Salzburger Nachrichten am 28. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Rettungsaktionen für Klimt-Bilder

Eine zu gründende Stiftung und eine Internetplattform suchen ideelle Unterstützer und Geldgeber für den Ankauf der Klimt-Bilder. Diese sind noch in Wien.

Wien (SN-hkk). Um Geld für den Ankauf der zu restituierenden Klimt-Bilder zu sammeln, haben sich zwei Initiativen formiert. Zum einen wird versucht, eine "Österreichische Kulturstiftung" zu gründen, deren erste Aufgabe es wäre, die beiden Porträts Adele Bloch-Bauers von deren Erben zu erwerben und der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere zu leihen.

Zum anderen haben Restauratoren und Kunsthistoriker die Internet-Plattform "proklimtbilder.at" formiert, um Unterstützungserklärungen und Spendenzusagen zu sammeln. Bis Montagnachmittag gab es 1012 Eintragungen, die meisten davon samt Zusage, zumindest zehn Euro für den Ankauf der Klimt-Bilder zu spenden.

Initiator der Stiftung ist der Wiener Galerist John Sailer, der Prominente und Künstler als Proponenten gewonnen hat. Ein Aufruf zur Unterstützung wurde am Montag in einem ganzseitigen Inserat der Zeitung "Die Presse" veröffentlicht (E-Mail an gabriele.roeder@belvedere.at, Fax an Galerie Ulysses 01-587 21 99). Proponenten sind Hans Hollein, Friedrich Cerha, Arik Brauer, Gustav Peichl, Karl Schwarzenberg, Rudolf Buchbinder, Markus Prachensky, Arnulf Rainer, Georg Springer, Christian Ludwig Attersee, Christian Meyer Gerbert Frodl, Gabriele Wimmer, Otto Schenk, Gerhard Roth und John Sailer.

Es gebe Angebote von einigen Großsponsoren, sagte John Sailer den SN. Einer davon sei eine Bank, die der Bundesregierung einen zinsenfreien Kredit für den Ankauf der Klimt-Bilder geboten hätte, was allerdings nicht angenommen worden sei. Die Statuten der Stiftung seien formuliert, in den nächsten Tagen werde geklärt, ob die Geldgeber verbindliche Zusagen machten und die formelle Gründung vollzogen werden könne, sagte Sailer. Er sei im Gespräch mit einigen Erben und deren Anwälten, allerdings nicht mit E. Randol Schoenberg, der Maria Altmann und die anderen vier Erben im Schiedsgerichtsverfahren vertreten hatte.

Schoenberg wurde am Montag in Wien erwartet, da heute, Dienstag, das Schiedsgericht wegen eines weiteren Bildes Gustav Klimts tagt. Die Erbengruppe Müller Hofmann fordert das Porträt "Amelie Zuckerkandl" zurück, das seit 1988 in der Österreichischen Galerie ist. Strittig sind Umstände des Eigentums und der Verkäufe in den 30er Jahren.

Die fünf Klimt-Bilder, für die laut Urteil des Schiedsgerichts die Bedingungen zur Restitution erfüllt sind, werden im Depot des Oberen Belvedere verwahrt. Man warte auf Entscheidung und Mitteilung der Erben, ob, wann und durch wen sie abgeholt würden, sagte der Pressesprecher Klaus Pokorny.