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Kunstberichte
Das Museum für angewandte Kunst erhält heuer einen Nachfolger für Peter Noever

Neustart nach dem Neuerer

Rückt 
aus dem Zentrum des Geschehens: Langzeit-Direktor Peter Noever. Foto: 
apa/Herbert Neubauer

Rückt aus dem Zentrum des Geschehens: Langzeit-Direktor Peter Noever. Foto: apa/Herbert Neubauer

Von Christoph Irrgeher

Aufzählung Bewerbungsfrist für neue MAK-Direktion endete am Freitag.
Aufzählung Künftig weniger Überschneidungen in der Museumslandschaft?

Wien. "Das MAK ist ein Ort der Kunst. Oftmals entsteht sie hier", heißt es im Mission Statement des Museums. Zuletzt hätte man das Haus am Stubenring, für das nun ein neuer Leiter gesucht wird, aber ebenso als Ort des Eklats sehen können. Auch der entstand hier. Seit September 2010 geballt.

Die Initialzündung: Ein Clinch zwischen dem Direktor und jenem Mitarbeiter, der Peter Noevers gesammelte Schriften edierte. Denn der Mitarbeiter fühlte sich um Geld geprellt und warf Noever überdies vor, sich privat aus dem MAK-Budget zu bedienen. Vorwürfe, die in einer parlamentarischen Anfrage gipfelten.

Was Kulturministerin Claudia Schmied dann vorzutragen hatte, eignet sich kaum als Laudatio. Kernpunkte: Viermal feierte Noevers Mutter im MAK Geburtstag – ohne Saalmiete; Noevers Homepage wiederum kostete das Haus 11.500 Euro. Konsequenz: Kosten, die nicht dem Museumszweck dienen, werden dem Chef nachverrechnet. Und der Posten wurde neu ausgeschrieben. Bis diesen Freitag lief die Bewerbungsfrist.

Ungünstige Optik

Nun sagt zwar Noever, schon vor dem Eklat kundgetan zu haben, keine Verlängerung anzustreben. Und nun berichtet zwar der "Kurier" von einem entlastenden Wirtschaftsprüfungsbericht (im Auftrag des MAK-Kuratoriums): "Nur" 1000 Euro hätten die vier Feste das Museum gekostet. Die Optik für Noever, seit 1986 tätig und somit Wiens längstdienender Kulturmanager, ist dennoch keine günstige. Klarheit dürfte eine Prüfung des Rechnungshofs bringen. Deren Endergebnis liegt aber wohl erst Ende 2011 vor.

Direkt danach, 2012, fängt Noevers Nachfolger an. Das Kulturministerium hält sich derzeit bedeckt: Nächste Woche will man mitteilen, wie viele Bewerbungen aus In- und Ausland vorliegen. Wie bald der neue Name präsentiert werden soll, ist unklar. Gerüchteweise haben sich zwei langjährige Mitarbeiter des MAK beworben. In Anbetracht von Schmieds Vorliebe für Frauen in Spitzenpositionen (wie im Fall des Kunsthistorischen Museums und des Mumok) gehen viele aber von einer weiteren Chefin aus – auch wenn dann nur noch zwei der acht großen Bundesmuseen (also Albertina und Naturhistorisches Museum) in Männerhand wären.

Freilich könnte die neue Direktion auch ein anderes Kräfteverhältnis ändern. Und zwar in Bezug auf zeitgenössische Kunst, für die Noever leidenschaftlich eine Lanze brach – obwohl die Bundesmuseen Mumok, Belvedere und Albertina ebenfalls auf dem Sektor tätig sind. Und obwohl MAK eigentlich Museum für angewandte Kunst bedeutet. Den Vorwurf, Letztere hätte bei ihm oft das Nachsehen gehabt, muss sich Noever, ungeachtet seiner Meriten um Modernes, gefallen lassen.

Vorerst fünf Jahre hat der Nachfolger, um das Haus in eine neue Zeit zu führen. Großes Gewicht genoss das Zeitgenössische jedenfalls in der Ausschreibung nicht. Gesucht wird ein Konzept "auf Grundlage des Profils des Hauses". Direktorales Ziel: Die Bedeutung der Gestaltung unseres Lebensumfeldes vermitteln – und zwar "durch angewandte Kunst, Design und Architektur".

Das MAK

Wie die neue Person an der Spitze des MAK auch heißen wird: In ihrer Ära gibt es Grund zu feiern. Schließlich wird das Museum in absehbarer Zeit 150 Jahre alt. 1874 wurde es, als
"k. k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie", in der Hofburg eröffnet. Heute verfügt das Haus am Stubenring über einen imposanten Sammlungsbestand (unter anderem zu den Themen Wiener Werkstätte, Asien, Möbel) – und Exposituren in Wien-Währing, Tschechien und Los Angeles. Der Bund finanziert das Haus mit 9,598 Millionen Euro; die Eigendeckungsquote lag zuletzt (Donationen eingerechnet) bei rund 34 Prozent.

 

Printausgabe vom Samstag, 22. Jänner 2011
Online seit: Freitag, 21. Jänner 2011 19:51:28

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