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| 20.12.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Husslein: Klingendes Belvedere-Imperium | ||
| VON BARBARA PETSCH | ||
| Interview. Agnes Husslein, neue Chefin der Österreichischen Galerie, will doppeltes Budget und viel mehr Besucher. | ||
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Die
Presse: Wie ist das Klima nach Ihrem Streit mit dem scheidenden
Direktor Gerbert Frodl über Rücklagen, Subventionserhöhungen? Sprechen
Sie noch miteinander? Agnes Husslein: Natürlich. Ich habe
nur die Wahrheit festgestellt. Wir brauchen für 2007 mindestens
1,7 Mio. € und auf lange Sicht eine Verdoppelung der
Basis-Abgeltung (Subvention) von ca. 4,5 auf neun Mio. €. Allein
die Gehälter machen 5,2 Mio. aus. Die Herren Köb (Mumok) und Noever
(MAK) haben viel mehr Subventionen als wir. Hat Frodl bei der Verteilung im Zuge der Ausgliederung nicht geschickt verhandelt? Husslein: Das weiß ich nicht. Da
war ich nicht dabei. Die Anforderungen an ein Museum haben sich stark
verändert. Frodl hat extrem sparsam gewirtschaftet. Er hat aber auch
alles heruntergeschraubt. Jetzt muss man wieder investieren. Das ist
unbedingt nötig. Wenn man neue Ausstellungen machen, neues Publikum
gewinnen will, muss man Geld in die Hand nehmen, sonst dreht sich die
Spirale immer weiter nach unten. Woran wird das Publikum am
1. Jänner 2007 merken, dass jetzt statt Gerbert Frodl Agnes
Husslein die Österreichische Galerie leitet? Husslein: Also am 1. Jänner
werden die Leute noch nichts bemerken. Außer sie verirren sich zufällig
in die Orangerie. Diese wird gesperrt sein. Die Skulpturen der
Mittelalter-Sammlung werden ausgelagert. Sie haben große Veränderungen angekündigt:
Ausstellungen im Unteren Belvedere, die Sammlung im Oberen. Können Sie
das durchsetzen. Was sagen die Sammlungsleiter? Husslein: Solche Themen werden
natürlich abgesprochen. Das Konzept, dass Ausstellungen im Unteren, die
Sammlung ausschließlich im Oberen Belvedere gezeigt wird, ist neu. Ich
mache das aus vielerlei Gründen. Vor allem möchte ich viel mehr
Besucher locken, mehr Österreicher, aber auch wesentlich mehr
Touristen. Hunderttausende kommen, um sich das Schloss und den Garten
anzuschauen, aber viele gehen nicht ins Museum. Wir haben rund 400.000
Besucher jährlich - 20 Prozent Österreicher, 80 Prozent Ausländer -,
ich möchte 600.000 haben. Das kann funktionieren, wenn wirklich alle
Kunstepochen und Hauptwerke der Sammlung, die eine der bedeutendsten
Europas ist, präsent sind. In den letzten Jahren war das durch die
Wechselausstellungen nicht der Fall. Seit langer Zeit konnte man
Historismus, Nazarener, Realismus nicht sehen. Mein Ziel ist es, in den
nächsten zwei, drei Jahren eine komplette Neuaufstellung der Sammlungen
zu machen. Sie wird vom Mittelalter bis 1945 reichen. Ich kann das Haus
ganz anders vermarkten, wenn die österreichische Kunstgeschichte
vollständig zu sehen ist. Natürlich muss man sich auch überlegen: Wie
inszeniert man Klimt und seine Zeit am interessantesten? Aber ist genug Platz im Oberen Belvedere für die Mittelalter- und Barock-Sammlung? Husslein: Ja, es wird einfach
komprimierter. Die meisten Werke, vor allem die Hauptwerke, haben
Platz. Barock und Mittelalter im Unteren Belvedere wurden bisher nur
von Spezialisten besucht. Ich habe das selbst beobachtet. Die Leute
kommen z. B. vom Schwarzenbergplatz, schauen in den Ehrenhof,
finden den Eingang nicht. Dann gehen sie raus um die Ecke, sehen das
Obere Belvedere und düsen rauf . . . Was wird mit Prunkstall und Orangerie? Husslein: Den Prunkstall, der jetzt
brachliegt, hie und da einmal für Konzerte, Kinderfeste verwendet wird,
bauen wir um. Dort eröffnen wir im Sommer ein Schaulager. Die Orangerie
wird umgebaut. Dort findet von März bis Juni die Ausstellung
"Gartenlust" statt, Gartenkunst vom Mittelalter bis heute. Ich schaffe
mir dort eine Plattform, wo ich perfektes Klima, Licht, Sicherheit
haben werde. Gleichzeitig stelle ich in die 56 Meter lange Halle einen
White Cube - und habe damit einen neutralen Ausstellungsraum. Das Atelier Augarten hat kaum Besucher. Husslein: Ich behalte es auf jeden
Fall, bis die Probleme mit der Sanierung des 20er Hauses gelöst sind.
Das Atelier Augarten hat ein hohes Standing bei Kunstinteressierten.
Bei Eröffnungen ist es voll, danach gibt es nicht selten einen Besucher
pro Tag. Das ist schade, schließlich kostet das auch Geld. Ich möchte
jetzt einmal einiges probieren, ich zeige einen Teil der
"Gartenlust"-Ausstellung im Atelier Augarten und versuche, diesen Ort
stärker zu integrieren . . . Finanziert die Erste Bank den Umbau des 20er Hauses, wie Frodl angekündigt hat? Husslein: Frodl war die letzten
Monate nicht eingebunden in die Verhandlungen. Beim 20er Haus ist nicht
viel passiert, bevor ich gekommen bin. Für mich ist das ein wahnsinnig
wichtiges Projekt. Ich habe sehr viel Kraft und Zeit verwendet, es
voranzutreiben. Das Wichtigste war die definitive Erteilung der
Bauplanung. Bis jetzt schwirren da so Zahlen herum, in der
Größenordnung von 10-12 Mio. €. Im März werden wir wissen,
was der Umbau kostet. Danach muss man neuerlich verhandeln. Ziel ist
die Wiedereröffnung 2008. Es wird eine Public-Private-Partnership
geben. Ich rede mit verschiedenen Sponsoren, auch mit der Erste Bank.
Dort gab es eine gewisse Bereitschaft. Aber das ist ein vager, weiter
Rahmen. Das Wichtigste sind jetzt konkrete Zahlen. Klaus Albrecht Schröder hat aus der
Albertina ein Imperium gemacht. Wird die Österreichische Galerie jetzt
Ihr Imperium? Nach allem, was Sie sagen, klingt es so. Husslein: Mit dem Ausdruck Imperium
kann ich mich nicht anfreunden. Ich möchte alle Saiten dieses schönen
Instruments zum Klingen bringen, alle Plattformen bespielen, alle
Publikumsschichten ansprechen. Jetzt fehlt nur noch ein Eklat wie in
Salzburg, wo Sie mit dem nackten Mann von Gelatin (jetzt Gelitin) für
Aufsehen sorgten. Vielleicht gelingt Ihnen so etwas auch in Wien. Husslein (lacht): Jeder dachte,
dass ich das absichtlich getan habe. Ich finde, dass Gelatin
interessante Künstler sind! Vielleicht mache ich ja auch hier etwas.
Aber erfinden kann man so etwas nicht. Der Park gehört zu den
Bundesgärten, da bräuchte ich eine Bewilligung. Insgesamt glaube ich
allerdings, dass die Wiener toleranter sind, großzügiger,
großstädtischer als die Salzburger. |
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