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10.04.2003 - Ausstellung
Art Brussels: Lauern auf das Begehren
Neun österreichische Galerien präsentierten sich heuer auf der Brüsseler Kunstmesse.
VON ALMUTH SPIEGLER


Nicht direkt Jubel, aber beruhigen den Trubel und Heiterkeit löste die "21. Art Brussels", die Kunst messe für Zeitgenössisches am Brüsseler Expo-Gelände, aus. Am Dienstag ging sie zu Ende. 145 Galerien aus 18 Ländern verwandelten, wie auch im vergangenen Jahr, die beiden Hallen in eine Art Kunstkaufhaus: Zeitlos Klassisches, Experimentelles, Dauerbrenner und Geschmäcklerisches wechselten einander ab.

Die größte ist sie zwar nicht, aber ob ihrer geografischen Lage hat die Brüsseler Messe einen viel versprechenden Ruf bei den Händlern. Hier treffen sich Sammler aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und natürlich aus Belgien. Eine grenzübergreifende Gegend, in der sich eine äußerst potente und gebildete Interessentenschicht herausgebildet hat. Hier wird nicht spontan zugeschlagen, sondern sorgsam abgewogen, das Objekt der Begierde lustvoll umschlichen - aber Regeln gibt es bei Messen nie, wie immer wieder beteuert wird.

Nur heuer schien das Lauern zu überwiegen, wie einige Brüssel-erprobte Galeristen gelassen bemerkten: Eindeutig ruhiger sei es heuer - trotz guten Besuchs hieße es eher "guck ma mal", erfährt man am Stand der Leipziger Dogenhaus-Galerie, wo eine hölzerne Kopfsäule von Stephan Balkenhol um 19.000 Euro wartete. Nicht nur der Krieg, auch die allgemeine wirtschaftliche Lage werden als Erklärung angeführt.

Doch das Interesse ist heuer - wie zur Ablenkung von den Bildern des Grauens - reger als je zuvor: Die Messe konnte sich im Vergleich zum Vorjahr um unglaubliche 29 Prozent auf 31.5000 Besucher steigern. Der teils schon fast bedrängende Ansturm eines auffällig jungen Publikums wunderte auch die Galeristen, und sie konnten sich im schlechtesten Falle also wenigstens über neue Kontakte freuen.

Auf Kontakte zählte besonders die Abteilung "Junge Galerien", die sich in 25 Quadratmeter-Ständen präsentieren konnten. Darunter fanden sich zwei der neun auf der Messe vertretenen österreichischen Unternehmen: Bei Krobath Wimmer blieb man recht zahm und zeigte Fotoarbeiten, etwa von Dorit Margreiter, Maria Hahnenkamp. Fotos auch in der Koje von Hohenlohe & Kalb, wo die Wienerin Ines Doujak neben einer Teppichskulptur von Michael Kienzer wohl die meiste Aufmerksamkeit erregte.

Blickfänge gab es jedenfalls genug. So viele, dass die einzelnen beinahe untergingen. Den auch von der Qualität großzügigsten Stand bespielten die Schweizer Hauser & Wirth mit neuen Arbeiten von Paul McCarthy und Jason Rhoades. Ein Museumsstück von Jeff Wall, der Leuchtkasten "Cuttings" aus einer Serie, die zur Zeit auch im Wiener Museum moderner Kunst hängt, bieten die Kölner Johnen & Schöttle um 110.000 Euro an. Ein wahrer Glücksfall ist dagegen der fantastische kleine Karton von "Flügelmacher" Baruwa, den die Galerie Insam neben Candida Höfer, Art and Language um 450 Euro vorstellte, ebenso wie den stillen Zeichner Frantisek Lesak. Bei Nächst St. Stephan blieb ein eleganter großformatiger Thomas Ruff um 38.000 Euro zwar unverkauft, in einer Einzelpräsentation platzierte man aber als neue Hoffnung die Scherenschnitte von Stefan Thiel.

Voll ins Schwarze hat Ursula Krinzinger mit den Zeichnungen von Erwin Wurm getroffen, der seit seinem inspirativen Auftritt auf MTV (im neuen Video der Red Hot Chilli Peppers) überhaupt alle Münder wässrig macht. Auf Nummer Sicher setzte man bei Thoman aus Innsbruck, der Gironcoli und West anbot. Auffällig viel Österreicher hatte man bei Kuckei und Kuckei aus Berlin mit Lois Renner und dem jungen Ingmar Alge im Programm. Eine gute Auswahl für Brüssel brachte auch Sylvia Steinek mit: Die Peddigrohr-Bilder von Ilse Haider sind nicht mehr heimgekehrt. Eine mutige Koje bestückte die Salzburger Galerie Academia: Neben einem spiegelnden Triptychon von Brigitte Kowanz (38.500 €) präsentierte man eine Einzelschau von Jaume Plensa.

Allgemein zeigte sich, dass sich ein gewisses Gleichgewicht zwischen Fotokunst und Malerei einpendelt. Video dagegen wird nur mehr vereinzelt angeboten - es ist wohl auch schwer zu verkaufen. In den Fernseher schaut man zur Zeit nicht zum Vergnügen.



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