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| 30.12.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Erwin Wurm im MUMOK: Der Besucher wird zu Kunst | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Augenschein. Erwin Wurms Ausstellung im MUMOK macht die Besucher zu Kunst. | ||
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Es
ist die von Künstlern zurzeit wohl meistgehasste Ausstellung in Wien.
Und gleichzeitig eine der erfolg reichsten des Museums moderner Kunst -
Erwin Wurms spielerischer Parcours "Keep a cool head". Inwieweit diese
beiden Beobachtungen zusammenhängen, das soll jeder für sich
beurteilen. Das nur scheinbar, dafür aber umso spektakulärer auf
das Dach des Museums gekrachte Einfamilienhaus - auf der Türglocke soll
übrigens "Schüssel" stehen - hat seine Werbewirkung jedenfalls mehr als
perfekt erfüllt. Nach Ende der Schau am 11. Februar wird es auf
die Donauplatte übersiedeln, auf das Gebäudedach der sponsernden
Strabag. Bis dahin sollen etwa 70.000 Besucher durch die
Ausstellung ziehen - die meisten, wie beobachtet, mit einem breiten
Grinsen im Gesicht. Über den ausgestopften Dackel, der nicht den
Postler gebissen, sondern einen Briefkasten verschluckt hat. Über den
Riesenerdapfel, der so surreal aus der steril weißen MUMOK-Wand wächst
("Home"). Über das fette Haus, das per Video darüber sinniert, ob es
nun tatsächlich ein Haus oder ein Kunstwerk ist und was man davon jetzt
halten soll. Skulptur - das heißt heute eben nicht mehr nur
Bilden und Hauen. Sondern etwa auch Stillhalten im Leben. Erwin Wurm
vermittelt seinen neuen Skulpturbegriff nicht mit dem theoretischen
Zeigefinger. Sondern wie Witze. Etwa wenn zwischen seinen Originalfotos
und -objekten immer wieder "Handlungsanweisungen" zum Mitmachen
auffordern - zum Beispiel zwischen dem eigenen Körper und der Wand vier
Putzmittelflaschen zu balancieren. Eine weiße Plattform in der Mitte wird zum
Spielplatz der Dilettanten - der auch "mit Feuereifer" genutzt wird,
berichtet Museumsaufseher Robert Straub. Zwei, dreimal in der Woche
sieht er hier auch den Künstler himself; ein Künstler zum Angreifen,
freut sich Straub, der den vielen Schulklassen geduldig Frage um Frage
beantwortet. Heftige negative Reaktionen dagegen konnte der Wärter
bisher keine beobachten - "die gibt es nur noch beim Wiener
Aktionismus". Nur einmal musste er lautstark werden - als eine ältere
Dame einfach den Stecker der DVD-Geräte zog, weil sie ob des hier
abgespielten Blechhämmerns die Worte des Führers nicht verstand. Ansonsten kämpfen die Aufseher vor allem mit den
haptischen Gelüsten der Besucher. Neben Wurms "Fat Car", einem wulstig
aufgeblähten, rot glänzenden Carrera-Porsche, muss praktisch ständig
jemand mahnend stehen. "Erwachsene sind schlimmer als Kinder", stöhnt
die Aufseherin nur. Sie muss es wissen. Denn von beiden gibt es zurzeit
ungewöhnlich viele im dunkelgrauen Kunstbergwerk im Museumsquartier. |
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