VN Mo, 15.7.2002

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Essen, Reisen und Gärten

Paul Renner in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz

Bregenz (VN-ag) Essen, Reisen und Gärten - das ist die Trinität, der Paul Renner seit je huldigt. So verwundert eigentlich nur, dass es bis zur Gründung des Hell Fire Touring Club, der diese drei Dinge perfekt verbindet, so lange gedauert hat. In der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz stellt er das ebenso dekadente wie komplexe Projekt vor.

Begonnen hat alles 1996, als Paul Renner "The Decacent Cookbook" von Medlar Lucan & Durian Gray in die Hände fiel, eine exzessive Anthologie, die sogleich die Fantasie des Künstlers beflügelte. Inspiriert von den berühmten englischen Hell Fire Clubs des 18. Jahrhunderts entschloss er sich, mit den ironisch-fiktiven Texten von Lucan & Gray und seinen Bildern ein Buch zu schaffen, das "eher eine gigantische Bibliothek als ein Buch, mehr ein Möbelstück statt eines handlichen Kompendiums" (Renner) sei. Was immenser Vorarbeiten bedurfte, ist nun kurz vor der Vollendung.

Wunderkammer

Kernstück und Mittelpunkt der Ausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle, die die Serien als Prototypen präsentiert, ist ein goldenes Kabinett. Noch sind die 20 Laden des teilweise mit Fischhaut überzogenen Möbelstücks leer, doch soll diese "Wunderkammer" gefüllt 19 auf Bütten sowie ein auf Seide gemaltes Bild von Paul Renner beherbergen, ergänzt durch die Textblätter von Medlar Lucan & Durian Gray. Bezog sich "The Hell Fire Touring Club" zunächst nur als Titel auf das geplante Buchwerk, so sahen sich die "drei Schamanen der Gastronomischen Apokalypse, Paul Renner, Medlar Lucan und Durian Gray", aufgrund der vielen Nachfragen gezwungen, 2001 tatsächlich einen gleichnamigen Club ins Leben zu rufen, dem mittlerweile so exzentrische Mitglieder wie die britische Modeschöpferin Vivienne Westwood angehören.

Dekadente Philosophie

Ein großformatiges Wandbild in der Galerie stellt die Topografie des Hell Fire Touring Club dar, dessen Interesse auf Reisen ausgerichtet ist und dessen Mitglieder von den federführenden Künstlern mit mehr oder weniger kryptischen Botschaften versorgt und zu Treffen eingeladen werden - dokumentiert durch ein Leporello in der Schau.

Parallel zu den Blättern entstehen auch Bilder, in gewohnt barocker Renner'scher Manier, deren gold-braune Farbigkeit vom opulenten Einsatz von Harzen und Wachs, aber auch von Gewürzen und getrockneten Beeren herrührt. Ihre "Zweckfreiheit" steht den Club-Aktivitäten, wie der Reise zum letzten lebenden tschechischen Surrealisten oder der Rezeptur für einen Pfau, im Federkleid serviert und mit lebenden Singvögeln gefüllt, in nichts nach. Insgesamt ist "The Hell Fire Touring Club" ein vielschichtiges Projekt, dessen Dekadenz und Philosophie sich nicht auf einen Schlag fassen lässt. Vielmehr präsentiert es sich als Zusammentreffen außergewöhnlicher Dinge, Menschen und Orte, als äußerst sinnliche Reise, durch Raum, Zeit und den menschlichen Körper.

Die Ausstellung "Paul Renner - On the Road with the Hell Fire Touring Club" ist in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz bis 18. August zu sehen, geöffnet Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 12 und 17 bis 22 Uhr. 9. August, 20 Uhr: Verlagspräsentation Clubs.

Paul Renner bietet eine äußerst sinnliche Reise.




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