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Kunstberichte
In der heimischen Museumslandschaft liegt trotz neuen Leitern einiges im Argen – ein kritischer Streifzug

Wenig Gesprächskultur im Museum

Lässt 
auf einen neuen Führungsstil hoffen: Karola Kraus, seit Herbst 
Direktorin des Mumok. Foto: apa

Lässt auf einen neuen Führungsstil hoffen: Karola Kraus, seit Herbst Direktorin des Mumok. Foto: apa

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Direktoren blicken auf Auslastungszahlen, Mäzene, Politiker – aber zu selten auf Mitarbeiter.
Aufzählung Auch dem öffentlichen Diskurs fehlt es oft an Substanz.

Das Foto eines Scherbenhaufens, das unlängst aus dem Jüdischen Museum an die Öffentlichkeit gelangte, ist für die Wiener Museumslandschaft bezeichnend. Nicht, dass sie selbst einem Scherbenhaufen gliche. Aber die Geschehnisse rund um die Zerstörung jener Hologramme, die früher einmal zeitgemäße Präsentationsformen waren, lässt auf fehlende Gesprächskultur schließen – ein Problem, das nicht nur das Jüdische Museum Wien hat.

Die Hologramme gingen zu Bruch, weil sie sich beim Umbau des Hauses nicht anderweitig entfernen ließen. Über die Demontage wurde die Kuratorin jedoch offenbar nicht informiert. Sie machte den Scherbenhaufen daraufhin publik; die angespannte Situation könnte zu ihrem Abgang führen.

Wichtiges bleibt unberührt

Doch auch in den Medien mangelt es dem Diskurs an Qualität. Nach Wichtigem wird oft nicht gefragt. Im Jüdischen Museum wären das die wörtlichen und bildlichen Kommentare jüdischer Geschichte durch Nancy Spero, die 2010 in New York verstorbene Spitzenkünstlerin. Sollten ihre sensiblen Werke übertüncht oder abgeschlagen werden, dann wäre unwiederbringliches Kulturgut verloren.

Mangelnde Gesprächskultur: Sie kommt auch im Konflikt zwischen Direktor(in) und Mitarbeiterstab zum Ausdruck. Ein Manko, das wohl auch Peter Noever, seit einer Woche Ex-Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK), in eine Schieflage brachte. Kein Zweifel: Seine 25-jährige Ära bescherte dem MAK internationale Qualität; es war aber auch stets bekannt, dass Noever – der letztlich wegen etlicher Geburtstagsfeste auf Museumskosten den Hut nahm – Mitarbeitern das Leben schwer gemacht hat. Etwas mehr (und bessere) Kommunikation hätte ihm viele Vorwürfe erspart.

Immerhin: Durch Neubesetzungen an mancher Museumsspitze konnte in den Vorjahren die Hoffnung keimen, auch der Führungsstil werde sich ändern. Teamgeist statt zelebrierter Generaldirektor-Herrlichkeit war ersehnt. Doch statt ein demokratisches Ideal zu verwirklichen, werden Museumskonflikte heute oft über die Medien ausgetragen.

Manager statt Gelehrter

Maßgeblich für den heutigen Zustand waren nicht zuletzt die Kriterien, nach denen Museumsdirektoren ab den 90er Jahren bestellt wurden: Für den Job hatte man nun weniger Fachgelehrte als vielmehr Manager zu sein – Kompetenzen, die durch die Ausgliederung der Häuser in jener Ära nötig wurden.

Nur wenige Direktoren verbinden dieses Können allerdings mit einer weiteren, angesichts geringer Ankaufsbudgets wichtigen Qualität: nämlich die wenigen in Österreich vorhandenen Mäzene gewinnen zu können. Dafür hat man trittfest auf dem Society-Parkett zu sein. Von gutem Wein ebenso kompetent wie von Rembrandt oder Klimt reden zu können: Das traut man am ehesten Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder und Belvederedirektorin Agnes Husslein, ehemals Leiterin von Sotheby’s Österreich, zu. Bei ihren Aktivitäten außer Haus blicken die heutigen Direktoren auch eifrig in Richtung Politik – zu selten jedoch auf die Interessen der eigenen Mitarbeiter.

Kulturministerin Claudia Schmied hat mit der Wahl der Direktorinnen Sabine Haag (Kunsthistorisches Museum) und Karola Kraus (Mumok) überrascht, die Museumslandschaft damit zweifellos verändert und die Frauenquote erfüllt. Einmal hat man da also jemanden aus dem Kunsthistorischen selbst gewählt, der die Fertigstellung der Kunstkammer garantiert, der statt großen teuren eher kleine, aber profunde Ausstellungen macht und nicht mit anderen Museumsleitern nach gigantischen Bauprojekten schreit. Kraus wiederum bekommt ihr Schweigen zur längst fälligen Erweiterung des aus allen Nähten platzenden Mumok-Lagers mit einem kleinen Umbau im Eingangsbereich samt Café belohnt. Ein Glück, dass das Mumok beim Ranking der "traurigsten Museen der Welt" in den Glossen des "Art Magazins" bisher nicht berücksichtigt wurde. Der Galerist und Publizist Manfred Lang bescheinigt dem Mumok ebenso wie dem Jüdischen Museum leicht ironisch "nur" eine "Neuübernahmeschließungsmonatekrise".

Abgesehen vom Thema Sanierung ist aber auch zu fragen, wie es um die interne Kommunikation mit den Kuratoren steht. Sprechen die angeblich so teamfähigen Direktorinnen tatsächlich auch nicht mit ihren Mitarbeitern, wie hinter der Hand geraunt wird – oder sind nun die Mitarbeiter an der Kommunikationsmisere schuld?

Mit Gewissheit kann ein Journalist in dieser Stadt jedenfalls die fehlende Koordinationsbereitschaft der Häuser untereinander beurteilen. Die macht sich schlagend bemerkbar, wenn an einem Vormittag drei Ausstellungs-Pressekonferenzen kollidieren. Das liegt meist nicht an den Presseabteilungen, sondern am Festhalten (fast) aller Direktoren an ihren Terminen, auch wenn sie von Überschneidungen erfahren. Dabei gibt es seitens der Bundesmuseen mehrmals im Jahr kollegiale Treffen.

Wenn dann Rezensionen ausbleiben, ist es freilich zum Schaden der Museen. Eine fragwürdige Lösung dafür, wie aus Deutschland zu vernehmen und langsam auch hierzulande Praxis: Man kauft die Kulturseiten der Zeitungen mit Inseraten, um auf Nummer sicher zu gehen. Vieles wird dann wie Staub unter den Teppich gekehrt. Demokratisch ist die bezahlte Hofberichterstattung kaum.

Qualität oder Kommerz?

Kaum eingreifen kann die Öffentlichkeit derzeit in die Suche nach einem neuen Leiter für das Leopold-Museum. Das ist im Fall der größtenteils privaten Einrichtung aber auch legitim. Der Stiftungsrat muss entscheiden, wer die Geschicke des Hauses weiterleiten kann. Per Ausschreibung gesucht wird eine Fachkraft mit Kenntnisschwerpunkt in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Weil erstens keiner der Söhne von Rudolf Leopold dem Vater nachfolgen will, zweitens durch Vergleichszahlungen (wie im Restitutions-Fall "Wally") an Ausstellungen gespart werden muss und drittens die Managerqualitäten ohnehin von einem fähigen Geschäftsführer abgedeckt sind, wird die Bestellung schwierig.

Abgesehen von Kommunikationsstörungen überall schlägt sich bei den neuen Museumsdirektionen der wissenschaftliche Ansatz oft auch mit einem Hang zur kommerziellen Unterwerfung: Es sind Gratwanderungen, die wir als Gesellschaft allerdings inhaltlich mitbestimmen.

 

Printausgabe vom Donnerstag, 03. März 2011
Online seit: Mittwoch, 02. März 2011 19:04:15

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