Nicht direkt Jubel, aber beruhigen den Trubel und Heiterkeit
löste die "21. Art Brussels", die Kunst messe für Zeitgenössisches am
Brüsseler Expo-Gelände, aus. Am Dienstag ging sie zu Ende. 145 Galerien
aus 18 Ländern verwandelten, wie auch im vergangenen Jahr, die beiden
Hallen in eine Art Kunstkaufhaus: Zeitlos Klassisches, Experimentelles,
Dauerbrenner und Geschmäcklerisches wechselten einander ab.
Die größte ist sie zwar nicht, aber ob ihrer geografischen
Lage hat die Brüsseler Messe einen viel versprechenden Ruf bei den
Händlern. Hier treffen sich Sammler aus Frankreich, Deutschland, den
Niederlanden und natürlich aus Belgien. Eine grenzübergreifende Gegend, in
der sich eine äußerst potente und gebildete Interessentenschicht
herausgebildet hat. Hier wird nicht spontan zugeschlagen, sondern sorgsam
abgewogen, das Objekt der Begierde lustvoll umschlichen - aber Regeln gibt
es bei Messen nie, wie immer wieder beteuert wird.
Nur heuer schien das Lauern zu überwiegen, wie einige
Brüssel-erprobte Galeristen gelassen bemerkten: Eindeutig ruhiger sei es
heuer - trotz guten Besuchs hieße es eher "guck ma mal", erfährt man am
Stand der Leipziger Dogenhaus-Galerie, wo eine hölzerne Kopfsäule von
Stephan Balkenhol um 19.000 Euro wartete. Nicht nur der Krieg, auch die
allgemeine wirtschaftliche Lage werden als Erklärung angeführt.
Doch das Interesse ist heuer - wie zur Ablenkung von den
Bildern des Grauens - reger als je zuvor: Die Messe konnte sich im
Vergleich zum Vorjahr um unglaubliche 29 Prozent auf 31.5000 Besucher
steigern. Der teils schon fast bedrängende Ansturm eines auffällig jungen
Publikums wunderte auch die Galeristen, und sie konnten sich im
schlechtesten Falle also wenigstens über neue Kontakte freuen.
Auf Kontakte zählte besonders die Abteilung "Junge
Galerien", die sich in 25 Quadratmeter-Ständen präsentieren konnten.
Darunter fanden sich zwei der neun auf der Messe vertretenen
österreichischen Unternehmen: Bei Krobath Wimmer blieb man recht zahm und
zeigte Fotoarbeiten, etwa von Dorit Margreiter, Maria Hahnenkamp. Fotos
auch in der Koje von Hohenlohe & Kalb, wo die Wienerin Ines Doujak
neben einer Teppichskulptur von Michael Kienzer wohl die meiste
Aufmerksamkeit erregte.
Blickfänge gab es jedenfalls genug. So viele, dass die
einzelnen beinahe untergingen. Den auch von der Qualität großzügigsten
Stand bespielten die Schweizer Hauser & Wirth mit neuen Arbeiten von
Paul McCarthy und Jason Rhoades. Ein Museumsstück von Jeff Wall, der
Leuchtkasten "Cuttings" aus einer Serie, die zur Zeit auch im Wiener
Museum moderner Kunst hängt, bieten die Kölner Johnen & Schöttle um
110.000 Euro an. Ein wahrer Glücksfall ist dagegen der fantastische kleine
Karton von "Flügelmacher" Baruwa, den die Galerie Insam neben Candida
Höfer, Art and Language um 450 Euro vorstellte, ebenso wie den stillen
Zeichner Frantisek Lesak. Bei Nächst St. Stephan blieb ein eleganter
großformatiger Thomas Ruff um 38.000 Euro zwar unverkauft, in einer
Einzelpräsentation platzierte man aber als neue Hoffnung die
Scherenschnitte von Stefan Thiel.
Voll ins Schwarze hat Ursula Krinzinger mit den Zeichnungen
von Erwin Wurm getroffen, der seit seinem inspirativen Auftritt auf MTV
(im neuen Video der Red Hot Chilli Peppers) überhaupt alle Münder wässrig
macht. Auf Nummer Sicher setzte man bei Thoman aus Innsbruck, der
Gironcoli und West anbot. Auffällig viel Österreicher hatte man bei Kuckei
und Kuckei aus Berlin mit Lois Renner und dem jungen Ingmar Alge im
Programm. Eine gute Auswahl für Brüssel brachte auch Sylvia Steinek mit:
Die Peddigrohr-Bilder von Ilse Haider sind nicht mehr heimgekehrt. Eine
mutige Koje bestückte die Salzburger Galerie Academia: Neben einem
spiegelnden Triptychon von Brigitte Kowanz (38.500 €) präsentierte man
eine Einzelschau von Jaume Plensa.
Allgemein zeigte sich, dass sich ein gewisses Gleichgewicht
zwischen Fotokunst und Malerei einpendelt. Video dagegen wird nur mehr
vereinzelt angeboten - es ist wohl auch schwer zu verkaufen. In den
Fernseher schaut man zur Zeit nicht zum Vergnügen.
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Presse | Wien