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Wien
Martha Rosler in der EA Generali Foundation
von Sabine B. Vogel
Ende der 80er Jahren zeigte Martha Rosler ihre ‹housing-projects›. Das Projekt ‹If you lived here ...› (1989) in der Dia Art Foundation entsprach einem Informationsbüro, einem Wohnzimmer, einem Bühnenbild – es war nicht ganz zu entscheiden, jedenfalls deutlich anders als die objektorientierten Shows ringsum. Inmitten der schicken Materialästhetik in Sohos Galerien leistete sich da eine Künstlerin eine informative und didaktische Präsentationssprache zu einem politischen Thema: Obdachlosigkeit.

In Roslers grosser Retrospektive in der EA Generali stehen die ‹housing-projects› wie ein Verbindungsstück zwischen den Serien zum Krieg und dem stillen Schwerpunkt der Ausstellung: den kritischen Äusserungen zur Stellung der Frau in der Gesellschaft. Im Video ‹Semiotics of the Kitchen› (1975) führt Rosler Küchengeräte alphabetisch sortiert, lexikalisch erklärt vor. Allerdings verwandeln sich die Kochutensilien durch Gestik, Mimik und Text zu Zeugen geballter Aggression und Frustration. In einer früheren Arbeit, ‹Beauty Knows No Pain› (1965–74) bedient sich Rosler der Fotocollage-Technik, um Frauenklischees in den Medien beissend-humorvoll und mediengerecht-direkt zu kritisieren. Auch in den Kriegserien ist es die mediale Darstellung, auf die sich Rosler bezieht.

Ob in ihren Performances, ihrem Postkartenroman, den Fotocollagen oder Rauminstallationen, Rosler erzählt in ihren Werkserien komplexe Geschichten. Geschichten, die keine individuellen Schicksale oder Details Richtung Allgemeingültigkeit verknüpfen, sondern Bildgeschichten sozialer Wirklichkeiten. So produzierte sie mit ihren Fotografien ‹In the Place of the Public: Airport Series› (1993) nicht individuell geprägte Räume, sondern im ‹Lichte ganz bestimmter Gesellschaftsformen› stehende: es ‹handelt nicht von Leuten im Raum, sondern vom Raum selbst als Produkt eines bestimmten Gesellschaftsystems›. Hier schliessen sich auch wieder die ‹housing-projects› an. Mit dem mehrteiligen Projekt, das über sechs Monate Ausstellung, Filmvorführungen, Lesungen und Diskussionen verband, gab Rosler damals einem Thema etwas, wovon es gerade ausgeschlossen bleiben sollte: eine Bühne. Einen Kontext. Einen Raum.

In der Mischung zwischen scharfer Analyse bestehender Missstände und deren Übersetzung in eine Bildsprache mit künstlerischen Mitteln liegt eine der grossen Faszinationen von Roslers Werken. Eine andere liegt in ihrer kritischen Weltsicht, die Rosler zu ihren Themen führt und die sie gleichzeitig gegenüber ihren eingesetzen Methoden zeigt, z.B. Dokumentation als begrenzt bis manipuliert zu zeigen. Oder die Collage-Methode bis an die Grenze der Plattheit zu treiben. Zwar betont Rosler mehrmals, weniger die Kunstwelt als ein breites Publikum adressiert zu haben, aber der Grund allein erklärt nicht die Diskrepanz zwischen Analyse, komplexer künstlerischer Umsetzung und bisweilen allzu banaler Bildlichkeit. Mit dem Adressatentrick lässt sich auch nicht die platte Imitation eines Flohmarktstandes im schicken Eingang der EA Generali Foundation erklären – eher mit einem augenzwinkernden Distanzversuch vor der institutionellen Vereinnahmung. Katalog mit ausführlichem Interview von B. Buchloh; anschliessend: Museu d’Art Contemporani, Barcelona; New Museum, New York.

Bis 8.8.1999

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Ausgabe: 07 / 1999
Ausstellung: ( - )
Institution: Generali Foundation (Wien)
Autor/in: Sabine B. Vogel
Künstler/in: Martha Rosler