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25.05.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Malewitsch, mumifiziert
VON ALMUTH SPIEGLER
Ausstellung. Die Moderne am milden Prüfstand junger Künstler im Künstlerhaus.

E
s gibt Ausstellungen, da fällt kein Blick auf die Beipackzettel der Expo nate. Bei anderen ist es genau um gekehrt. "Erklär-Kunst" könnte man despektierlich sagen. Oder noch schlimmer: "Kunsthistoriker-Kunst". Einziges Problem: Wir leben nicht mehr im vorvorigen Jahrhundert, sondern im Irgendwann nach der Postmoderne. Seit den 1830er Jahren hat die kulturaffine Menschheit sich eben damit abfinden müssen, dass Kunst keinen Zweck haben muss ("l'art pour l'art"). Anfang des 20. Jahrhunderts musste sie nicht einmal mehr "schön" sein (Moderne). Und seit den 60er Jahren müssen wir sie nicht einmal mehr verstehen (Konzeptkunst).

Aber Schluss jetzt mit der Polemik. Obwohl gerade diese Entwicklung daran schuld ist, dass zeitgenössische Kunst zu einem Minderheitenprogramm geworden ist. Ohne entsprechendes Hintergrundwissen ist die Depression im Zitaten-Dschungel zwischen Dekontextualisierung, Polysemantik oder fraktalen Metamorphosen - wie bitte? - vorprogrammiert. Nichtsdestotrotz ist es ein Phänomen, dass sich gerade eine jüngere Künstlergeneration dezidiert auf die Ästhetik und Programmatik der Moderne bezieht. Das haben Norbert Pfaffenbichler und Sandro Droschl für das Künstlerhaus jetzt bestens aufbereitet.

Wer allerdings schon bei den Konstruktivisten und Duchamp ausgestiegen ist, wird bei der Ausstellung ein gröberes Verständnisproblem haben. Oder er sieht "Re:Modern" als Nachhilfestunde, die gerade in Österreich - wohl das Paradeland für ein von strengen Frankfurtern beschworenes "unvollendetes Projekt Moderne" - verpflichtend eingeführt gehörte. Schließlich ist es kaum zu glauben: Wiens Institut für Kunstgeschichte hat sich erst unlängst zu einem Moderne-Lehrstuhl durchgerungen.

Derart im Dunklen gelassen, musste sich die neue österreichische wie auch die neue Künstlergeneration aus Osteuropa wohl an diesem Manko abarbeiten, was mitunter die Anmutung einer angestrengten Seminararbeit annehmen kann. Eine Art Vaterfigur stellt dabei der an der Akademie unterrichtende Heimo Zobernig dar, der mit seiner mehr oder weniger spröden Moderne-Rezeption international erfolgreich ist. Subtil ist sie in jedem Fall, fast hätte man Zobernigs ersten Ausstellungsbeitrag, den grauen Betonboden, den er in den Flur des historistischen Hauses gegossen hat, übergangen. Währenddessen kommentiert eine todernste Knabenstimme ein Video über Orte des "westdeutschen Kapitalismus", wie das in den 60ern direkt an der Zonengrenze errichtete Märkische Viertel in Berlin.

Das Dokumentieren hat es überhaupt den meisten der 30 Künstler angetan, die bis auf wenige wie "Art & Language" aus Mitteleuropa stammen. Es ist ein fast manisches Festklammern an den Spuren einer noch jungen Vergangenheit. Immer wieder werden modernistische Architekturdetails fotografiert, gefilmt, archiviert, digitalisiert, rekonstruiert. Derartiges ist eigentlich nur mit Ironie erträglich, die sich in der Ausstellung allerdings umgekehrt proportional zu den Werken "Ohne Titel" findet. Etwa bei Vuk Cosics auf Piktogramme reduzierte Klassiker oder IRWINs nachgestellte Aufbahrung Kasimir Malewitschs, die auf Lenins Mumie am Roten Platz anspielt. Bei Josef Dabernigs simplem 20-Meter-Holzgerüst, das auf die "geometrisch-konstruktiven Ausformulierungen des Modernismus" anspielen soll, hört sich dann jeglicher Spaß auf. Ebenso schwer fällt es, Daniel Hunziker dazu zu gratulieren, dass es ihm gelungen ist, regenbogengestreiftes Geschenkpapier in Aquarelltechnik herzustellen.

Wohin diese Rückwärtsgewandtheit, dieses Nachtrauern einer Utopie führen soll? Vielleicht zu einer neuen Meisterleistung, wenn man an die letzte große heimische Retro-Welle, den Historismus, denkt - der hier, wenn nicht gar den Jugendstil, zumindest die Wiener Werkstätte provoziert hat.

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