Agnes Husslein wird Direktorin der
Österreichischen Galerie
Keine Überraschung gab es am Freitag bei der
Präsentation der künftigen Direktorin der
Österreichischen Galerie Belvedere.
Artikeltext: Mit der allseits favorisierten
ehemaligen Leiterin des Salzburger Rupertinums und
des Museums der Moderne am Mönchsberg, Agnes
Husslein-Arco (51), habe man eine "starke Frau für
eine wichtige Position gefunden", betonte
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V). Neben Lob
von Kollegen für die designierte Direktorin setzte
am Freitag erneut Oppositions-Kritik an der
Ausschreibung und der Besetzungspolitik Gehrers
ein, die die ÖVP zurückwies.
Die
Bestellungsurkunde sei heute unterschrieben
worden, Husslein übernimmt den Posten am 1. Jänner
2007, schilderte die Bildungsministerin. Die
Vertragsdauer der Nachfolgerin des jetzigen
Direktors Gerbert Frodl sei noch nicht
ausverhandelt. Jedoch seien Fünfjahresverträge
üblich. Husslein, die als erste Frau die
Österreichische Galerie leiten wird, freut sich
"riesig, dass mir diese große Aufgabe übertragen
wird. Ich finde das Belvedere ein wunderbares
Haus, das ich seit Kindheit liebe."
Die am
22. Mai 1954 geborene Kunstmanagerin und studierte
Kunsthistorikerin will die Mittelaltersammlungen
und den Barock wieder mehr ins Zentrum rücken
sowie die Vernetzung von oberem und unterem
Belvedere verbessern. Das Belvedere solle nicht
nur mit Klimt und der Jahrhundertwende assoziiert
werden, sagte Husslein. Auch will die langjährige
Geschäftsführerin von Sotheby's Österreich ihre
weit reichende Vernetzung in Österreich und auch
der internationalen Kunstszene nützen, um
zusätzliche Sponsoren für das Museum zu
finden.
Die bei ihrer Salzburger Direktion
von Anfang an von Kritik begleitete Husslein sah
sich bei ihrer Ernennung mit negativen Stimmen
konfrontiert, die insbesondere der Ausschreibung
galten. SPÖ und Grünen bezeichneten diese als
"äußerst dubios" und "inszeniertes Schauspiel".
Auch Mitbewerber Peter Assmann
(Oberösterreichische Landesmuseen) empfand die
"Pro-Forma-Ausschreibung" als "beschämend für alle
Beteiligten".
Gehrer wies dies zurück: "Ich
verwahre mich dagegen, dass, wenn eine Frau
bestellt wird, ständig davon gesprochen wird, dass
irgendwelche Beziehungen eine Rolle gespielt
haben. Ich lege größten Wert auf die Bewertung
nach den Qualifikationen", sagte die
Bildungsministerin. Eine sechsköpfige
internationale Jury habe einstimmig Husslein vor
Peter Pakesch (Landesmuseum Joanneum) und Peter
Bogner (Künstlerhaus) wegen Hussleins "Zugang,
Kompetenz, Erfahrungen und auch von ihrem Umfeld
her" (Gehrer) erstgereiht. Das Kuratorium habe
sich dem angeschlossen.
Husslein selbst
meinte, es sei wichtig, dass "ich mich selber in
den Spiegel schauen kann". Nach Kritik an ihrer
Personalpolitik, die sie in Salzburg von Anfang an
begleitet hat und die Husslein als
"Mediengebrabbel" bezeichnete, freut sie sich auf
die Mitarbeiter in der Österreichischen Galerie.
Frodl betonte, es gebe "keine Animosität im Haus
oder Angst vor 'der Neuen'."
Lob kam
jedenfalls von Kollegenseite: Der Direktor des
Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, freut
sich auf gute Zusammenarbeit, Albertina-Chef Klaus
Albrecht Schröder lobte die "hervorragende
Entscheidung" für die "ausgezeichnete
Museums-Direktorin". Frodl, der mit Jahresende in
Pension geht, ist sicher, "dass mit Husslein eine
Person gefunden ist, der man das Belvedere mit
ruhigem Gewissen anvertrauen kann."
Die
Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere
reicht vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen
Moderne. 2005 hatte das Museum nach Angaben des
Bildungsministeriums 419.746 (rpt. 419.746)
Besucher, das ist ein Plus von 15,2 Prozent
gegenüber 2004. Bei einer Basisabgeltung von 4,4
Mio. Euro verfügte die Österreichische Galerie
2005 über Mittel in Höhe von insgesamt 10,9 Mio.
Euro, was einen Eigenerlös in Höhe von rund 60
Prozent bedeutet.
Agnes Husslein-Arco (51)
zählt zu den schillerndsten, aber auch
umstrittensten Persönlichkeiten der
österreichischen Museumsszene. Sie ist eine Nichte
Herbert Boeckls, dem derzeit eine Schau im
Belvedere gewidmet ist. Von 1981 bis 2000 war sie
die erste Geschäftsführerin von Sotheby's
Österreich und leitete später auch Sotheby's Prag
und Sotheby's Budapest. Zehn Jahre lang war sie
Senior Director für Sotheby's Europa. Bei den
Nationalratswahlen kandidierte sie 1994 auf der
ÖVP-Bundesliste, die Regierung sandte sie 1995 auf
einem ÖVP-Ticket in das ORF-Kuratorium.
Am
1. Jänner 2001 übernahm Husslein die Direktion des
Salzburger Rupertinums und des Museums der Moderne
am Mönchsberg, das 2004 eröffnete. Ihr Vertrag
endete am 31. Dezember 2005, Husslein strebte
keine Verlängerung an. "Ich will nach Wien zurück,
dort ist mein Lebensmittelpunkt", sagte sie
damals. Dies ist ihr nun geglückt.< Quelle:
APA