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Kunstberichte

Manche mögen’s hart

Manche mögen’s hart

Aufzählung (cai) Wenn ein Buschmann aus der Kalahari zum ersten Mal einer Waschmaschine begegnet, hält er die vielleicht für eine kinetische Skulptur. Für eine drastische Allegorie der Entfremdung durch den technischen Fortschritt. Kurz: Einen Buschmann hätte Sudarshan Shetty (kein Bollywood-Schauspieler, aber immerhin ein Inder) schon mit einem Mixer beeindrucken können. Bei uns, die wir viel abgebrühter sind, hat er eben dicker auftragen müssen.

Unignorierbar zu sein, kann durchaus ein Qualitätsmerkmal sein. Dank der nervigen Apparate, die mit dem Dezibelcanto eines Staubsaugers mithalten können, ist es in der Galerie Krinzinger so laut wie in einem Ohropax-Testlabor. Und stressig, als laufe im TV der Musikantenstadl und die Fernbedienung wäre kaputt. Nicht dass Shetty sechsmal auf Andy Borg geschossen hätte, aber sein Fernseher blutet aus sechs Löchern. Na ja, Fernsehen ist im Grunde eh ein Sado-Hämo-Ritual (wegen der hämoglobingeilen Filme). Und das TV-Programm ist sicher nicht einmal im Land der heiligen Kühe "vegetarisch".

Irgendwie deprimierend ist das Hundeskelett, das sich auf einer harten Matratze aus Holz windet. Das forsche Lingam, das ein Häuschen rhythmisch beglückt, ist dagegen eher peinlich. Oder doch Folklore (wie bei uns die Kuckucksuhr)? Soll es Glück bringen wie anderswo Viagra? (Viagra: eine Hindu-Göttin?) Aber wieso tunkt man schwarze Sakkos in Milch ein, womöglich in heilige Kuhmilch? Ach, frag doch den Inder (aus der Reklame)! Obwohl, der sagt am End’: "Die dicke Kuh frisst sehr viel und fliegt nicht weit. Doch wenn du mit einem reichen adipösen Mann in die Wanne steigst, sparst du Wasser und hast genug Geld, um deinen Elefanten orange anzumalen." Der Unterhaltungswert der Objekte ist unbestreitbar.

Die Aqua Morgana

Aufzählung (cai)Aus Russland stammen ja nicht nur die Klitschko-Brüder, diese Boxer, also K.-o.-ten, und Milchschnitten-Synchron-Esser (okay, die sind aus der Ukraine ), nein, auch die eineiigen Künstlerinnen sind von dort. (Eineiige Künstlerinnen? Ist das was Unanständiges?) Die Zwillingsschwestern Maria und Natalia Petschatnikov stehen auf alles, was doppelt ist. Diptychen zum Beispiel (Doppelbilder, die nix mit dem Schielen zu tun haben). Oder sie malen sensible, autobiografische Stillleben. Ein unzertrennliches Zahnbürstenpaar etwa. Ihr Glanzstück ist aber die Plätscher-Oase. Ein charmant improvisierter Mix aus Badezimmer und Barockgarten. Ein Zimmerbrunnen, umgeben von grasgrün umwickelten Schaumstoffformen. Für fantasiebegabte Personen erheben sich aus den Badeschlapfen zwei "Aqua Morganen": zwei Quellnymphen. Ob die Dackel mit den Wackelköpfen eine Drohung sind? Eine Anspielung auf den Aktäon, den die badende Diana zur Strafe für seinen Voyeurismus in Hundefutter verwandelt hat?

Feuchtgebiete

Aufzählung (cai)Martin Dammanns Spezialität: imposante Aqua ... -rien? Nein: -relle! (Ob Wünschelruten, die ja Wasser sehr gern haben sollen, vor seinen opulenten bunten Wasserflecken aufgeregt ausschlagen? Müsst’ man ausprobieren.) Den romantischen Klecksen (Landschaften mit und ohne Menschen) sieht man es gar nicht an, dass sie eine Art Vergangenheitsbewältigung sind. Dass hier einer in anonymen privaten Fotoalben aus der Zeit der beiden Weltkriege geblättert hat (und nicht in den offiziellen Geschichtsbüchern) und dann den "Fotorealismus" übersetzt hat in den emotionalen Realismus seiner behutsamen Malerei. Ein Dolmetscher.

Galerie Krinzinger

(Seilerstätte 16) Sudarshan Shetty Bis 8. November Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr

Galerie Hrobsky

(Grünangergasse 6) Formal Garden Bis 18. Oktober Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr Sa.: 11 – 15 Uhr

Georg Kargl Fine Arts

(Schleifmühlgasse 5) Martin Dammann Bis 8. November Di. – Sa.: 11 – 19 Uhr

Dienstag, 07. Oktober 2008

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