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Kunstberichte
"Minimal": Das MAK zeigt Kunst und Möbel aus der eigenen Sammlung

Die Kunst zu wohnen

Schlank 
und streng: In seiner neuen Möbel-Ausstellung erzeugt das MAK Spannungen
 zwischen Kunst und Funktion – und findet Verknüpfungspunkte zwischen 
Künstlern wie Josef Hoffmann und Donald Judd. Foto: MAK/Georg Mayer

Schlank und streng: In seiner neuen Möbel-Ausstellung erzeugt das MAK Spannungen zwischen Kunst und Funktion – und findet Verknüpfungspunkte zwischen Künstlern wie Josef Hoffmann und Donald Judd. Foto: MAK/Georg Mayer

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Donald Judd gibt das hohe Maß für die kleine Ausstellung im MAK über Minimal Art und Möbel vor: Sein metallisches, in blauer Industriefarbe und klarer Form gestaltetes Wandobjekt verzichtet auf jeglichen Kompromiss in Sachen Beiwerk.

Kein Schnörkel, kein Ornament, dafür aber viel Theorie: Das verbindet den Hauptmeister der US-amerikanischen Minimal Art historisch mit den Wiener Architekten der Zeit um 1900 – Künstler, die wie Josef Hoffmann oder Adolf Loos reduktivistisch Möbel aus einem Brett oder aus der Form des Quadrats heraus entwickelten. Dazu gesellt sich in der aktuellen Schau des MAK eine zeitliche Zwischenstufe mit Gerrit Rietvelds "Rot-blauem Stuhl" von 1918. Maschinengeschnittene Vierkanthölzer im Standardmaß, bemalt in den Grundfarben und konstruktiv zur Stuhlform verbunden, waren sein Credo.

Objekt oder Möbel? Die Funktion unterscheidet

Judd stattete seine Wohn- und Arbeitsräume mit den Möbeln Rietvelds aus. Judd kam 1991 und 1993 mit einer Ausstellung nach Wien – und auch zur Gestaltung der barocken Sammlungspräsentation im MAK. Sein Werk ist hierzulande nicht nur mit zahlreichen Exponaten in der Sammlung des Hauses vertreten: Seit 1996 steht sein "Stage Set" als großes Möbel für den öffentlichen Raum im Stadtpark. Judd, der 1994 starb, hat in die minimalistische Ästhetik bis heute stark hineingewirkt.

Die Frage, was nun in der Ausstellung des MAK als Kunstobjekt oder Möbel zu betrachten ist, kann allein durch funktionelle Überlegungen geklärt werden. Das erzeugt in dem Parcours entlang der roh verputzten Zwischenwände Spannungen, die Werner Feiersinger oder Heimo Zobernig mit ihren möbelhaften Objekten der Gegenwartskunst noch verstärken.

Ebenso zu sehen: ein Dialog von Judds Werk mit Jasper Morrisons "MAK Table" von 2009 und die Trennwand von Liam Gillick "Layered Impasse Screen" von 1998. Andreas Feldinger wiederum schließt die Frage nach dem Hintersinn der Objekte mit der Skulptur "Remember Donald" ab: Sie ist aus zwei Ikea-Möbelteilen kombiniert.

Fehlt nur noch eine Fußnote zu Judds "Stage Set" (1991/96) im Wiener Stadtpark: Dort wäre der Austausch der Stoffbahnen durch die Stadtverwaltung mittlerweile recht dringend. Die Erinnerungskultur sollte nicht durch Museumsmauern begrenzt sein, wenn es um meisterlichen Minimalismus geht.

Aufzählung Ausstellung

Minimal – Kunst und Möbel aus der Sammlung des MAK
Sebastian Hackenschmidt (Kurator)
MAK-Studiensammlung
bis 31. Oktober

Printausgabe vom Dienstag, 08. Juni 2010
Online seit: Montag, 07. Juni 2010 16:53:00

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