Er ist der dienstälteste Galerist Oberösterreichs: Richard Eder feiert heute, 20 Uhr, das 35er-Jubiläum seiner außergewöhnlichen „Galerie Eder“ an der Linzer Knabenseminarstraße. Die ist nicht nur innovative Kunstpräsentationsstätte, sondern auch das Zuhause des „Eda“ und seiner ebenso kunst-umtriebigen Frau Renate.
OÖN: Wie hat sich während der 35 Jahre Ihrer Tätigkeit die Linzer Galerieszene verändert?
Eder: Früher hat es in der Kunst unter den Sammlern mehr Liebhaber gegeben, heute gibt es mehr Spekulanten, die darauf schauen, welche „Namen“ gekauft werden. Heute muss der Name passen, sonst tut sich da gar nichts. Was eigentlich extrem kurzsichtig ist. Denn wer sagt mir, ob das, was heute Trend ist, morgen auch noch so stimmt? Da ist es doch besser, ich hab was, von dem ich selbst restlos überzeugt bin.
OÖN: Sie gelten als früher Förderer vieler Kunstschaffender von Maria Moser über Heinz Göbel oder Arnulf Rainer, den Sie als Erster in Linz präsentiert haben. Welche Art von Kunst „geht“ derzeit bei Ihnen gut?
Eder: Gut? Gar nix im Moment.
OÖN: Worauf führen Sie das zurück?
Eder: Derzeit halten viele ihr „Gerschtl“ zusammen. Wobei – ich hab schon meine langjährig treuen Sammler, aber die jungen, die lassen aus...
OÖN: Künstler, die in Galerien ausstellen, führen beim Verkauf ihrer Werke ja immer einen gewissen Prozentsatz an die Galeristen ab. Wie hoch liegt der jetzt im Durchschnitt?
Eder: Früher gab es da das sogenannte „Galeriedrittel“, das ist zum Teil heute auch noch so. Aber ich kenne auch Galeristen, die verlangen 50 oder gar 70 Prozent.
OÖN: Gibt es Ihrer Meinung nach genug Galerien in Linz?
Eder: Naja, für Linz sicherlich. Was hier immer wieder gefordert wird, ist eine internationale Galerie für Linz.
OÖN: Wer fordert das?
Eder: Nun: In vielen Linz09-Diskussionen tauchte die Thematik auf, dass es hier keine hochkarätige internationale Kunst zu kaufen gibt. Aber wie so ein „internationaler Galerist“ hier überleben soll, kann ich mir nicht vorstellen.
OÖN: Galerien sind auch ein kultureller Imagefaktor einer Stadt. Fühlen Sie sich diesbezüglich in Linz gut betreut?
Eder: Ich bekomme eine kleine Subvention. Für mich passt das. Aber man darf mich da nicht als Maßstab nehmen. Ich mache das ja, weil ich einfach darauf „steh“. Ich seh meine Galerie nicht als Geschäft. Die Kunst ist vielmehr meine große Leidenschaft.
OÖN: Sie gestalten über die Jahrzehnte hinweg auch immer Plakate mit Bildern Ihrer Vernissagen und Besucher. Das sind ja bereits echte Zeitdokumente, die sehr begehrt bei Sammlern sind.
Eder: Stimmt. Besonders begehrt war jenes, das ich im Jahr 2009 als Galerie-Blick zurück herausgegeben habe, da hat mir der ‘09-Intendant Heller auch persönlich gratuliert. Dem hat imponiert, dass ich da einfach, ohne lang nach Förderung zu fragen, meinen eigenen ‘09-Beitrag gestaltet hab.
OÖN: Eigeninitiative ist somit auch Ihre Leidenschaft?
Eder: Und keine kleine! Ansonsten hätt ich wohl nicht so lang durchgehalten.
OÖN: So eine Passion kann ganz schön aufreibend sein...
Eder: Ich bin heuer 70 geworden. Mit Jahresende will ich – nach 400 Ausstellungen insgesamt – mit dem Galeriebetrieb aufhören. Ein halbes Leben für die Kunst! Das reicht.
OÖN: Um diesem Ausspruch aber wirklich gerecht zu werden, müssten Sie jedoch pro weiterem Lebensjahr ein halbes Galeriejahr weitertun!?
Eder: Wieso? Ah! Stimmt... Naja... Kunst ist für mich ohnehin wie ein Virus, den man nie mehr loswird...