Bregenz
(VN-cd) Vielleicht hätte der "Kunstskandal" des
letzten Sommers letztendlich doch zu einem breiten Diskurs geführt,
wenn die Bregenzer Festspiele ihre Reihe "Festspiel-Talk" bereits
etwas früher gestartet hätten. Festspielpräsident Günter Rhomberg,
dem diese neue Initiative ein besonderes Anliegen ist, gibt
jedenfalls zu Protokoll, dass er sich vor nichts scheut, was
gesellschaftspolitisch relevant ist und führt als Beispiel die Causa
"Göpf" an, über die man diskutieren hätte können.
Bekanntlich wurde die Präsentation einer Arbeit von Jeff
Koons durch den vielfach ausgezeichneten Vorarlberger Künstler
Gottfried Bechtold ("Göpf") zu einem Fall für die Staatsanwälte.
Nach einigen Monaten des nicht unbedingt nur sachlich geführten
Schlagabtausches über Kunst und Pornographie geriet man schließlich
zur Einsicht, dass Kunst auch dann noch Kunst ist, wenn so mancher
wieder einmal nach Zensur schreit. Der Fall wurde beigelegt,
Bechtold hatte auf allen Linien gewonnen.
Nachdem das Kunsthaus, dem die Sache angesichts seiner großen
Koons-Ausstellung etwas anging, nicht in die öffentliche Diskussion
einsteigen wollte und Politiker in den entsprechenden Ressorts nur
zögerlich reagierten, fand die eigentliche Diskussion über die
Grenzziehung für Kunst, über Vermarktungsstrategien und Scheinmoral
nicht statt.
Öffentlichkeit schaffen
Ob Günter Rhombergs Offenheit bezüglich der Themen der
"Festspiel-Talks" nur ein Lippenbekenntnis ist, wird sich weisen.
Die erste Veranstaltung am 31. Jänner ist weniger
gesellschaftspolitisch ausgerichtet, für Kulturinteressierte aber
durchaus relevant. Gerd Alfons und Florian Kradolfer (Cheftechniker
und Ausstattungsleiter des Unternehmens) erläutern was im Bereich
der größten Seebühne der Welt im Winter eigentlich passiert.
Keine Einschränkung
In der Folge soll es den "Festspiel-Talk"
vierteljährlich als öffentliche Veranstaltung des Festspielvereins
geben. Aufgegriffen werden dabei grundsätzlich jene Themen, für die
es noch keine ausreichende Öffentlichkeit gibt.
Dabei könnte man, so Rhomberg, nicht nur im künstlerischen
Bereich verharren, sondern direkt auch in den konkret soziologischen
bzw. politischen vordringen (etwa durch das Aufgreifen der
politischen Sprache in Österreich). Der Festspielverein hat rund
1400 Mitglieder (mehr oder weniger aller Alters- und Berufsgruppen),
ein starker Partnerverein hat sich in Deutschland entwickelt. Mit
den Mitgliedsbeiträgen und Fördergeldern konnte schon so manche
Festspielproduktion maßgeblich "gestützt" werden. Mit dem
"Festspiel-Talk" soll zudem klar bekundet werden, dass sich der
Verein nicht darauf beschränken will, Informationsabende zu den
großen Produktionen anzubieten.
Bechtold mit Skulptur. Auch Zensurversuche könnten von
Festspielfreunden diskutiert werden.