Salzburger Nachrichten am 7. Juni 2006 - Bereich: Kultur
Konkurrenz für Disney

In Jerusalem soll eines der größten Trickfilmstudios der Welt entstehen. Mit Trick-Spezialist Ron Howard will Produzent Erel Margalit den globalen Markt erobern.

GIL YARONJERUSALEM (SN). Jesus, König David oder die Al-Aksa-Moschee: Das sind die ersten Assoziationen, die Jerusalem erregt. Andere sehen in der Stadt den Brennpunkt des Nahostkonflikts und denken an explodierende Busse. Sollte jedoch ein junger israelischer Unternehmer Erfolg haben, könnte die "heilige Stadt" für die nächste Generation gleichbedeutend mit Disney werden. Erel Margalit will in den Bergen Judäas eines der größten Animationsstudios der Welt errichten.

"Animation Lab" soll das Studio heißen, das dieser Tage im Süden Jerusalems aus dem Boden gestampft wird. In einem High-Tech-Park haben Margalit und seine Investmentfirma JVP ihre Zelte aufgeschlagen. Biotechnologie- und Computerfirmen hinter glitzernden Glasfassaden machen hier aus dem biblischen Tal ein neues Silicon Valley.

In kaum einer Branche treffen modernste Technologie und uralte Traditionen so unmittelbar aufeinander wie im Zeichentrickfilm. Seit Beginn der Zeit erzählen sich Menschen Geschichten. Seitdem die Pixar Studios aber 1995 mit "Toy Story" die Welt des Zeichentrickfilms revolutionierten, erzählen Filmstudios ihre Geschichten nur noch mit Hilfe von High-Tech. CGI (Computer Generated Imaging) heißt der neue Standard, mit dem animierte Kinderfilme mit ungeheurer Rechenleistung heute produziert werden. "Deswegen glaube ich an Jerusalem", sagt Margalit. "Diese Stadt ist voller Widersprüche. Nirgendwo stoßen Geschichte und Moderne so aufeinander wie hier. Das erzeugt Kreativität, die ich nutzen will. In Israel existiert ein Übermaß an technologischem Wissen. Dieser Zwergstaat mit knapp sieben Millionen Einwohnern ist mit 120 Firmen am NASDAQ repräsentiert. Im Film werden wir Kreativität und technologisches Wissen zusammenbringen."

Auf dem Markt ist für solche Unternehmen noch viel Raum. Insgesamt 311 Filme liefen im Jahr 2005 in Kinos in den USA, lediglich elf davon waren Zeichentrickfilme in voller Länge. Für einen erfolgreichen Film lohnt sich das Geschäft. Margalit baut vor allem auf niedrige Produktionskosten: "Bei Disney arbeiten an einem Film bis zu 400 Menschen. Aber die haben hohe Unkosten und zu viel Bürokratie. Wir werden dasselbe mit 200 Künstlern schaffen, die zudem noch weniger Gehalt verlangen."

Einen Generaldirektor hat Margalit bereits. Der Brite Max Howard ist einer der begehrtesten Produzenten im Metier. Er schuf bei Disney Riesenhits wie "Roger Rabbit", "Arielle die Meerjungfrau", "Der König der Löwen" und "Die Schöne und das Biest". Howard und seine Mitarbeiter haben aus 160 Drehbüchern zehn herausgesucht und verhandeln nun über die Rechte. Nachdem das Drehbuch feststeht, soll ein internationaler Regisseur engagiert werden. "Unsere Filme werden kein Nischenprodukt sein. Wir planen global", sagt Margalit.

Eine Tochterfirma von JVP plant bereits Animationen für Handys, während eine andere 3-D-Werbung in Onlinespiele einbaut und eine Dritte neue Computerspiele konzipieren wird.

Howard versucht, seine besten Kollegen nach Jerusalem zu locken. Später sollen 90 Prozent der Mitarbeiter Israelis aus den renommierten Kunstschulen des Landes sein. Der Ex-Schauspieler ist von seinem Produkt überzeugt. "Trickfilme sind zeitlos. Ich kann mit meiner Tochter die Filme besuchen, die ich als Kind gesehen habe. Vielleicht sehen meine Enkel einmal die Filme, die ich hier produzieren werde?" Und sogar einen Beitrag zur Verständigung zwischen Arabern und Israelis sieht der Produzent in seinem Projekt: "An jedem einzelnen Bild im Film sind 40 Menschen beteiligt. Die Künstler müssen eng zusammenarbeiten und kommunizieren. Das kann ein erster Schritt Richtung Frieden sein."