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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
10.05.2002
21:37 MEZ
Italienischer Künstler Gabriele Mucchi 102-jährig gestorben
Der Maler, Architekt, Designer, Fotograf und Bühnenbildner war Mitbegründer des Neo-Realismo und entschiedener Gegner von Mussolini

Foto: Archiv

Rom - Der italienische Maler und Mitbegründer des Neo- Realismo, Gabriele Mucchi, ist am Freitag im Alter von 102 Jahren in Mailand gestorben. In wenigen Wochen hätte der am 25. Juni 1899 in Turin geborene Künstler seinen 103. Geburtstag gefeiert.

Mucchi, der ein entschiedener Gegner der faschistischen Diktatur von Benito Mussolini gewesen war, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit in Ostberlin gelebt. Er habe vor seinem Tod verfügt, dass die Urne mit seiner Asche in Berlin beigesetzt werden solle.

"Engagement gegenüber den Menschen"

Mucchi hatte sein Leben lang eine enge Beziehung zu Berlin. Die Stadt hatte den Künstler noch zu seinem 100. Geburtstag am 25. Juni 1999 mit Ausstellungen gewürdigt, die das Schaffen des Malers, Architekten, Designers, Fotografen und Bühnenbildners zeigten. Kunst begreife er als "Engagement gegenüber den Menschen", hatte Mucchi in seiner Autobiografie "Verpasste Gelegenheiten" geschrieben. Arme Fischer und landlose Bauern, Partisanen, Streikende und Demonstrierende bevölkern seine Bilder. Stark stilisiert, gleichen sie mitunter Heiligen. Umgedreht trägt Petrus auf einem Wandbild in der Engelskirche von Salussola die Züge von Karl Marx.

Noch als Hochbetagter arbeitete Mucchi an neuen Ideen. So hatte er vor einigen Jahren für Berlin ein Wandbild entworfen, das unter dem Kreuz Christi Geistesgrößen des 16. Jahrhunderts von Martin Luther und Thomas Müntzer bis Nikolaus Kopernikus aufreihte. Mit dem Bild "Versöhnte Einheit" sollte in der Dorfkirche von Alt-Staaken an die überwundene Teilung erinnert werden. (APA/dpa)


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