| Ein Palais auf Pfählen | |
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Palais Leichtenstein neu: Ein historischer Bücherschatz und die Gartenanlage werden zugänglich gemacht, Freskenzyklen wurden erschlossen. Eröffnung des Museums ist Anfang Mai 2003. |
"Sitz der Liechtensteinschen Sammlung
bleibt Vaduz." Der Direktor der Liegenschaftsverwaltung Stiftung Fürst
Liechtenstein, Erich Urban, relativiert euphorische Erwartungen einer
kompletten Rückkehr der Liechtensteinschen Gemäldegalerie ins Sommerpalais
in der Roßau. Die seit Jahresbeginn laufenden Restaurierungsarbeiten und
die aufwändige technische Aufrüstung sowie Infrastrukturmaßnahm im Palais
mit Gesamtkosten von über 150 Millionen Schilling (Euro 10.900.925,13)
sind allerdings Weichenstellungen für ein repräsentatives
Museumsprojekt.
Unsicherer Untergrund Eines der schönsten Wiener Palais wird derzeit fit gemacht für die
Präsentation von ausgesuchten Objekten aus der bedeutendsten
Privatsammlung des Kontinents. Die statische Sanierung des Gebäudes ist
bereits in den 90er Jahren erfolgt. Das Palais war 1691-1711 von Domenico Egidio
Rossi und dann von Domenico Martinelli auf hohen Pfählen errichtet worden,
die ins Schwemmland des Alserbach getrieben waren. Ein Untergrund, der im gesamten Lichtentaler Viertel für Probleme
sorgt. Nunmehr wurde ein neuer Kellerbereich (im bisher nicht
unterkellerten Palais) ausgehoben, in dem künftig die Haustechnik,
Künstlergarderoben, Personalräume, Foyer und Sanitärbereiche untergebracht
werden sollen. Das Dach ist bereits neu eingedeckt. Die Planungsarbeiten
stehen unter der Oberleitung von Architekt Johann Kräftner. Historischer Bücherschatz
Zu den rund 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche (den Herkulessaal
mit eingerechnet) im Piano nobile des Palais werden künftig auch jene
Räumlichkeiten im Erdgeschoss hinzukommen, die bisher nicht öffentlich
zugänglich und von einer Nutzung durch das Museum moderner Kunst
(1979-2000) ausgeschlossen waren: die Liechtensteinsche
Fideikomißbibliothek und das Archiv. Die Bibliothek war aus dem 1913
abgerissenen Liechtensteinpalais in der Herrengasse in die Spielsalons im
linken Seitenflügel überstellt worden. Bibliotheksräume und der den Wienern nahezu unbekannte historische
Bücherschatz werden künftig als Teil des Museums zugänglich gemacht. Das
Archiv im rechten Seitentrakt wird geräumt, die denkmalgeschützten
Gusseisenregale von 1911 mit Galerie, Wendeltreppen und zartem Geländer
verbleiben. Sie könnten, so Urban zur APA, als Vitrinen für Sammlungsteile
dienen.
Bilderzyklus erschlossen Mit der Öffnung der bisher unbekannten Räume werden nicht nur im
Erdgeschoß weitere rund 1.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, es
wird auch das Bildprogramm des Freskenzyklus von Michael Rottmayr
erschlossen, der sich nach den 27 Bildmedaillons in der Erdgeschoßhalle in
den Gewölberäumen von Bibliothek und Archiv fortsetzt. Derzeit laufen die Restaurierungsarbeiten an den Fresken der
Bibliothek. Weitaus mitgenommener sind jedoch die Freskenmedaillons in der
bis 1950 offenen und damit auch der Witterung ausgesetzten
Erdgeschoßhalle. Pozzo-Bild erstmals restauriert Klima- und tontechnisch aufgerüstet wird auch der Prunksaal im 1. Stock
als Veranstaltungssaal. Derzeit bietet er noch allabendlich Platz für die
Konzerte des Wiener Residenzorchesters. Ab Oktober läuft dann die
Reinigung und Konservierung des Deckenbilds von Andrea Pozzo an, an dem sich seit seiner Entstehung
(1704-08) noch kein Restaurator zu schaffen gemacht hat. "Es wird keine Überrestaurierung geben", betont Urban. Die Arbeiten
gehen in laufenden Kontakten mit dem Bundesdenkmalamt voran und in
Konsultationen mit den von Fürst Hans-Adam eingesetzten Beratungskomitees.
"Vor Ort" restauriert werden derzeit auch die über 50 Ölgemälde
(Deckenbilder, Supraportbilder, Medaillonbilder) von Marcantonio Franceschini und Antonio Bellucci.
Neues Cafe-Restaurant Der Garten wird künftig weit über den derzeit zur Verfügung stehenden
Kinderspielplatz geöffnet. Damit wird eine Verbindung zur Alserbachstraße
durch den Garten geschaffen und einem lang gehegten Wunsch der
Bezirksvertretung entsprochen. Das Gartenpalais an der Alserbachstraße (im 19. Jahrhundert von
Heinrich von Ferstl an Stelle des abgerissenen Belvedere von Johann
Bernhard Fischer von Erlach erbaut) erhält neue Zubauten an den
Seitenflügeln. Im eingeschoßigen Nebengebäude im Ehrenhof des
Liechtenstein-Palais wird ein Café-Restaurant eingerichtet. Eröffnung 2003 Ende 2002 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein, sodass eine
Eröffnung des Museums mit Anfang Mai 2003 anvisiert wird. Was dann von der
legendären Sammlung, die 1945 nach Vaduz gebracht wurde, nach Wien
zurückkehren wird, darüber gibt es nur Spekulationen. Die einstmals nach
der kaiserlichen größte österreichische Kunstsammlung umfasst wertvolle
Bestände flämischer Malerei, der italienischen Malerei vom 15. bis 19.
Jahrhundert, deutsche Gotik und eine große Sammlung österreichisches
Biedermeier. Rund 2.300 Gemälde sind im Katalog der Sammlung Liechtenstein, der 1927
herausgegeben worden war, aufgelistet. Dazu kommen Plastiken, Waffen,
Tapisserien, Porzellan, kunstgewerbliche und andere Objekte. Alle
Bemühungen, eine Rückführung der 1938 unter Denkmalschutz gestellten
Sammlung zu erwirken, waren bisher vergeblich. Dass wenigstens ein Teil
der Gemälde in Wien gezeigt werden könnte, gilt als nicht unwahrscheinlich
- kann doch auch im neuen Kunstmuseum in Vaduz nur ein geringer Ausschnitt
aus der fürstlichen Sammlung gezeigt werden. "Die letzten Weichen müssen
aber noch gestellt werden", so Urban. | ||||||||||