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12.02.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Kritik Ausstellung: Professionell geglättet
Das "Kunsthaus Wien" verhilft Werbe-Fotografen Andreas Bitesnich zu musealer Aura. Zu Unrecht.

Gleich zu Beginn wird es kommerziell: Parfum-Pröbchen für einen französischen Herren-Duft werden verteilt, dazu reicht man schicke Kalender, gespickt mit Akt-Fotos von Andreas H. Bitesnich (12,90 Euro). Diesem 1964 in Wien geborenen Fotografen widmet das "Kunsthaus Wien" seine aktuelle Ausstellung. Immerhin, mit der Hundertwasser-Architektur wurden schon Legenden wie Leibovitz oder Mapplethorpe konfrontiert. Mit den knalligen sexy Bildern von David LaChapelle wurde diese Fotografie-Schiene schon seichter. Mit Bitesnichs Akt-Fotografie scheint ein neuer künstlerischer Tiefpunkt erreicht.

Dabei möchte man dem Fotografen in seiner Professionalität nicht zu nahe treten! Er ist ohne Zweifel ein international gefragter Werbe- und Magazinfotograf. Er bannte Elke Winkens nackt auf ein Plakat für die Aids-Hilfe oder einen männlichen Rückenakt auf ein CD-Cover, warb für Küchen, publizierte im "Playboy". Nur, muss das immer alles gleich Kunst sein? Zeitgenössische Kunst wird heute durch den Umraum definiert, was im Museum hängt, ist Kunst, lautet eine Theorie. Also: Bewacht die Räume!

Vor zu viel Schönheit etwa. Seit der Klassischen Moderne, seit der Abstraktion, seit Picasso spätestens sollte ein guter Künstler nicht mehr reinen Gewissens und unkritisch perfekte Körper erschaffen können. Seit der Ästhetik des Faschismus schon gar nicht. Da wundert es nicht, wenn man liest, dass Bitesnich Werke von Riefenstahl und Helmut Newton sammelt. Die 120 im Kunsthaus gezeigten Arbeiten lassen nur schmerzhaft an den vor zwei Wochen verstorbenen Großmeister der sadomasochistischen Fantasien zurückdenken.

Während die meisten schwarzweißen Aufnahmen, die gestählten, sich räkelnden Nackten penetrant an Kosmetik-Werbung erinnern - man sucht richtiggehend nach einem Firmen-Logo -, zeichnen sich die Farbfotos, mit denen sich der Wiener erst seit kurzem beschäftigt, durch wächserne Leblosigkeit aus. In gelblichem Licht wirken die glatten Körper wie aus Madame Tussauds Kabinett.

Unter Berufsfotografen mag er als Bildhauer gelten, unter Künstlern wohl eher als Bild-Glätter. sp

Bis 9. Mai. Tägl. 10-19 Uhr.

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