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23.01.2003 - Ausstellung
Wenn es menschelt in der Malerei
Hans Fronius ist Ausgangspunkt einer Schau über "Die Figur in der Malerei". Ein freundliches Wiedersehen mit dem gewundenen Raum des Schömer-Hauses in Klosterneuburg.


Der Mensch heißt Mensch, weil er wärmt, wenn er erzählt, erklärt Herbert Grönemeyer so bewegt in allen Hitparaden. Und recht hat er. Auch in der Malerei ist es zur Zeit ähnlich. Viel leichter wird der Zugang, wenn eine Identifikationsfigur das Auge an die Leinwand zieht. Eine Taktik, auf die verstärkt auch junge Künstler setzen. Hat man doch immer mit den schnellen Bildern der digitalen Medien zu konkurrieren. Und das einzig Abstrakte im TV, das ORF-Testbild, ist seit 1994 Geschichte.

Das Figurative also boomt. Im Rupertinum Salzburg titelt man gerade "Selbst und Andere" und zeigt das Menschenbild in der Kunst nach 1960. Im Schömer-Haus in Klosterneuburg heißt es gleich expliziter "Die Figur in der Malerei". Erinnerungen weckt auch der Ausstellungsort. Das ebenfalls von Heinz Tesar gebaute Bürohaus ist seit der Eröffnung des Museumsneubaus 1999 eindeutig ins Hintertreffen geraten. Das soll wieder etwas gerade gerückt werden.

Am Beginn das Spätwerk

Agnes Essl nahm den Geburtstag von Hans Fronius, der sich heuer zum 100. Mal jährt, zum Anlaß - und stellt achtzehn späte Bilder des 1988 gestorbenen Künstlers aus der Sammlung Essl und dem Stift St. Florian an den Beginn eines lockeren Überblicks heimischer figurativer Malerei der letzten 30 Jahre.

Da fehlt kein Klassiker, von Georg Eisler, Adolf Frohner, Martha Jungwirth bis zu den vergleichsweise Jungen wie Siegfried Anzinger und Alois Mosbacher. Besonders geachtet wurde anscheinend darauf, die christliche Thematik, die das Werk von Fronius geprägt hat, aufzugreifen. Doch eine so intensive, ernsthafte Interpretation wie beim Meister findet sich eben heute nicht so leicht.

Wie immer überrascht diese in der Kunst der Postmoderne so atemberaubende Gleichzeitigkeit der unterschiedlichsten Stile, wenn ein Brus, eine Lassnig und ein Fronius zusammenkommen. Der Vergleich bietet sich hier sehr pädagogisch an, da fast alle ausgestellten Bilder noch zu Fronius' Lebzeiten entstanden sind.

Schade ist allerdings, daß so strikt getrennt wurde: Das oberste vierte Stockwerk der Rotunde ist allein dem Geehrten gewidmet. Spannender wäre eine Mischung gewesen, die den direkten, wenn auch brutalen Vergleich ermöglicht hätte. Das gelang schön bei Velázquez "Infantinnen", die sowohl Peter Sengl 1990 als auch Jürgen Messensee 1985 inspiriert haben. Beide erzählen von der Auflösung der Figur. Sengl von der ins Technische, Messensee von der ins Träumerische. Die wärmende Erzählung, die bleibt. sp

Bis 31. 12. 2003. Mo.-Fr. 8 bis 19 Uhr, Mi. 8 bis 20 Uhr. Eintritt frei.



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