an
dem alle zwei Jahre im Sommer ein außergewöhnliches Kunstprojekt
stattfindet. Mit einer Fotodokumentation stellt sich "Arte Sella"
derzeit in der Galerie "allerArt" vor.
Was 1986 in Borgo in der Provinz Trento erstmals als
viertägiges Happening mit Künstlern aus dem Alpenraum stattfand, hat
sich derweil zum größten internationalen Kunstprojekt des Valsugana
gemausert.
Entstanden aus einer Idee und der Vision einiger engagierter
Menschen, wurde "Arte Sella" in den vergangenen 15 Jahren für über
hundert Künstler zum Synonym für eine Allianz von Kunst und Natur.
Benannt nach einem kleinen Tal bei Borgo (Sella) und in sprachlicher
Nähe zum italienischen Stella (Stern) findet das mittlerweile zu
einem regelrechten Festival mutierte Projekt in einer von der Natur
sehr stark beeinflussten und noch weitgehend intakten Gegend statt.
Keine Land Art
Eine Natur, gegen deren Dominanz sich die Kunst im
Dialog erst behaupten muss, findet "Arte Sella" doch im Wald, im
Flussbett und auf den Wiesen statt. Gegen die Kategorisierung Land
Art wehrt sich Emanuele Montibeller, einer der Initiatoren, aber
vehement: "Arte Sella" sei vielmehr eine Kunst in der Natur, aber
nicht im Sinne von zurück zur Natur, sondern vielmehr ein "vorwärts
zur Natur". Ziel ist deswegen auch nicht die Anhäufung von
Kunstwerken, schon gar nicht als Denkmäler, sondern die Schaffung
eines Platzes zum Leben, der diese Bezeichnung auch in Zukunft noch
verdient. So kommen mit Holz, Stein, Wasser, Erde vor allem
natürliche Materialien zum Einsatz. Die von Künstlerhand
geschaffenen Arbeiten werden jeweils von der Natur vollendet, der
permanenten Entwicklung der Natur, den Jahreszeiten und der
Witterung ausgesetzt. Oder aber sie existieren nur einen Moment
lang, bevor sie wieder Teil der Natur werden.
Auch Vorarlberger
Trotz Idealismus und einem aufstrebenden Projekt hat man
in Borgo aber auch die Probleme nicht aus den Augen verloren. Dazu
zählen Vandalismus in den Anfängen, steigende Besucherzahlen und
daraus resultierendes Verkehrsaufkommen, die teilweise fehlende
Infrastruktur und die knappe Finanzierung. Dem setzen die
Veranstalter sehr erfolgreich Engagement und die besondere
Atmosphäre des Ortes entgegen. Im Reigen der vielen bislang an "Arte
Sella" beteiligten Namen finden sich u. a. mit Gert und Ruth
Gschwendtner sowie Kurt Matt auch bekannte aus Vorarlberg.
Kunst in der Natur. (Foto: "Arte Sella"