Führende Museen der Welt wollen bei der
Wiedererlangung der geraubten Kunst- und Kulturschätze helfen. Aus diesem
Grund wollen die Museen laut einem Bericht der Londoner Zeitung
"Independent on Sunday" Experten in den Irak schicken.
Das internationale Team unter Leitung des Britischen Museums in London
soll unter anderem Fachleute aus dem Louvre in Paris, dem Getty Museum in
Los Angeles, dem Metropolitan Museum in New York und der Eremitage in St.
Petersburg umfassen.
Dokumentation des Schadens
Das Britische Museum schickt seinen Experten für antike Kunstschätze
des Nahen Ostens, John Curtis, sechs Restaurateure und drei Kuratoren.
"Erstaunlich ist, dass bisher kaum jemand weiß, was genau fehlt", sagt
der Direktor des Britischen Museums, Neil MacGregor. Deshalb müsse
zunächst einmal der entstandene Schaden dokumentiert werden.
Gesetzestafel des Hammurabi doch nicht gestohlen
Wie dringend die Katalogisierung des angerichteten Schadens ist,
beweist die Meldung des angeblichen Diebstahls der Gesetzestafel des
Hammurabi. Kurz nach der Einnahme der irakischen Hauptstadt Bagdad durch
die US-geführten Streitkräfte erschütterten Meldungen von der Plünderung
des irakischen Nationalmuseums die kunst- und archäologie-interessierte
Weltöffentlichkeit. Unter anderem wurde auch der Verlust eines der
bedeutendsten Stücke des Museums, die Gesetzestafel des Herrschers
Hammurabi, der von 1728 bis 1668 v. Chr. in Babylonien regierte,
gemeldet.
Original steht im Louvre
Was aus dieser ältesten Rechtssammlung der Menschheit geworden ist, sei
unbekannt, so die Medien-Berichte von Mitte April. Das Hamburger
Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" konnte jedoch Tröstliches vermelden. Es
wies darauf hin, dass die Original-Stele Hammurabis "in Wahrheit
wohlbehalten im Louvre" in Paris steht.
Die in Keilschrift verfassten Gesetzestexte, die in einen schwarzen,
über zwei Meter hohen Dioritblock eingemeißelt sind, wurden von
französischen Archäologen in Susa (dem antiken Elam) im Irak im Winter
1901/02 ausgegraben. Der in drei Teile zerborstene Block wurde restauriert
und steht heute in dem weltberühmten Museum in der französischen
Hauptstadt.
Auch Ausgrabungsstätten müssen geschützt werden
"Wir müssen die Regierungen außerdem dazu bringen, dass sie jeden daran
hindern, diese Objekte in ihre Länder einzuführen", meint der Direktor des
Britischen Museums, MacGregor. Er wirft den USA auch vor, das Irakische
Nationalmuseum in Bagdad viel zu spät unter Bewachung gestellt zu haben
und fordert zudem den Schutz wichtiger Ausgrabungsstätten außerhalb der
irakischen Städte.
"Wir wissen schlicht nicht, was an Orten wie Ninive und Ur geschieht",
sagt MacGregor. "Aber das sind einige der frühesten und wichtigsten Städte
der Erde, und wir müssen auch sie vor Plünderungen schützen." Der Direktor
des Britischen Museums hält es auch für wahrscheinlich, dass Plünderer in
Bagdad Kontakte zu skrupellosen westlichen Antiquitäten-Sammlern
hätten.
Herausforderung: Wiederbeschaffung
Mit den geplünderten Museumsgütern ist nach Ansicht des
Altorientalisten Gernot Wilhelm auch ein Teil der abendländischen
Kulturgeschichte verloren gegangen. "Bei dem Diebesgut handelt es sich um
wesentliche Dokumente der Menschheitshistorie und damit auch der
Geschichte Mitteleuropas", sagte der Würzburger Wissenschaftler. So wurden
in der altorientalischen Kultur mit der Einteilung der Zeit in Stunden und
Minuten auch die Grundsteine für das Leben in der westlichen Kultur
gelegt.
Nach der Meinung von Wilhelm hätten die US-Truppen die Kulturgüter
nicht ausreichend geschützt, die eingesetzte einheimische Verwaltung hätte
jetzt jedoch die Chance, verlorenes Kulturgut unter Umständen zu finden,
betont Wilhelm.
Beschreibungen für Fahnder
Nachdem die ersten gestohlenen Kunstgegenstände in den USA aufgetaucht
sind, will auch das FBI in Kürze ein Expertenteam in den Irak entsenden,
um genaue Beschreibungen der gestohlenen Ausstellungsstücke erstellen zu
können.
Die Informationen sollen dann den Fahndern helfen, mögliches Diebesgut
zu identifizieren. Derzeit sei es schwierig, die Kunstwerke abzufangen, da
diese oft nur von Experten erkannt würden, erklärte FBI-Sprecherin Lynne
Chaffinch.
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