VN Di, 16.7.2002

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Kultur 

Körper und Bild

Andrea Pesendorfer in der Galerie c.art.

Dornbirn (VN-ag) Eine Räumlichkeit, die nur auf Stoff existiert, eine Transparenz, die nur vorgegaukelt wird, und ein Körper, der weder Mann noch Frau, doch beides zugleich ist - dergestalt sind die Objekte der in Wien lebenden Künstlerin Andrea Pesendorfer, derzeit zu sehen in der Dornbirner Galerie c.art.

Mehrfache Transformationen und ein prozesshaftes, in jedem Stadium der Entwicklung dokumentiertes Vorgehen kennzeichnen das Werk der 1970 in Gmunden geborenen, in Wien lebenden Andrea Pesendorfer.

Studiert hat sie Malerei, doch vor dem Hintergrund der 80er-Jahre-Diskussion um die Malerei verfolgte sie bereits in ihren frühen Arbeiten, in denen aus der Leinwand gezupfte Fäden die Bildfläche strukturierten, die Umkehrung des malerischen Prozesses. Diesen eigentlich skulpturalen Ansatz thematisieren auch die jüngsten tafelbildartigen Objekte der Künstlerin, mit denen Pesendorfer einen neuen Diskurs zu grundlegenden Fragen der Malerei eröffnet, ohne sich auf das Medium festzulegen.

Skulpturaler Ansatz

So bewegen sich die Werke nicht nur in einer Grauzone zwischen Bild, Objekt, Körper und wieder Bild. Anstelle der "neutralen" Leinwand als Bildgrund kommen zudem bunte Changeant-Stoffe zum Einsatz, deren ursprünglicher Einfärbigkeit die Künstlerin in peniblen, langwierigen Arbeitsgängen durch Freilegen von Kett- bzw. Schussfaden ein kariertes Eigenleben verleiht.

Nach dem gleichen Prinzip lassen sich auch die Muster indischer Sari-Stoffe verzerren. Hat dieser Akt etwas Zerstörerisches und entsteht gleichzeitig aber auch etwas Neues daraus, so sieht die Künstlerin in der mühsamen Kleinarbeit, mit der sie sich eines industriell gefertigten Stoffes annimmt, auch etwas Absurdes.

Blickfang in der Ausstellung sind jedoch die im Raum schwebenden Hemdkleider. Hier verwandelt die Künstlerin das Hemd(männlich)-Kleid(weiblich) in ein Unisex-Kleidungsstück.

Von einem (meist männlichen) Modell getragen, abfotografiert, das Foto auf Stoff gedruckt, die Form des Fotos ausgeschnitten und dann wieder zu einem Kleidungsstück zusammengenäht, entpuppt sich das zunächst noch als Körper wahrgenommene Kleid vielmehr als ein Bild auf einem Objekt.

Individualität

Das Erkennen richtet sich nicht wie sonst üblich auf ein Gesicht, sondern auf die Frage: "Wie drückt sich Individualität in der Körperanpassung eines Kleidungsstückes aus, wie faltet es sich durch unsere spezifischen Bewegungen, Haltungen und Gesten?" (Pesendorfer). Mit einem der die Bewegung einfrierenden Hemdkleider, deren Falten noch Ausdruck der längst aus ihnen entschwundenen Person sind, ist auch die Fotoserie "Aneignung" entstanden: Momentaufnahmen aus einer Performance, ein merkwürdiges Wechselspiel zwischen Modell und Fotograf, Frau und Mann, Realität und Illusion.

Pesendorfers Hemdkleider - ein Unisex-Kleidungsstück. (Foto: Grabher)




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