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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
19. November 2007
16:43 MEZ
Nachlese
Grünes Licht für Dresdner Elbtalbrücke
Gerichtsentscheid: Fledermäuse erhalten Schutz, UNESCO-Titel könnte verloren sein  
Foto: REUTERS/Tobias Schwarz

Dresden: Mit dem Bagger gegen Welterbestatus
Bauarbeiten für umstrittene Elbtalbrücke haben begonnen - Mit der Aberkennung des Welterbestatus wird gerechnet - Letzte Proteste am Sonntag

Dresden - Ohne Störungen hat am Montag der Bau der umstrittenen Waldschlösschenbrücke im UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal begonnen. Am Altstädter Ufer hob am Montag ein Bagger eine mehrere Quadratmeter große Grube direkt am Fluss aus. Bereits am Morgen waren Markierungsarbeiten erfolgt. Größere Proteste gab es nicht. Wegen der Brücke wird die UNESCO dem Dresdner Elbtal im kommenden Juli den 2004 verliehenen Welterbe-Titel voraussichtlich aberkennen. Die UN-Kulturorganisation sieht die Schönheit der Flusslandschaft verschandelt. Der Freistaat Sachsen beharrt auf dem Bau und beruft sich auf einen Bürgerentscheid pro Brücke aus dem Jahr 2005.

Die Stadt war durch mehrere Gerichtsurteile zum Bau verpflichtet worden. Sie will zugleich im Gespräch mit dem Freistaat weiter Möglichkeiten für Veränderungen am Brückenbau ausloten, um eine Aberkennung des Welterbe-Titels zu vermeiden. Die UNESCO hatte die Streichung der Flusslandschaft von der Liste der Welterbestätten angekündigt, sollte die Brücke wie geplant entstehen.

Streifendienst der Polizei verstärkt

In den nächsten Wochen sollen auf beiden Uferseiten Erd- und Fundamentarbeiten und archäologische Grabungen vorgenommen, Leitungen umverlegt und Bäume gefällt werden, sagte der für Stadtentwicklung zuständige Bürgermeister Herbert Feßenmayr der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben ihre Streifen beidseits des Flusses vorsichtshalber verstärkt, weil Störungen von Brückengegnern befürchtet wurden. Auf der Hangseite soll die Bauvorbereitung für den Zubringertunnel am Dienstag beginnen.

Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hatte in der vergangenen Woche den Weg für den Brückenbau geebnet. Es lehnte Eilanträge von Naturschutzverbänden zum Schutz der bedrohten Fledermausart Kleine Hufeisennase ab und erteilte Naturschutzauflagen. Damit wurde ein vom Verwaltungsgericht Dresden verfügter vorläufiger Baustopp aufgehoben. Der Rechtsstreit geht jedoch im Hauptsacheverfahren weiter. Das Verwaltungsgericht wird Anfang 2008 über 21 Klagen von Anwohnern und Verbänden gegen die Brücke verhandeln.

Protestverantstaltung am Sonntag: 2.000 Dresdner demonstrierten

Kurz vor dem Beginn der Bauarbeiten hatten etwa 2.000 Menschen für den Erhalt des UNESCO-Welterbetitels demonstriert. Bei einer Kundgebung vor der Frauenkirche appellierte unter anderen SPD-Oberbürgermeisterkandidat Peter Lames am Sonntagnachmittag an den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU), sich für "substanzielle Änderungen" an dem geplanten Bauwerk einzusetzen. Dem Elbtal müsse der 2004 verliehene UNESCO-Titel erhalten bleiben.

Die Mehrheit der Redner von Bürgerinitiativen sprach sich für den Bau eines Tunnels anstelle der Brücke aus. Wegen der Brücke wird die UNESCO dem Dresdner Elbtal im kommenden Juli den Welterbe-Titel voraussichtlich wieder aberkennen. Die Weltorganisation sieht die Schönheit der Flusslandschaft durch die Brücke verschandelt. Der Freistaat Sachsen beharrt auf dem Bau und beruft sich auf einen Bürgerentscheid pro Brücke von 2005.(APA/dpa)


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