VON ARIANE
GRABHER
Hohenems (VN) "Gruppe 30" nennt sich eine internationale
Künstlergemeinschaft, vertreten durch die Galerien Bertrand Kass
(Innsbruck) und Antonio Battaglia (Mailand). Bei den 30 dabei ist
auch der Vorarlberger Martin Stock.
Es soll die erste einer Reihe von Ausstellungen "interessanter
regionaler wie nationaler und internationaler Künstler" sein, die
derzeit im "at & co regionales zentrum ems" in Hohenems zu sehen
ist. Als Verschmelzung verschiedenster Richtungen und Stile von
Künstlern aus Luxemburg, Deutschland, Österreich, Schweiz und
Italien hat man sich die Aufwertung der Kunst "mit einem
authentischen, aufrichtigen Engagement" zum Ziel gesetzt, die Suche
"nach Kunst, aber nie nach der Kunst im formalen Sinne", wie es im
Text zur Ausstellung lapidar ausgeführt wird.
30 Ausdrucksformen
Doch die Realität sieht anders aus: während die atriumartige
Halle des Gebäudes durch die architektonische Einfachheit ihrer
kühlen Geometrie und einen klaren Raster bestimmt ist, herrscht an
den Wänden ein wahrhaft babylonisches Kunstgewirr. Hervorgerufen
wird es durch nicht weniger als dreißig Namen, 20 davon gehören zum
festen Stamm, zehn werden je nach Ausstellung aus dem Angebot der
beiden Galerien rekrutiert.
Namen, die zugleich auch für dreißig unterschiedliche
künstlerische Ausdrucksformen stehen und die durch (meist) nur eine
einzige Arbeit punktuell vertreten werden. Neben einigen Skulpturen
in Holz, Metall und Keramik, die den Raum beleben, arbeitet das Gros
der präsentierten Künstler mit dem Medium der Malerei. Wenn diese
auch unter den Zeitgenossen wieder unbestritten aktuell ist, so
trifft man hier, von wenigen Ausnahmen abgesehen, doch meist auf
sehr traditionelle, um nicht zu sagen konventionelle Zugänge zum
Medium.
Ausnahme
Eine Ausnahme in der Gruppe bildet der bereits erwähnte
Vorarlberger Martin Stock. Er arbeitet als Einziger innerhalb der
Gruppe konzeptionell im Bereich der digitalen Kunst und ist in
Hohenems mit versiegelten Digitaldrucken in einem Wasserbecken und
der grossformatigen Tafel "Joshua" aus der Themenreihe "Heidnische
Erzählungen" vertreten. Auch wenn einzelne Arbeiten vielleicht eine
nähere Betrachtung verdienen würden, so bleibt insgesamt ein
diffuser, unbestimmter Eindruck von dieser Ausstellung zurück. Was
die Künstler in einer Gruppe zusammengeführt hat, lässt sich
schwerlich rekonstruieren, und von einer Gemeinschaft zu sprechen
scheint fast verwegen.
In Hohenems teilen die 30 jedenfalls nur den Ort der Ausstellung
miteinander, nicht mehr und nicht weniger.