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Blüten-Ballett

„At the beginning of something else“, so der Titel einer reizvollen Ausstellung

von Corinna Daniels

Mehr als drei Jahre arbeitete sie an den Bildern für ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Blickensdorff. Das will etwas heißen in schnelllebigen Zeiten. Dabei zehrt die Künstlerin von einem schnellen Medium, der Fotografie. Doch der Manipulationsprozess am Computer dauert. Bis Gerlinde Helm zu ihren Fotos gelangt, die nicht abbilden, sondern fremdartige Bildwelten eröffnen, gehen andere mit Meterware schon von Messe zu Messe.

Nein, mit Ruff & Co. kann man die 38-jährige Österreicherin, die eigentlich von der Bildhauerei kommt, nicht vergleichen. Bei ihr wird nicht einfach pornographisches Material aus dem Internet heruntergeladen und bearbeitet. Ihr Anspruch ist es, neue Strukturen zu kreieren, verarbeitete Fotografie zu zeigen. Dass ihr kaleidoskopartiger Kosmos durchaus auch ornamentale Fleischeslust suggeriert, spricht für ihr schöpferisches Talent.

Reproduzierend, die Realität einfangend, betätigt sich Gerlinde Helm also nicht. Statt dessen setzen ihre digitalen Mosaikbilder die Fantasie des Betrachters in Gang, der jede Arbeit schon deshalb lange anschauen mag, weil sie keine Eindeutigkeiten oktroyiert. Da spreizen sich Fingerchen an Luftballons, wiederholen sich die gespiegelten Muster und ergeben ein blumiges Ballon-Blüten-Ballett voller Energie und Farbenfreude.

Diese der Abstraktion angenäherten „Kristallisationen“ basieren häufig auf gestellten Motiven, die sie mit der Kamera einfängt. Bevorzugt: die Ballonperformance im Stadtpark. Die in Berlin lebende Künstlerin manipuliert Muster, die auch Erinnerungsmuster sind, die als sich verändernde, beweglich erscheinende Formen das Universums spiegeln.

„At the beginning of something else“, so der Titel der reizvollen Ausstellung, schließt dabei den Blick zurück immer ein. Wie unter dem Mikroskop öffnen sich in den großformatigen Arbeiten Abgründe der Mutterhöhle. Eiformen erinnern an jenes Stadium der menschlichen Entwicklung, die am Anfang steht, an den Beginn von etwas Neuem, Individuellen, das anders ist als alles andere.

Die Preise der digitalen Fotografien liegen zwischen 950 Euro für ein kleinformatiges Lamdaprint hinter Plexiglas und 6600 Euro für eine zweiteilige, sich über Eck in den Raum ausdehnende Arbeit im Format von 120 x 270 cm. Die Auflage beträgt jeweils sechs Stück. Darüber hinaus sind Videos der Künstlerin erhältlich.

Galerie Blickensdorff, Gipsstr. 4, Mitte; bis 18. Januar. Di-Fr 14-19 Uhr. Sa 12-16 Uhr. Weitere Arbeiten im Schaulager der Galerie in der Backfabrik, Prenzlauer Allee, Ecke Saarbrücker Str. 36

Artikel erschienen am Fr, 6. Dezember 2002

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