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| Kunst soll
Diskussionen anzetteln Joep van Lieshout hat gemeinsam mit Studenten der
Kunstuniversität Linz den Ausstellungsraum von Büchsenhausen in ein
Videolabor umgebaut. Lieshout: Es ist ein Künstleratelier im ganz altmodischen Sinn. Das heißt, wir sind ein Betrieb, in Gang gehalten von einer Gruppe von etwa 35 Leuten mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Bei uns arbeiten Künstler, Designer, Handwerker, Buchhalter usw. zusammen. Das Ziel ist die Schaffung eines autonomen Raumes, in dem alles möglich ist. TT: Dazu haben Sie einen Freistaat gegründet. Lieshout: Für die Durchführung eines großen Projekts vor zwei Jahren haben wir diesen Freistaat gegründet. Dazu haben wir ein eigenes Dorf gebaut, das nach eigenen Gesetzen funktionierte. Wir waren völlig horizontal organisiert, haben unser eigenes Geld gedruckt, eine eigene Fahne gehabt. Obwohl der Freistaat ein Riesenerfolg war, haben wir ihn vor etwa einem Jahr unter dem Druck der Behörden offiziell wieder aufgelöst. TT: Ihr Kunstbegriff ist ein sehr breiter. Sie entwerfen Bars, destillieren Alkohol, haben eine Abreibungsklinik auf Reisen geschickt. Lieshout: Unsere Arbeit bewegt sich immer auf der Kippe zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt. Damit will ich aber nicht sagen, dass das alles Kunst ist. Für mich können sehr viele Sachen Kunst sein, sind es aber nicht. Kunst ist für mich eine Sache von Tiefe, vieler Ebenen von Bedeutung. TT: Für Sie hat Kunst aber eher mit sozialer und gesellschaftlicher Relevanz zu tun als mit ästhetischer. Lieshout: Ich glaube, dass Kunst aus der Gesellschaft geboren wird. Deshalb ist es für mich auch wichtig, durch meine Projekte Diskussionen anzuzetteln. Kunst darf für mich keine elitäre Angelegenheit sein. TT: Deshalb sind die Spielorte Ihrer Kunst oft auch unübliche Kunstorte. Lieshout: Wir spielen an ganz unterschiedlichen Plätzen, auch in renommierten Museen, wie im Wiener Museum für Angewandte Kunst oder im New Yorker Museum of Modern Art. TT: Wie ist dieser Kontakt mit dem Künstlerhaus Büchsenhausen zustande gekommen? Lieshout: Der Kontakt ist von Innsbruck ausgegangen. Nicht ganz vor einem Jahr wurde ich eingeladen, hier ein Projekt zu realisieren. Damals hatte ich eine Gastprofessur an der Kunstuniversität Linz und die Innsbrucker Einladung war für mich eine ideale Möglichkeit, mit meinen Studenten hier praktisch etwas zu realisieren. TT: Erzählen Sie von diesem Projekt. Lieshout: Wir haben den Ausstellungsraum in ein Videolabor umgebaut. Künstler sollen hier arbeiten und leben können. Wie dies die Studenten gemeinsam mit mir realisiert haben, ist ebenso funktionell wie poetisch, laviert zwischen Kunst, Design und Gebrauchsgegenstand. _________________________________________ Das Gespräch führte Edith Schlocker 2003-03-18 16:05:18 |