Dornbirn (VN-ag) Eine Räumlichkeit,
die nur auf Stoff existiert, eine Transparenz, die nur vorgegaukelt
wird, und ein Körper, der weder Mann noch Frau, doch beides zugleich
ist - dergestalt sind die Objekte der in Wien lebenden Künstlerin
Andrea Pesendorfer, derzeit zu sehen in der Dornbirner Galerie
c.art.
Mehrfache Transformationen und ein prozesshaftes, in
jedem Stadium der Entwicklung dokumentiertes Vorgehen kennzeichnen
das Werk der 1970 in Gmunden geborenen, in Wien lebenden Andrea
Pesendorfer.
Studiert hat sie Malerei, doch vor dem Hintergrund der
80er-Jahre-Diskussion um die Malerei verfolgte sie bereits in ihren
frühen Arbeiten, in denen aus der Leinwand gezupfte Fäden die
Bildfläche strukturierten, die Umkehrung des malerischen Prozesses.
Diesen eigentlich skulpturalen Ansatz thematisieren auch die
jüngsten tafelbildartigen Objekte der Künstlerin, mit denen
Pesendorfer einen neuen Diskurs zu grundlegenden Fragen der Malerei
eröffnet, ohne sich auf das Medium festzulegen.
Skulpturaler Ansatz
So bewegen sich die Werke nicht nur in einer Grauzone
zwischen Bild, Objekt, Körper und wieder Bild. Anstelle der
"neutralen" Leinwand als Bildgrund kommen zudem bunte
Changeant-Stoffe zum Einsatz, deren ursprünglicher Einfärbigkeit die
Künstlerin in peniblen, langwierigen Arbeitsgängen durch Freilegen
von Kett- bzw. Schussfaden ein kariertes Eigenleben verleiht.
Nach dem gleichen Prinzip lassen sich auch die Muster indischer
Sari-Stoffe verzerren. Hat dieser Akt etwas Zerstörerisches und
entsteht gleichzeitig aber auch etwas Neues daraus, so sieht die
Künstlerin in der mühsamen Kleinarbeit, mit der sie sich eines
industriell gefertigten Stoffes annimmt, auch etwas Absurdes.
Blickfang in der Ausstellung sind jedoch die im Raum schwebenden
Hemdkleider. Hier verwandelt die Künstlerin das
Hemd(männlich)-Kleid(weiblich) in ein Unisex-Kleidungsstück.
Von einem (meist männlichen) Modell getragen, abfotografiert, das
Foto auf Stoff gedruckt, die Form des Fotos ausgeschnitten und dann
wieder zu einem Kleidungsstück zusammengenäht, entpuppt sich das
zunächst noch als Körper wahrgenommene Kleid vielmehr als ein Bild
auf einem Objekt.
Individualität
Das Erkennen richtet sich nicht wie sonst üblich auf ein
Gesicht, sondern auf die Frage: "Wie drückt sich Individualität in
der Körperanpassung eines Kleidungsstückes aus, wie faltet es sich
durch unsere spezifischen Bewegungen, Haltungen und Gesten?"
(Pesendorfer). Mit einem der die Bewegung einfrierenden Hemdkleider,
deren Falten noch Ausdruck der längst aus ihnen entschwundenen
Person sind, ist auch die Fotoserie "Aneignung" entstanden:
Momentaufnahmen aus einer Performance, ein merkwürdiges Wechselspiel
zwischen Modell und Fotograf, Frau und Mann, Realität und Illusion.
Pesendorfers Hemdkleider - ein Unisex-Kleidungsstück.
(Foto: Grabher)