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11. September 2007, 00:00 Uhr
Von Uta Baier
Documenta

Buergel und die Kritik

Uta Baier
Getroffene Hunde bellen. Sagt man. Wenn das stimmt, ist Roger M. Buergel, Chef der diesjährigen Documenta in Kassel, ein arg getroffener Hund, der nun kurz vor Ende (23.9.) seiner d12 laut aber kläglich bellt. In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat Buergel eine "Kritik der Kritik" veröffentlicht, die in dem Satz gipfelt: "In der Verurteilung der Documenta 12 drücken sich Ratlosigkeit und Angst aus. Ratlosigkeit und Angst vor der Globalisierung in einem Land, das zwar über jede Menge Fernsehwissen verfügt und die Folgen im Produktions- und Arbeitsmarktbereich verspürt, das aber keine unmittelbaren Kontakt, keine sinnliche Berührung mit dieser aktuellen 'Umwertung aller Werte' hat." Woher der Wahlwiener Buergel wohl seinen Kontakt und die sinnliche Berührung mit der Globalisierung haben könnte? Und komisch, dass die härtesten Kritiken aus dem Ausland kamen, wie Gabriele und Klaus Honnef in der Kunstzeitung aufgelistet haben. So schrieb der Kritiker des britischen "Daily Telegraph", das Documenta-Team habe "die schlimmste Ausstellung auf die Bühne gebracht, die ich je irgendwo gesehen habe."
Buergel muss furchtbar gekränkt sein, dass niemand die versprochene Schönheit und Sinnlichkeit seiner Ausstellung erkennen wollte, sondern eine "Katastrophe" vorfand, wie die New York Times angesichts des Aue-Pavillons schrieb. "Offensichtlich weiß die Kritik nicht so genau, was sie hassen soll. Sie weiß nur, dass sie hassen soll", schreibt Buergel. Gekränkte Eitelkeit ist angesichts vernichtender Kritiken von Berufskritikern und vor allem Kuratorenkollegen durchaus verständlich, doch der Glaube an eine Kritikerverschwörung ist mehr als lächerlich. Zumal sie sich - laut Buergel - darin manifestiert, dass nicht alle das Gleiche hassen, sondern verschiedene Meinungen über die Ausstellung haben. Eigentlich könnte sich Buergel entspannt zurücklehnen, schließlich hatten bis Sonntag 603 000 Besucher seine Ausstellung gesehen - trotz der vernichtenden Kritiken. Und in der Nachwirkung der Documenta wird die Theorie, die Buergel und seine Kuratorin Ruth Noack vorab so glänzend vorzutragen wussten, die entscheidende Rolle spielen.
 
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