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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
13.05.2002
12:51 MEZ
Von sagenhaft bis utopisch
Historische Architekturphantasien ergänzen die Ausstellung "mega: manifeste der anmaßung"

Rezension zu MEGA. manifeste der Anmaßung im Künstlerhaus
Der Anspruch entwickelt sich


"MEGA: Historische Architekturphantasien"
Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste
Wien 1
Makartg. 3
14.5. bis 5.7.
Mo-Fr, 9-16 Uhr
Tel. 01 - 581 30 40
 
Foto: Kupfestichkabinett
Details eines Architektur-Capriccios von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg

Foto: Kupfestichkabinett

Wien - "mega: manifeste der anmaßung" heißt eine derzeit im Wiener Künstlerhaus laufende Ausstellung, bei der sich in- und ausländische Architekten mit dem Begriff "Mega" auseinander setzen. Das Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste Wien liefert dazu ab morgen, Dienstag, eine kleine historische Ergänzung dazu. Unter dem Titel "MEGA: Historische Architekturphantasien" hat die Kuratorin Monika Knofler einige passende Blätter aus den Sammlungsbeständen zusammengestellt, mit denen die Beliebtheit der Kombination von realen und erfunden, antiken und zeitgenössischen Architekturelementen im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert gezeigt wird.

Ausgetobte Phantasien

"Da konnten sie sich richtig austoben", schmunzelt Knofler und verweist darauf, dass sich vor allem Theaterarchitekten und Bühnenbildner mit derartigen Phantasien beschäftigten - mussten sie doch weniger Rücksicht auf die mögliche Umsetzbarkeit ihrer Entwürfe nehmen. Auf diese Weise konnte auch der sagenhafte Turm von Babel wenigstens auf dem Papier verwirklicht werden, wie Beispiele (etwa auch von Johann Bernhard Fischer von Erlach) der bis 5. Juli laufenden Ausstellung zeigen.

Alles, was ihm in den Sinn kam

Auch eines der wenigen erhaltenen Blätter, die von Bewerbern für die Aufnahme an die 1766 gegründete Kupferstecherakademie eingereicht wurden, zeigt ein solches "Architekturcapriccio": Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1732-1816) versammelte darauf alles, was ihm an Türmchen und Säulen, steilen Treppen und pittoresken Standbildern in den Sinn kam. Das Blatt, hatte Erfolg - trotz einer "Privatzwistigkeit" mit dem Akademiegründer Jacob Mathias Schmuzer.

Architektonisches Alphabet

Schmuzer propagierte das Zeichnen in der freien Natur, und dort kamen derartige phantastische Sammelsurien naturgemäß eher selten vor, ebenso wie die Einzelteile des "architektonischen Alphabets" von Antonio de Pian (1784-1851), der nach Art eines Setzkastens jeden Buchstaben als Bauwerk imaginiert. Schwer zu erraten, welche Buchstabenfolge Monika Knofler als Gag in die Ausstellung integriert hat: "Mega" wird so zu einer Abfolge aus griechischen, ägyptischen und alpin-ländlichen Elementen - eine Mischung, die real gebaut vermutlich eher schwer erträglich wäre. (APA)


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