Wien (VN-sj) Die Einführung des Euro Anfang 2002 bedeutete auch
das Aus für die 50-Schilling-Banknote mit dem Porträt Sigmund
Freuds.
Mit einer zwischen August 2001 und Februar 2002 entstandenen
Serie von Montagen auf Papier erweist der aus Bludenz stammende
Künstler Rainer Ganahl dem österreichischen Begründer der
Psychoanalyse und Autor der "Traumdeutung" in der Kunsthalle Wien
seine Reverenz. Die in chronologischer Abfolge angeordneten Blätter
des Projekts "Das Zählen der letzten Tage der
Sigmund-Freud-Banknote" an der project wall der Kunsthallen-Fassade
enthalten neben der Abbildung der Banknote auch den aktuellen
Tageskurs von 50 Schilling in verschiedenen Währungen sowie die
Anzahl der täglich im Internet angebotenen Buchtitel zum Suchbegriff
Sigmund Freud.
Den Hauptteil in den 160 Reproduktionen und einem Originalblatt
nehmen Ganahls persönliche Traumnotizen mit ergänzenden
Informationen zum Traumkontext ein. In den Träumen des seit 13
Jahren in New York lebenden Künstlers finden sich sowohl Motive von
persönlich Erlebtem als auch Sequenzen, die die globale
Verunsicherung nach dem kurz nach Projektbeginn erfolgten
Terroranschlag des 11. September widerspiegeln. Auszug vom 17.
September 2001: "terrorist attack - kinder verkleidet als
supermänner. help!" Die Sprache als wesentlicher Faktor in Ganahls
bisherigen Arbeiten - zum Beispiel in "Basic Vorarlbergian" oder
"Please, teach me Albanian" - manifestiert sich auch im aktuellen
Projekt: im abrupten Wechsel zwischen Deutsch und Englisch innerhalb
der Traumnotizen.
Freud-Bücher
Ganahls Arbeit "Searching Sigmund Freud at amazon.com", die alle
in der Versandbuchhandlung erhältlichen Titel zu Büchern von und
über Freud enthält, vervollständigt die project wall, in der der
Künstler drei Realitätsebenen kombiniert, die maßgeblich für die
Konstruktion des Verständnisses vom eigenen Ich in der Welt sind:
Aufzeichnungen des Unbewussten, Reflexionen dazu aus der eigenen
Lebensgeschichte sowie "objektive" Daten aus dem Bereich der
Ökonomie.