Der Mensch heißt Mensch, weil er wärmt, wenn er erzählt,
erklärt Herbert Grönemeyer so bewegt in allen Hitparaden. Und recht hat
er. Auch in der Malerei ist es zur Zeit ähnlich. Viel leichter wird der
Zugang, wenn eine Identifikationsfigur das Auge an die Leinwand zieht.
Eine Taktik, auf die verstärkt auch junge Künstler setzen. Hat man doch
immer mit den schnellen Bildern der digitalen Medien zu konkurrieren. Und
das einzig Abstrakte im TV, das ORF-Testbild, ist seit 1994 Geschichte.
Das Figurative also boomt. Im Rupertinum Salzburg titelt
man gerade "Selbst und Andere" und zeigt das Menschenbild in der Kunst
nach 1960. Im Schömer-Haus in Klosterneuburg heißt es gleich expliziter
"Die Figur in der Malerei". Erinnerungen weckt auch der Ausstellungsort.
Das ebenfalls von Heinz Tesar gebaute Bürohaus ist seit der Eröffnung des
Museumsneubaus 1999 eindeutig ins Hintertreffen geraten. Das soll wieder
etwas gerade gerückt werden.
Am Beginn das Spätwerk
Agnes Essl nahm den Geburtstag von Hans Fronius, der sich
heuer zum 100. Mal jährt, zum Anlaß - und stellt achtzehn späte
Bilder des 1988 gestorbenen Künstlers aus der Sammlung Essl und dem Stift
St. Florian an den Beginn eines lockeren Überblicks heimischer
figurativer Malerei der letzten 30 Jahre.
Da fehlt kein Klassiker, von Georg Eisler, Adolf Frohner,
Martha Jungwirth bis zu den vergleichsweise Jungen wie Siegfried Anzinger
und Alois Mosbacher. Besonders geachtet wurde anscheinend darauf, die
christliche Thematik, die das Werk von Fronius geprägt hat, aufzugreifen.
Doch eine so intensive, ernsthafte Interpretation wie beim Meister findet
sich eben heute nicht so leicht.
Wie immer überrascht diese in der Kunst der Postmoderne
so atemberaubende Gleichzeitigkeit der unterschiedlichsten Stile, wenn ein
Brus, eine Lassnig und ein Fronius zusammenkommen. Der Vergleich bietet
sich hier sehr pädagogisch an, da fast alle ausgestellten Bilder noch zu
Fronius' Lebzeiten entstanden sind.
Schade ist allerdings, daß so strikt getrennt wurde: Das
oberste vierte Stockwerk der Rotunde ist allein dem Geehrten gewidmet.
Spannender wäre eine Mischung gewesen, die den direkten, wenn auch
brutalen Vergleich ermöglicht hätte. Das gelang schön bei Velázquez
"Infantinnen", die sowohl Peter Sengl 1990 als auch Jürgen Messensee 1985
inspiriert haben. Beide erzählen von der Auflösung der Figur. Sengl von
der ins Technische, Messensee von der ins Träumerische. Die wärmende
Erzählung, die bleibt. sp
Bis 31. 12. 2003. Mo.-Fr. 8 bis 19 Uhr, Mi. 8
bis 20 Uhr. Eintritt frei.
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