VN Do, 8.5.2003

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Träumen mit Freud

Der Vorarlberger Rainer Ganahl in der Kunsthalle Wien

Wien (VN-sj) Die Einführung des Euro Anfang 2002 bedeutete auch das Aus für die 50-Schilling-Banknote mit dem Porträt Sigmund Freuds.

Mit einer zwischen August 2001 und Februar 2002 entstandenen Serie von Montagen auf Papier erweist der aus Bludenz stammende Künstler Rainer Ganahl dem österreichischen Begründer der Psychoanalyse und Autor der "Traumdeutung" in der Kunsthalle Wien seine Reverenz. Die in chronologischer Abfolge angeordneten Blätter des Projekts "Das Zählen der letzten Tage der Sigmund-Freud-Banknote" an der project wall der Kunsthallen-Fassade enthalten neben der Abbildung der Banknote auch den aktuellen Tageskurs von 50 Schilling in verschiedenen Währungen sowie die Anzahl der täglich im Internet angebotenen Buchtitel zum Suchbegriff Sigmund Freud.

Den Hauptteil in den 160 Reproduktionen und einem Originalblatt nehmen Ganahls persönliche Traumnotizen mit ergänzenden Informationen zum Traumkontext ein. In den Träumen des seit 13 Jahren in New York lebenden Künstlers finden sich sowohl Motive von persönlich Erlebtem als auch Sequenzen, die die globale Verunsicherung nach dem kurz nach Projektbeginn erfolgten Terroranschlag des 11. September widerspiegeln. Auszug vom 17. September 2001: "terrorist attack - kinder verkleidet als supermänner. help!" Die Sprache als wesentlicher Faktor in Ganahls bisherigen Arbeiten - zum Beispiel in "Basic Vorarlbergian" oder "Please, teach me Albanian" - manifestiert sich auch im aktuellen Projekt: im abrupten Wechsel zwischen Deutsch und Englisch innerhalb der Traumnotizen.

Freud-Bücher

Ganahls Arbeit "Searching Sigmund Freud at amazon.com", die alle in der Versandbuchhandlung erhältlichen Titel zu Büchern von und über Freud enthält, vervollständigt die project wall, in der der Künstler drei Realitätsebenen kombiniert, die maßgeblich für die Konstruktion des Verständnisses vom eigenen Ich in der Welt sind: Aufzeichnungen des Unbewussten, Reflexionen dazu aus der eigenen Lebensgeschichte sowie "objektive" Daten aus dem Bereich der Ökonomie.

Vertreibung Freuds

Als thematische Ergänzung zur Arbeit im Außenraum werden im Ziegelfoyer Videoarbeiten gezeigt. An unterschiedlichen Orten im öffentlichen Raum - etwa dem Broadway und dem Central Park in New York - tritt Ganahl jeweils ein Buch Freuds so lange mit Füßen, bis es zerfällt.

Der Zerstörungsprozess ruft Erinnerungen an den Umgang mit Freuds Werk und die Vertreibung des Wissenschafters nach der Machtübernahme der Nazis wach.

Zu sehen sind die Arbeiten bis 31. Oktober an der project wall und im Foyer der Kunsthalle Wien.

Auseinandersetzung mit Freud. (Foto: KHW)




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