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Bottas lichtes Pantheon in Rovereto

Mitte Dezember wurde in Rovereto das neue Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst eröffnet.

ROVERETO. Das MART - Museo di Arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto - ist ein Vorzeigebau mit erlesenem Inhalt. Ein riesiger gepflasterter Innenhof mit einer Kuppel aus Stahl und Glas, um den sich die Räume gruppieren. Schon jetzt ist das vom Tessiner Architekten Mario Botta um 70 Mio. Euro erbaute Mehrzweckgebäude eine Attraktion.

Der Museumsplaner

Botta hat sich seit den Achtzigerjahren als Planer von Museums- und Kulturzentren weltweit einen Namen gemacht. Zu seinen Referenzen zählen das MoMa von San Francisco ebenso wie die Dortmunder Zentralbibliothek und die Synagoge samt Kulturzentrum in Tel Aviv. Sein Auftrag für Rovereto wurde 1989 erteilt, die Grundsteinlegung erfolgte 1997, und auch hier ist ihm die Kombination von Tradition und Aktualität, die seine Bauten auszeichnet, auf ansprechende Weise gelungen.

Der kuppelüberwölbte Innenhof zitiert römische Prachtbauten wie das Pantheon mit der zentralen Deckenöffnung, der am Boden ein Wasserbecken entspricht. Von hier aus lassen sich alle Räume, Zubauten und Serviceeinrichtungen (Bibliothek, zwei Vortragsräume, von denen der größere mit 500 Sitzplätzen noch fertig eingerichtet werden muss, Depot, Labor und Werkstatt, Büros, Rezeption, Shop, Cafeteria und didaktischer Bereich) bequem erreichen.

Die Schätze

Die Wände sind mit gelbem Vicenza-Stein verkleidet, viele Öffnungen lassen das ganze Bauwerk hell und luftig wirken; helles Holz, cremeweiße Wände und dunkler Marmor für die Treppen kontrastieren unaufdringlich im Inneren. Zwei Geschoße über der Erde und ein Souterrain ergeben insgesamt 14.500 qm Fläche, wovon 5600 für Ausstellungen nutzbar sind. Funktionell ist die Anlage auch innen, die einzelnen Bereiche sind großzügig bemessen.

Die zweite Etage, in der die Bestände in Dauerausstellungen präsentiert werden, wird durch viele Dachfenster mit natürlichem Licht versorgt. Hier zeigt das Museum seine Schätze, darunter die einzigartige Futurismus-Sammlung rund um den multimedialen Lokalmatador Fortunato Depero und seine Kollegen Balla und Prampolini, aber auch die Novecento-Bewegung, die Pittura metafisica und die Abstraktion sind durch schöne Exponate belegt: Carrà, Sironi, de Chirico, Savinio, Morandi, Campigli, Belli. Dazu kommt das bestens bestückte Archiv im Souterrain, das mit 80.000 Dokumenten die bedeutendste Futurismus-Sammlung überhaupt besitzt. Die erste Etage bleibt den Wechselausstellungen vorbehalten.

Die erste Schau

Bis 13. April 2003 läuft hier in den 36 ineinander übergehenden Sälen die Eröffnungsschau "Die Räume der Kunst - Figuren und Bilder des 20. Jahrhunderts". Von der Jahrhundertwende mit Segantini über die futuristische Dynamik zur internationalen Avantgarde, vom Expressionismus zum Magischen Realismus und zur Neuen Sachlichkeit, von der lyrischen Abstraktion über den Spazialismo zum Informel und zur Arte Povera, vom Pop über den Minimalismus bis zur Konzeptkunst ist mit ausgewählten Leihgaben alles aufgeboten worden, was zu einem Überblick gehört.

Den Abschluss macht die große Sammlung Panza di Biumo, die die Achtziger- und Neunzigerjahre vor allem durch amerikanische Kunst belegt; und Mimmo Paladinos 20 über mannshohe Steinfiguren wurden im letzten Moment rund um den Brunnen im Hof gruppiert, wo sie sich streng und feierlich ausnehmen. Museumsdirektorin Gabriella Belli, die ihre Träume mit diesem Neubau verwirklicht hat, plant natürlich weit voraus. Und es scheint, dass man sich das MART ab sofort vormerken sollte.
2002-12-23 19:23:00