| Salzburger Nachrichten am 13. Juli 1998 - Bereich: kultur
Täuschungsmanöver mit Parkett Auf dem Empfangstisch
liegt die abgedruckte Eröffnungsrede auf und daneben Stöße mit anderen
publizistischen Materialien. Sie dürfen normalerweise gratis mitgenommen
werden, doch diesmal ist es anders: Wer zugreifen will, sieht sich
getäuscht, die aufgelegten Stöße erinnern an Potemkin, sie sind nichts
anderes als dünnwandige Kartons. Man ist also vorgewarnt und darauf
vorbereitet, in der Ausstellung Gustav Bauers die Dinge nicht so zu nehmen
wie sie sind.
Bauer, Absolvent des Mozarteums, Kunsterzieher in Bischofshofen,
wählte für seine eintägige Präsentation den Titel "Parkett". Diesem Titel
ist zu trauen: Tatsächlich sind verschieden große Quader mit einer
Parkettoberfläche die Hauptdarsteller auf den Polaroidfotos, von denen
jeweils eines in den Vitrinen der Ringgalerie hängt. Der Bezug zum
charakteristischen Parkett des großen Ausstellungsraums ist überaus
wichtig. Diese Quader sind vielseitig verwendbar und treten in
verschiedenen Kombinationen auf. Bauers Kreativität erschöpft sich aber
nicht in den diversen Zusammenstellungen, mindestens so wichtig sind die
Titel, die im weitesten Sinn dem Kunstbetrieb entstammen und ironisch auf
ihn verweisen. Einmal ist vom "Empire State Building" die Rede, denn die
Kuben haben ja wirklich architektonische Qualität. Ein anderes Mal treten
sie auf wie Individuen und führen ein "Kunstgespräch". Bauer zeigt zwei
Varianten: Einmal sind die Gesprächspartner gleichwertig, im zweiten Fall
unterscheiden sie sich beträchtlich voneinander.
Im großen Saal übt Bauer größte Zurückhaltung. Hier zeigt er,
luftig verteilt auf den vier Wänden, 15 Visitenkarten. Bauer spielt sich
mit den Symbolen und wichtigtuerischen Gestaltungen, die auf Visitenkarten
ihren Platz finden. Auch in diesem Fall ist außer der überlegten
Farbgebung die verbale Komponente sehr wichtig: Bauer schöpft aus dem
Repertoire der öffentlichen Sprache (Medien, Werbung, Wirtschaft etc.) und
benennt phantasiereiche Tätigkeitsfelder, darunter "Fruchtgenuß",
"Rasenbewirtschaftung" und "Regress".
W. Th.
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