KÖLN (SN, dpa). Etwa 200 internationale Galerien nehmen in diesem Jahr an der Kölner Kunstmesse Art Cologne teil. Seit Mittwoch zeigen sie ihr Angebot von Kunstwerken zwischen Klassischer Moderne und Gegenwart. Mit 41 Jahrgängen ist die Art Cologne die älteste Kunstmesse der Welt.
Bis Sonntag werden in den zwei Messehallen rund 70.000 Besucher erwartet, die sich im neuen, vielbeachteten "Open Space" auch extra für die Art Cologne geschaffene Raum-Kunstwerke ansehen können. Traditionell haben 25 besonders talentierte Künstler eigene Förderkojen.
Im benachbarten Düsseldorf will ab heute, Donnerstag (ebenfalls bis 22. April), die neu geschaffene und in der Szene mit Spannung erwartete Kunstmesse "dc - duesseldorf contemporary" ihre Türen öffnen. Offenbar in der Hoffnung auf Synergien wird dort von rund 80 Galerien aus dem In- und Ausland junge Kunst ab 1980 angeboten.
Gleich neben einer "sushi and wine bar" der Art Cologne legt eine Galerie aus Tel Aviv einen abgehäuteten Adolf Hitler als Bettvorleger aus: Der freche "Nazi hunter's room" von dem Israeli Boaz Arad soll 35.000 Euro kosten. Kunsthistorisch gesicherte Werte finden sich in der höheren Preisklasse, auch wenn nach Bekunden von Galeristen Spitzenware immer knapper wird: Ernst Ludwig Kirchners "Bergwald" (1919) soll 1,8 Millionen Euro bringen, ein Frühwerk von Max Ernst von 1925 ist mit 1,2 Millionen Euro ausgezeichnet. Preis- Spitzenreiter dürfte Picassos auf rostrotem Grund schmauchender "Mann mit Pfeife" (1969) für 3,8 Millionen Euro sein. In dessen direkter Nachbarschaft buhlen eine fast eine Million Euro teure pflanzliche Abstraktion Fernand Legers (1945) und ein Luba-Figurenhocker aus dem Kongo (120.000 Euro) im spannenden Dialog um die Sammlergunst.
In der Halle der Jungen tummeln sich Fotografen, Installationskünstler und etliche Verfertiger plastischer Arbeiten, die frappierend an naive Modellbau-Landschaften erinnern. Zahlreiche asiatische Galerien nehmen - zu gemäßigten Preisen - die Trends der europäischen Avantgarden der Nachkriegszeit mit Op- und Pop-Art noch einmal auf. Da trägt Yin Kuns bonbonrosa gemaltes "Chinese Baby" (7100 Euro) schon einmal eine Mao-Mütze mit Stern.
Neulich noch in einem Berliner Museum war das riesige, glitzernde Zero-Wandrelief "Garten Eden" (1966) von Heinz Mack zu bewundern, das in Köln jetzt für 550.000 Euro zu haben ist.
Neben unbedeutenden Arbeiten Gerhard Richters im bezahlbaren Postkarten-Miniformat findet sich als kraftvolles Monumentalgemälde von Georg Baselitz eine starkfarbige "Kirche" (1986; 980.000 Euro). Einen genau 12,5 Kilogramm schweren Goldbarren hat der prominente US-Videokünstler Gary Hill für seine Installation "Frustrum" halb in einem Becken mit Mineralöl versenkt. Über das - unverkäufliche - geheimnisvolle Werk wacht im Halbdunkel der Sonderkoje nicht nur ein Flügel schwingender Video-Adler, sondern auch eine Riege ganz realer breitschultriger Herren.
Um Käufer wirbt von 26. bis 29. April im Messezentrum Wien zum dritten Mal auch die "Viennafair". Sie legt den Fokus auf junge Kunst und will vor allem auf die dynamischen Entwicklungen in Zentral- und Osteuropa hinweisen. Edek Bartz, der Direktor der Viennafair, betonte im Vorfeld, wie wichtig das unverwechselbare Profil der Wiener Kunstmesse sei. Info: www.viennafair.at;www.artcologne.de





