28.07.2003 19:27
Fliegender Akkubohrer und Neurosen in
Bronze
Salzburg: "mutual fields" im geschützten White
Cube, Gelatin-Erregung im öffentlichen Raum - Foto
Salzburg - Manche (Frauen) behaupten, Johnny Cash sei eine
Männerkrankheit. Das ist gemein. Mehr in diese Richtung passt da der Mythos vom
Polarforscher, welcher bestrebt ist, dorthin zu gehen, wo kein Mann zuvor war.
Und genau diese Heroen, angetan mit Fellkostüm, possierlichen Tieren ähnelnd,
persifliert die Frankfurterin Julia Oschatz in ihrer aus Malerei und allerlei
kompilierten Heldenwand in der Galerie 5020.
Diese tolle Arbeit ist Teil
der exzellenten Gruppenschau mutual fields (Wechselseitige Felder), welche
Übergangszonen zwischen real und fiktiv, produziert und rekonstruiert usw.
thematisiert. Sozusagen Gegenwelten in der Kunst, die doch nicht gänzlich auf
einem anderen Planeten angesiedelt sind. David Moises funktioniert da etwa einen
Akkubohrer zum Ventilator um, Cy Stefner baut sich ein spiderhouse, welches bis
Mitte August im Hof der Juridischen Fakultät Salzburg stehen wird, die Japanerin
Kazumi Kanemaki baut auf sich selber, indem sie sich im Zeitraffer abfilmt und
dabei die Überlegung anstellt, Präsidentin zu werden.
Erik Hable
generiert am Computer eine eigene, verführerische Warenwelt-Oberfläche mit viel
sagenden Frauennamen. Julia Kwan liefert eine der besten unter den
überdurchschnittlichen Videoarbeiten, ein poetisch-komisches Märchen über drei
japanische Schwestern. (bis 9.8.)
Psychopathologie des Alltags findet
sich viel darin, ausgesprochen aber nur bei den Installationen des Katalanen
Jaume Plensa in den beiden Dependancen der Galerie Accademia (bis 15.9.).
Freud's Children sind wahrscheinlich wir alle, aber auch die Skulpturen,
die Plensa zuweilen wörtlich nimmt, und des Mannes bestes Stück, Bronze, weiß
patiniert, das er mit Worten bestückt oder mit den Füßen treten lässt.
Besitzstörungsklage
Das passiert alles im geschützten
White Cube, Feuerwehr und Polizei bleiben diesmal, im Gegensatz zu
Gelatin-Erregungen, ungerührt. Aktiver war die Stadt Salzburg, die noch am
Freitag gegen das Land Salzburg, Rupertinum-Chefin Agnes Husslein und gegen die
vier Künstler von Gelatin Klage einreichte. Wegen Besitzstörung. (Mit Kommentar)