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Kunstberichte
Das Thyssen-Bornemisza Art Contemporary beherbergt bis Mitte Februar eine Vielzahl von "Transitory Objects"

Die Ausweitung der Kunstzone

Objekte zwischen Kunst, Technik und Natur: Ein ästhetisches "Biothing" aus der Werkstatt der Künstlerin Alisa Andrasek. Foto: Alisa Andrasek

Objekte zwischen Kunst, Technik und Natur: Ein ästhetisches "Biothing" aus der Werkstatt der Künstlerin Alisa Andrasek. Foto: Alisa Andrasek

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Den Wandel des Kunstbegriffs seit den 60ern untersucht eine Ausstellung in Francesca Habsburgs T-B A21. Die Schau "Transitory Objects" geht dabei von Minimalismus, Konzeptkunst und vor allem von Architektur aus, wirft aber auch jede Menge Fragen über heutige Objekte auf: Zwitterwesen zwischen Technik und Kunst, die früher weniger Prestige als die Architektur genossen hätten, unter dem Zeitgeist-Begriff "Transitory Objects" aber zu Teilen des Kunstmarkts werden.

Auch dieser soll als privilegierte Ebene hinterfragt werden: Hier spannt sich ein Bogen zu den 60er und 70er Jahren, in denen sich der Kunstbegriff merklich erweiterte – im T-B A21 vertreten durch Arbeiten von Künstlern wie Francesca Woodman, Dan Flavin und Fred Sandback.

Organischer Prozess mit sinnlichen Bezügen

Aktuelles steht Altem gegenüber, wobei zuweilen sogar auf die frühesten Quellen der Veränderung im 20. Jahrhundert zurückgegriffen wird: Neben László Moholy-Nagy taucht gemaltes Design der russischen Konstruktivistin Ksenia Ender auf, die ebenso wie Mikhail Matiushin um 1918 Musik in ihren malerischen Kunstraum eindringen ließ – gleich einem organischen Prozess.

Historische und heutige Architekturobjekte von Alisa Andrasek, Greg Lynn oder Neri Oxman tragen Namen wie "Biothing", "Materialecology" oder schlicht "Form". Letztere steht heute in einem sinnlichen Bezug zum Betrachter: Performative Vorgaben – wenn ein Objekt vor der Begutachtung etwa erst betreten werden muss – haben ihn aus seiner einstigen Passivität gerissen.

Spielzeug trifft Pflanze, Kunst auf Wissenschaft

Dabei strebt das heutige, computergenerierte Design im T-B A21 gerne evolutionären Prozessen nach, werden auch Pflanzen und Spielzeug zu neuen Kunst-Materialien im Dialog mit Lichtröhren oder Videofilmen. Nur folgerichtig, dass sich das Denken der Künstler dieser neuen, zeitgenössischen "visuellen Industrie" auch auf der Theorieebene in einem interdisziplinären Ansatz gefällt: Wissenschaft trifft Kunst, ebenso finden sich Soziologie und Philosophie auf einem neuen Feld eingebunden.

Hier landet der Besucher in den Parallelwelten der heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft. Das herkömmliche Museum zu verlassen oder zu verändern – so lautet das Credo.

Und am Dachboden des Kunstraums von Francesca Habsburg tummelt sich ein neuer "Autonomer" in seiner selbstgebauten Hexenküche – deren Alchemie aber eindeutig auf die literarische Vergangenheit verweist: Der in Berlin tätige John Bock konstruiert in seiner Mixed-Media-Installation "Antonin Artaud und die Pest" eine eigengesetzliche Welt. Objekte des Alltags werden mit Videos von Bocks Performances aufgeladen, die ihrerseits auf einen Vortrag von Artaud verweisen, den der berüchtigte Erfinder des "Theaters der Grausamkeit" 1933 in eine Performance verwandelt hat – und dafür von Anaïs Nin scharf kritisiert wurde.

Im T-B A21 wird der veranschaulichte Wandel in der Kunst von reichlich Theorie begleitet – daher äußern sich im zugehörigen Katalog bekannte Experten wie Sabeth Buchmann, Helmut Draxler und Sebastian Egenhofer ebenso wie die legendäre Autorin Rosalind Krauss über den Paradigmenwechsel des Kunstbegriffs ab 1960.

Aufzählung Ausstellung

Transitory Objects

Daniela Zyman, Johannes Posch (Kuratoren) Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (T-B A21) Himmelpfortgasse 13, zweiter Stock, 1010 Wien http://www.tba21.org Eintritt frei bis 14. Februar

Printausgabe vom Donnerstag, 07. Jänner 2010
Online seit: Mittwoch, 06. Jänner 2010 16:30:00

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