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2001-09-12 19:30
Kultur ohne Staat: Dynamisch, flexibel
Der Wiener Kunstallendirektor Gerald Matt versteht seine Einrichtung als kulturellen Dienstleistungsbetrieb, der in die vollkomene Freiheit entlassen wurde. Im Rahmen der Kulturmanagement-Akademie referiert er über Planung und Controllung im Kulturbereich
TT-Foto: Zoller
TT: Öffentliche Kulturtöpfe sind alles andere als randvoll, private Sponsoren meist schwer aufzutreiben. Wer ein Theater, ein Museum leitet, muss sich daher intensiv um Geldbelange kümmern. Bleiben Inhalte da nicht leicht auf der Strecke?
Gerald Matt: Im Vordergrund hat immer der kulturelle, der künstlerische Auftrag zu stehen. Es geht nicht primär darum, ein Museum in einen Wirtschaftsbetrieb umzufunktionieren und alles dieser Wirtschaftlichkeit unterzuordnen. Aber durch eine neue Generation von Kunstmanagern sind Controlling, Marketing und strategische Unternehmensführung kein Fremdwort mehr. Man versteht sich als kultureller Dienstleistungsbetrieb, der sich aus der Gesellschaft mit kultureller Energie versorgt, diese aber auch wieder zurückgibt.
TT: Genaue Planung, um das zur Verfügung stehende Geld optimal einzusetzen?
Matt: Ja, um zu verhindern, dass Geld in Strukturen, Bürokratie und Doppelgleisigkeiten versickert, sondern - effizient eingesetzt - möglichst viel Geld freigesetzt wird für die Kunst. Wer völlig losgelöst ist von der staatlichen Verwaltung kann flexibler, dynamischer und kostengünstiger als in einer beamteten Organisation arbeiten.
TT: Und dennoch fühlen sich viele wohler im wohlbehüteten staatlichen Schoß als die Verantwortung für eigenständiges Agieren zu tragen.
Matt: Immer mehr Museen werden aus der staatlichen Verwaltung entlassen und zu selbstständigen Unternehmen gemacht, was viele beklagen. Sie übersehen dabei, dass das eine Entlassung in die maximale künstlerische Freiheit darstellt. Dabei geht es nicht um eine Entlassung des Staates aus der finanziellen Verantwortung, das wäre der Tod für zeitgenössische Institutionen mit zum Teil sperrigen Inhalten. Es geht um eine Privatisierung der Organisation, der Strukturen.
TT: Die öffentliche Hand darf sich des Kulturauftrages nicht entledigen. Aber häppchenweise Subventionen sind nicht gerade zielführend.
Matt: Dass Subventionen nur kurzfristig vergeben werden, geht völlig vorbei an der heute stark kompetitiven Ausstellungsrealität. Im Wettbewerb um Leihgaben und Künstler muss man mittelfristig Verbindlichkeiten eingehen und braucht entsprechende Planungsvorläufe. Es ist eine große Errungenschaft, dass man in Wien diesem verändertem Kunstgeschehen Rechnung getragen und wie bei uns in der Kunsthalle Dreijahresverträge festgelegt hat.
TT: Wie sehen diese Verträge aus?
Matt: Die vereinbarten Zielsetzungen können nicht nur quantitative, sondern müssen auch qualitative Kriterien sein. Sie reichen von einer bestimmten Zahl von Ausstellungen, Mindestbesucher von der Nachhaltigkeit des Projekts, zu medialer und wissenschaftlicher Resonanz bis zu ökonomischen und sozialen Effekten.
TT: Mindestbesucherzahlen klingt irgendwie nach Quotendenken.
Matt: Ich warne davor, nur quantitative Kriterien zur Bestimmung des Erfolges berücksichtigen, denn dann ist die Jagd nach seichter Unterhaltung offen. Was auch nicht angeht sind Vergleiche von Publikumszahlen von Häusern mit verschiedener Programmatik oder mit unterschiedlich großen Einzugsgebieten. Aber man kann sich auch nicht vor dem Wettbewerb um das Aufmerksamkeitskapital in der Gesellschaft verschließen und einfach sagen, diesem Wettbewerb wollen wir uns nicht stellen. Unser Auftrag muss sein für ein möglichste breites Publikum Kommunikation herzustellen.
TT: Muss man dazu den Weg des Populismus gehen?
Matt: Die Zeiten, in denen man für den Eintritt in den Elfenbeinturm von den Besuchern einen vierfachen Eignungstest verlangt hat, sind vorbei. Die Alternative heißt bitte nicht reiner Populismus und Disneyland. Es geht um den Weg dazwischen, wo man das Haus als Teil der Gesellschaft ernst nimmt und dafür Programme kommuniziert.
TT: Ein Schwerpunkt in der Kulturmanagement-Akademie ist die Frage der Verbindung von Tourismus und Kultur. Lassen sich einige Kulturmacher nicht zusehr vom Tourismus vereinnahmen?
Matt: Man muss sich die Frage stellen, welche Qualität an einem bestimmten Ort und für welches Publikum geboten wird . Gibt es die Möglichkeit für junge

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