Gegenseitige Wertschätzung

Die Ausstellung dokumentiert die Beziehung des französischen Fotografen mit dem österreichischen Maler.


Die Wiener Galerie WestLicht widmet einem Großen der Fotografie, dem Franzosen Henri Cartier-Bresson, und dessen Freund, dem österreichischen Maler Georg Eisler, eine Ausstellung. "Bilder einer Freundschaft", von Dienstag an bis 3. August zu sehen, zeigt Fotografien Cartier-Bressons aus dem Nachlass Eislers, einige Ölbilder Eislers und Zeichnungen beider Künstler. Gegenseitige Wertschätzung und ähnliche künstlerische Vorstellungen prägten die Beziehung zwischen dem französischen Leica-Fotografen und dem jüngeren Österreicher.

Georg Eisler, fotografiert von Henri Cartier-Bresson. / ©Bild: APA
Georg Eisler, fotografiert von Henri Cartier-Bresson. / ©Bild: APA

"Die Ausstellung soll einen Überblick über die Persönlichkeiten beider Künstler geben", erklärte Kuratorin Susanne Berchtold bei der Presseführung. Cartier-Bresson, Jahrgang 1908, und Eisler (1928 - 1998) lernten einander vor rund 20 Jahren in Wien kennen. Cartier-Bresson, damals bereits als der "Jahrhundert-Fotograf" berühmt, besuchte Eisler mehrmals in Salzburg, als dieser an der Sommer-Akademie unterrichtete. Beide hatten eine große Liebe zur Zeichnung, und gemeinsam zeichneten sie öfter auch Akte. Das Lieblingsmotiv beider war immer der Mensch in Alltagssituationen, und beide gelten heute als bedachtsame Chronisten ihrer Zeit.

Cartier-Bressons berühmte Werke

Zu den 30 gezeigten Fotografien Cartier-Bressons gehören auch solche, die zu den berühmtesten Werken des 20. Jahrhunderts zählen, etwa "Trafalgar Square am Tag der Krönung George VI.", London 1937. Sie stammen aus dem Nachlass Eislers und gehören heute dessen Witwe Alice. Die Werkauswahl von Ölbildern, Zeichnungen und Skizzenbüchern Eislers zeigt die private Seite der Freundschaft, etwa Porträts von Cartier-Bresson.

"Hinter dem Gare St. Lazare , Paris 1932" / ©Bild: APA

Cartier-Bresson wurde 1908 in Chanteloup geboren und studierte Malerei. Er reiste viel, unter anderem nach Afrika und Mexiko. 1940 kam er in deutsche Kriegs-
gefangenschaft. 1947 gründete er gemeinsam mit Robert Capa, Davis Seymour und Georges Rodger die legendäre Fotoagentur Magnum, mit der er bis 1966 zusammen arbeitete. 1986 erhielt er den Novecento Award, überreicht von Jorge Luis Borges in Palermo. Seit den 70er Jahren beschäftigt er sich vermehrt mit Zeichnungen. Cartier-Bresson ist für die Fähigkeit berühmt, in seinen Fotos den "richtigen Moment" festzuhalten.

Gegensatz zum fotografischen Werk

Im Gegensatz zum fotografischen Werk Cartier-Bressons unterscheidet sich der andere Teil seines Oeuvres in viel ruhigeren Zeichnungen, Landschaften und Porträts, erklärt Kuratorin Susanne Berchtold:

"Die Zeichnung war für ihn etwas, wo er ein Ausdrucksmittel gefunden hatte, das es ihm ermöglichte, noch wesentlich hinter die Dinge zu schauen, die er mit der Kamera festhalten konnte. Was dann begann, war das wechselweise Porträtieren, diese Ölbilder, Zeichnungen und Fotografien, das gemeinsame Aktzeichnen und eben eine Freundschaft, die stark über den Diskurs von Kunst zustande gekommen ist."

Ähnlichkeit im kreativen Denken

Fast alle der hier gezeigten Fotografien gingen an das Ehepaar Eisler: "Natürlich dürfte Cartier-Bresson solche Fotografien ausgesucht haben, die er besonders passend fand. Und wahrscheinlich hat er instinktiv eine Parallele oder eine Ähnlichkeit im Formalen, im kreativen Denken gespürt, als er dieses Material aussuchte. Das wird ja auch bei den von ihm geschenkten Porträts deutlich: Es sind Porträts anderer bedeutender Künstler. Und die hat er aus einem Konvolut von Tausenden Menschenporträts ausgesucht, die er im Laufe seines Lebens geschaffen hat", stellt Berchtold fest.

"Fondation Henri Cartier-Bresson"

Henri Cartier-Bresson, einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, feiert im kommenden August seinen 95. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurde heuer in Paris die "Fondation Henri Cartier-Bresson" gegründet. Sie widmet dem schon zu Lebzeiten zum Mythos gewordenen Fotografen ein eigenes Museum und eine Stiftung.

Georg Eisler (1928-1998)

Georg Eisler wurde 1928 in Wien geboren und absolvierte ein Kunststudium in England und Wien. Von 1968 bis 1972 war er Präsident der Wiener Secession. An der Salzburger Sommerakademie leitete er von 1981 bis 1996 regelmäßig Klassen für Malerei und Zeichnung und unterrichtete auch an der University of New Mexico, Taos.

Eisler erhielt zahlreiche Preise, darunter den Österreichischen Staatspreis für Malerei. Sein Werk umfasst neben Ölbildern und Zeichnungen auch Druckgrafik und Illustrationen. Eisler starb 1998 in Wien.

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Tipp:

Ausstellung "Henri Cartier-Bresson / Georg Eisler. Bilder einer Freundschaft", Galerie WestLicht, 3. Juni bis 3. August.

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