VN Sa, 26.1.2002

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Kultur 

Auch Causa "Göpf" wäre ein Thema

Festspielverein will sich gesellschaftspolitisch relevanter Themen annehmen

Bregenz (VN-cd) Vielleicht hätte der "Kunstskandal" des letzten Sommers letztendlich doch zu einem breiten Diskurs geführt, wenn die Bregenzer Festspiele ihre Reihe "Festspiel-Talk" bereits etwas früher gestartet hätten. Festspielpräsident Günter Rhomberg, dem diese neue Initiative ein besonderes Anliegen ist, gibt jedenfalls zu Protokoll, dass er sich vor nichts scheut, was gesellschaftspolitisch relevant ist und führt als Beispiel die Causa "Göpf" an, über die man diskutieren hätte können.

Bekanntlich wurde die Präsentation einer Arbeit von Jeff Koons durch den vielfach ausgezeichneten Vorarlberger Künstler Gottfried Bechtold ("Göpf") zu einem Fall für die Staatsanwälte. Nach einigen Monaten des nicht unbedingt nur sachlich geführten Schlagabtausches über Kunst und Pornographie geriet man schließlich zur Einsicht, dass Kunst auch dann noch Kunst ist, wenn so mancher wieder einmal nach Zensur schreit. Der Fall wurde beigelegt, Bechtold hatte auf allen Linien gewonnen.

Nachdem das Kunsthaus, dem die Sache angesichts seiner großen Koons-Ausstellung etwas anging, nicht in die öffentliche Diskussion einsteigen wollte und Politiker in den entsprechenden Ressorts nur zögerlich reagierten, fand die eigentliche Diskussion über die Grenzziehung für Kunst, über Vermarktungsstrategien und Scheinmoral nicht statt.

Öffentlichkeit schaffen

Ob Günter Rhombergs Offenheit bezüglich der Themen der "Festspiel-Talks" nur ein Lippenbekenntnis ist, wird sich weisen.

Die erste Veranstaltung am 31. Jänner ist weniger gesellschaftspolitisch ausgerichtet, für Kulturinteressierte aber durchaus relevant. Gerd Alfons und Florian Kradolfer (Cheftechniker und Ausstattungsleiter des Unternehmens) erläutern was im Bereich der größten Seebühne der Welt im Winter eigentlich passiert.

Keine Einschränkung

In der Folge soll es den "Festspiel-Talk" vierteljährlich als öffentliche Veranstaltung des Festspielvereins geben. Aufgegriffen werden dabei grundsätzlich jene Themen, für die es noch keine ausreichende Öffentlichkeit gibt.

Dabei könnte man, so Rhomberg, nicht nur im künstlerischen Bereich verharren, sondern direkt auch in den konkret soziologischen bzw. politischen vordringen (etwa durch das Aufgreifen der politischen Sprache in Österreich). Der Festspielverein hat rund 1400 Mitglieder (mehr oder weniger aller Alters- und Berufsgruppen), ein starker Partnerverein hat sich in Deutschland entwickelt. Mit den Mitgliedsbeiträgen und Fördergeldern konnte schon so manche Festspielproduktion maßgeblich "gestützt" werden. Mit dem "Festspiel-Talk" soll zudem klar bekundet werden, dass sich der Verein nicht darauf beschränken will, Informationsabende zu den großen Produktionen anzubieten.

Bechtold mit Skulptur. Auch Zensurversuche könnten von Festspielfreunden diskutiert werden.




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