
Lentos-Direktorin Stella Rollig
im "WZ"-Gespräch.
Wien. Das Kunstmuseum Lentos sich in den
letzten Jahren in der österreichischen Museumslandschaft hervorgetan.
Zuerst hat der nur verglaste Bau Aufmerksamkeit erregt, immer mehr konnten
aber die Ausstellungen Besucher aus Linz und ganz Österreich anlocken.
Direktorin Stella Rollig, gebürtige Wienerin, fährt hier seit 2004
alles andere als einen Kuschelkurs und geht unbeirrbar ihren
zeitgenössischen Weg. Würde Rollig in einem Wiener Museum genau so wenig
anbiedernd agieren? "Meine Art von Programm würde ich überall versuchen",
sagt sie bestimmt.
Ihr Weg wurde in Linz nicht immer goutiert: "Die ersten Ausstellungen
wurden als recht radikal empfunden." Mittlerweile sei es aber gelungen
"das Lentos international auf die Kunstlandkarte" zu setzen. Aber
"unbedingt wichtig" ist für Rollig das Publikum vor Ort. Das wird zurzeit
durch die Sonderausstellung "Gottfried Helnwein – Face it!" angelockt.
"Nach einem Durchhänger im vergangenen Jahr gehen die Besucherzahlen
rasant bergauf", meint Rollig zufrieden.
Im Kreuzfeuer der Kritik
2005 war generell ein schwieriges Jahr, auch persönlich: "Es gab eine
große Debatte, ob mein Programm für Linz akzeptabel ist", so Rollig. Die
Positionierung des Museums wurde zum zentralen Thema: Die Stadt Linz hat
ein dreistufiges Projekt zur Erarbeitung einer möglichen Neuorientierung
eingerichtet. Demnächst wird die Entscheidungsphase des
Verwaltungsausschusses beendet.
Rollig kam aber nicht zuletzt persönlich ins Kreuzfeuer der Kritik:
"Das Jahr 2005 war schwierig."
Die Kritik richtete sich gegen ihr Programm, Medien starteten
Hetzkampagnen: Man kolportierte Rolligs frühzeitigen Abgang und brachte
auch die nunmehr designierte Belvedere-Direktorin Agnes Husslein als
Nachfolgerin ins Spiel. Eine Zeitungsente, wie sich herausstellte. Rollig:
"Das war ein boshafter Akt der oberösterreichischen Kronenzeitung, die es
sich zum Ziel gemacht hat, mich wegzukriegen." Hussleins aktuelle
Bestellung möchte sie nicht kommentieren, betont aber deren
"beeindruckende Laufbahn".
Ob sie auf solche Reaktionen gefasst war? "Mit derartig persönlichen
Angriffen habe ich nicht gerechnet."
Was sind Rolligs Pläne bis 2009, wenn Linz Kulturhauptstadt ist: "Ich
werde konsequent den Weg weitergehen, das Museum international wahrnehmbar
zu machen".
http://www.lentos.at/
Dienstag, 21. März
2006