Kultur

Wasser bis zum Hals

13.12.2007 | SN
Dem Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig fehlen trotz Besucherrekorden in diesem Jahr 500.000 Euro. Direktor Edelbert Köb warnt vor bösen Folgen.

ERNST P. STROBL Wien (SN). Wenn man immer gleich viel kriegt, kriegt man immer weniger. Da muss man kein Wirtschaftswissenschafter sein, das ist so in der Welt, im speziellen im Bereich der Subventionsempfänger. Die Spannung war groß, als Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) vor wenigen Wochen an einzelne Museen zusätzlich Förderungen verteilte. Dazu gehörten das Kunsthistorische Museum und das Belvedere. Das Museum Moderner Kunst (Mumok) war nicht dabei, es ging - wie die Albertina - leer aus. Die beiden Kunsttempel verfügten über ausreichende Reserven für 2008, hieß es aus dem Ministerium.

Das sieht Edelbert Köb anders. Der Direktor des Mumok, des Bundesmuseums für zeitgenössische Kunst, lud am Mittwoch zur Jahrespressekonferenz. Den Journalisten wurden Weihnachtskekse geboten sowie "Wünsche an das Christkind", die Köb mitzuteilen hatte.

Während das Mumok im Jahr 2002 noch gut zwei Drittel seines Programms aus der Basisabgeltung finanzieren konnte, reicht im Jahr 2007 die Basisabgeltung nicht einmal mehr zur Deckung der Fixkosten, also der Kosten für Personal und Betriebskosten. Dabei habe das Museum seit 2002 die Besucherzahlen von 145.000 auf 206.000 (2006) gesteigert, und im Jahr 2007 wurde mit 240.000 Gästen ein neuer Besucherrekord verbucht. Man habe vierzehn Ausstellungen gemacht und jeweils Kataloge herausgegeben, sagte Köb. Die Eigenerlöse seien so um 114 Prozent gesteigert worden, doch gleichzeitig hätten die Fixkosten inflationsbedingt um 700.000 Euro zugenommen. Jetzt könne das Mumok nicht einmal seine Kernaufgaben - vom Sammeln bis zur Wissenschaft - erfüllen. Deshalb wenden sich Edelbert Köb und das Kuratorium nun an die Kulturministerin. Für 2008 sei bei einem erwarteten Defizit von 500.000 Euro ein Überbrückungszuschuss zur Absicherung des Programms nötig und 2009 eine Erhöhung der Basisabgeltung, sagte Edelbert Köb.

Wer spart, hat zuletzt weniger als vorher Wünsche an das Christkind? Man wird sehen. Derzeit wird das Ausstellungsprogramm zurückgefahren, statt vierzehn Ausstellungen wolle er nur elf machen, kündigte Köb an. Und er sehe bei der "Einsparung" gleich Folgewirkungen, mit denen sich die Spirale nach unten drehe: weniger Besucher, weniger Einnahmen, weniger von allem.

Andererseits, wer weiß, ob es auch sein Gutes hat? Große Ausstellungen der vorigen Saison, von Yves Klein bis zu Sigmar Polke, waren jeweils mit großen Ausgaben verbunden, bei Yves Klein musste das Mumok gar 285.000 Euro drauflegen, während der Kooperationspartner, das Centre Pompidou in Paris, Gewinne machte. Einzig bei der Erwin-Wurm-Schau überstiegen die Einnahmen die Ausgaben.

Unter den Ausstellungen im kommenden Jahr fallen drei auf: "Genauso und Anders" (ab 29. Februar) befasst sich mit Kunst und Geometrie seit Albrecht Dürer, "Bad Painting" (ab 6. Juni) bringt geile, trashige Malerei, und Peter Kogler ist eine Retrospektive gewidmet (ab 17. Oktober). Während das Sammeln gestoppt wurde, bringen Schenkungen Zuwachs - und offene Fragen: Gehört die geschenkte Kunst dem Haus oder dem Bund?

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