Zum Denken und zum Lümmeln
Hedwig Kainberger Wien (SN). Die einen Sessel sind so sperrig-hölzern, dass man achten muss, die Hüfte nicht in zahnartigen Vorsprünge zu rammen sowie ohne blauen Fleck am Unterarm und ohne Laufmasche aufzustehen. Die anderen wirken wuchtig-weich, sind an Ecken und Kanten abgerundet, sodass sie gemütlichstes Sitzen, ja sogar elegantes Lümmeln erlauben könnten.
So weit entfernt kann sein, was Künstler schaffen: Die einen sind als Möbel nutzbare Skulpturen, die Erwin Wurm für das Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien kreiert hat und die dort ab heute, Mittwoch, zu besichtigen sind (bis 4. Sept.). Die anderen sind eine Kollektion des französischen Architekten Jean Nouvel, die ab Ende der Woche im Möbelgeschäft Wittmann zu kaufen sind.
Erwin Wurms Kreationen für das MAK sind fröhlich verspielte Variationen, die einladen, Beinformen zu vergleichen und Ladenfunktionen zu bedenken.
Man nehme einen Schrank vom Flohmarkt, drehe ihn auf den Rücken, lasse die Beinchen dran, aber schneide auf den vier Seiten große Stücke heraus und setze all das auf ein Gestell: Fertig ist ein Wurmtisch mit Türen als Platte. Oder: Man drehe einen Ladenschrank auf den Rücken, schneide an der einstigen Kopfseite einen Quader aus und setze Holz ein: Fertig ist ein Wurmsessel.


















