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| 31.10.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Galerie Kargl: Kriegsreste - Galerie Krinzinger: Übergewicht | ||
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Es hat schon etwas Unverfrorenes, wie Martin Dammann die
Sujets seiner Bilder mittels Technik gegen den Strich bürstet: Der
deutsche Künstler lässt alte Kriegsfotos als große Aquarelle wieder
auferstehen. Das hört sich reißerisch an, findet aber eine sehr spannende
Umsetzung. Fast möchte man die verschwommenen Szenerien als
"Erinnerungsbilder" bezeichnen, aber wer sollte schon an ein Soldatenleben
in Pastelltönen denken? In "Zweite Totale" (20.900 €) sind gesichtslose
Uniformierte am Werk. Dammann skizziert sie teils nur grob, sodass sie
geisterhaft wirken. Die Soldaten werden von einer dunklen Masse umdrängt,
die von weiter weg wie ein Schützengraben aussieht. Beim Näherkommen löst
sich die braune Masse in unheilvolle Farbdämpfe auf. Gruppenfotos gehören
maßgeblich zu Dammanns Vorlagen. Menschen reihen sich in "End of the Line"
und "Wasserfall" (je 17.600 €) aneinander, in denen die Umrisse der
Personen durch Wasserspiegelung raffiniert multipliziert werden. Der 1965
geborene Künstler kombiniert seine Aquarelle mit Fotografien. Auch dort
geht es ihm um produktive Unschärfen. So lässt ein scheinbar unschuldiges
Foto von Wolken misstrauisch werden: Sind die schwarzen Punkte nun Vögel
oder Flieger? Beeindruckend gelingt die Vergrößerung eines echten
Kriegsbildes. Das Aufklärerfoto "Überdeutschland 2" lässt eine von weiter
Ferne aufgenommene Schiffsflotte erkennen. Das Original wurde gefaltet und
seine mitreproduzierten Risse legen abermals den Finger auf die Wunde der
unbewältigten Bildwelten. (Bis 5. 11., Schleifmühlg. 5, Wien 4)
Galerie Krinzinger: ÜbergewichtAnfang der 90er Jahre verwendete Erwin Wurm seinen
eigenen Körper als bildhauerisches Material und führte mit einer Fotoserie
vor, wie dieser durch üppige Kost seine Gestalt verändern kann. Auf den
"fat artist" folgte ein aus den Fugen geratenes Auto und 2004 das riesige
"Fat House". Dieses mollige weiße Ding mit Schindeldach würde niemand für
einen Entwurf biomorpher Architektur halten; es funktioniert vielmehr nach
dem Kinderschema: Die Fenster als Augen, der Eingang als Mund. In einer
Videoanimation hat Wurm das aufgedunsene Gebäude jetzt zum Sprechen
gebracht. Mit sanfter Stimme denkt es über die Frage "Am I a house?" nach
und sinniert, was es eigentlich zu einem Kunstwerk macht. In Wurms Schau
dreht sich alles um Architektur, die sich aufbläht, zerfließt, aus ihren
Festen quillt. Besonders der geometrische Modernismus muss dran glauben:
Frank L. Wrights MoMA und eine Loos-Villa verlieren ihre strenge Form. In
einer Fotoserie (Auflage 5, 6000 €) treten keine Personen mehr als Akteure
von Ein-Minuten-Skulpturen auf, sondern Wurstsemmeln, Senftuben und
Milchpackerl übernehmen die tragenden Rollen. Wurm sind wieder leicht
eingängige und vervielfältigbare Arbeiten gelungen. Die hintersinnige
Simplizität seiner frühen Plastik lassen sie aber schmerzlich vermissen.
(Bis 15. 11., Seilerstätte 16, Wien 1) Nicole Scheyerer
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