Salzburger Nachrichten am 2. Juli 2005 - Bereich: kultur
Kunst über Grenze

Beim Festival in Retz sollen Tschechen und Österreicher zusammenkommen. Zum Auftakt lasen Vaclav Havel auf Tschechisch und Heinz Fischer auf Deutsch.

REtz (SN, APA). "Wer letzten Endes Recht haben wird, wird vorletzten Endes Unrecht haben müssen": Dieses Zitat aus einem Essay des polnischen Philosophen Leszek Kolakowski kam Bundespräsident Heinz Fischer in den Sinn, als er am Donnerstagabend bei der Eröffnung des neuen Festivals in Retz mit dem ehemaligen tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel aus dessen "Briefen an Olga" las. Die Briefe und Betrachtungen sind um 1979 entstanden, als Havel, damals Wortführer des Prager Frühlings und Mitverfasser der Charta 77, wegen seines Engagements für die Bürgerrechte im Gefängnis saß.

Fischer stellte in seiner Eröffnungsrede im zirkusartigen Zelt auf dem Hauptplatz von Retz die "Suche nach dem Gemeinsamen, dem Verbindenden" in den Vordergrund: "Eine Grenze kann auch ein Ort der Begegnung sein, wenn wir es wollen!"

Nach der Lesung der beiden Präsidenten - Havel las auf Tschechisch, Fischer auf Deutsch - wurde die Kurzoper "Veselohra na moste" (Komödie auf der Brücke) von Bohuslav Martinu in tschechischer Sprache aufgeführt, eine Produktion der Wiener Musikuniversität. Das Tonkünstlerorchester Niederösterreich musizierte unter der Leitung von Andreas Schüller. Die Inszenierung von Anisha Bondy und die sängerischen Leistungen fanden großen Beifall.

Bis 10. Juli geht es nun weiter mit Musik und Lesungen. Einer der Initiatoren des Festivals mit dem Titel "Musik & Literatur - Offene Grenzen", das Publikum diesseits und jenseits der Staatsgrenze anlocken will, ist der Schriftsteller Peter Turrini. In den kommenden Tagen werden Christoph Ransmayr, Robert Menasse, Christine Nöstlinger, Hermann Beil, Herbert Föttinger und Sandra Cervik in Retz auftreten.Information: www.festivalretz.at