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30.12.2002 - Ausstellung
Lentos an der Donau: Glänzendes Kleid für die Kunst
In Linz nimmt das Lentos-Kunstmuseum am Donauufer immer deutlicher Gestalt an. Am 18. Mai wird es eröffnet. "Die Presse" bekam eine Exklusivführung vom Direktor der Neuen Galerie, Peter Baum.
VON ALMUTH SPIEGLER


Gewohnt unachtsam hetzen die Menschen über die schäbigen gelben Pfeile am Boden - "Neue Galerie Linz, 1. Stock" wollen sie zaghaft mitteilen. Doch zwischen Schleuderangeboten und Pizzadampf im Hochhaus und Einkaufszentrum "Lentia 2000" ist schwer Kunst zu verkaufen. Als hier die Neue Galerie 1979 einzog, dachte man da noch anders - Kunst mitten im Leben, das wäre doch eine Chance. Aber, "zufällig kommt hier niemand herein", seufzt Direktor Peter Baum.

Doch seine und der Sammlung Durststrecke erreicht jetzt bald ihr Ende. Am Donauufer wächst seit zwei Jahren ein neues, prestigeträchtigeres Heim, fast müßte man sagen: ein Kunstpalast, heran. Wie ein glänzender Riegel schiebt sich das Lentos Kunstmuseum Linz 130 Meter lang zwischen Stadt und Fluß, schließt im Donaupark eine Lücke zwischen Nibelungenbrücke und Brucknerhaus.

Lentos, wie biegsam

Lentos, aus dem Keltischen abgeleitet, bedeutet soviel wie "biegsam" oder "gekrümmt". Hier werden statt der bisherigen 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche mehr als doppelt soviel, 7500 Quadratmeter, für die 1350 Gemälde, Skulpturen, Objekte und die 10.000 Werke auf Papier der Neuen Galerie zur Verfügung stehen. 8000 Quadratmeter umfaßt die gesamte Fläche des neuen Museums.

Vorsichtig fährt das Auto in die neue Tiefgarage neben der Baustelle ein - für genügend Parkplätze muß ja gesorgt sein -, und Peter Baum beginnt stolz die Führung durch und um "sein" Haus. Am 18. Mai des neuen Jahres soll die Eröffnung gefeiert werden. Doch lange wird es Baum - als Leiter jedenfalls - nicht mehr genießen können, seinen Ruhestand will der Langgediente - seit 28 Jahren leitet er bereits die städtische Galerie für moderne Kunst - im Frühling 2004 antreten.

Die gläserne, vorgehängte Hülle des Betonbaus hat sich schon fast geschlossen. Bei Tag ein Schuppenkleid, das seine Umwelt spiegelt, dient sie in der Nacht als Folie für blau-rote Farbspiele.

Bilderrahmen für die Stadt

Der klare Baukörper ähnelt einem flachen, auf den Kopf gestellten "U": Blickt man durch über die Donau, sieht man Urfahr drüben wie in einem 60 mal 6,5 Meter großen Bilderrahmen - und auch eine verwandte Kunstadresse, das Ars-Electronica-Center.

1700 Tonnen Beton, 1,7 Tonnen Stahl wurden von den Züricher Architekten Jürg Weber und Hofer AG seit dem Spatenstich vor zwei Jahren verbaut. Aus über 200 Wettbewerbsbeiträgen wurden sie ausgesucht, es ist ihr erster Museumsbau. In Österreich wurden sie 1997 bekannt, als sie den ersten Wettbewerb für das Grazer Kunsthaus gewannen, das sie fast zur Gänze in den Schloßberg einbauen wollten. Die Pläne wurden jedoch bei einer Befragung von der Bevölkerung abgelehnt.

Auch in Linz bauen die Architekten jetzt im Hinblick auf den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt. Linz will sich in Brüssel für das Jahr 2009 bewerben.

Repräsentativ ist das Lentos jedenfalls. "Wir wollten keinen Schnickschnack. Es ist streng und präzise, ohne übertriebenen Zeitgeist", schwärmt Peter Baum. Von der fast acht Meter hohen Eingangshalle erschließen sich die zwei Geschoße. Doch zuvor bleibt einem nicht, den idyllischen Panoramablick auf die Donau zu genießen, den hier eine sich über 35 Meter hin ziehende Fensterleiste bietet.

Unter der Erde sind großzügig Bibliothek, Lager, graphische Sammlung, Werkstätten und Sanitäranlagen untergebracht - alles hochwassergeschützt, seit dem letzten Sommer weiß jedermann, warum.

Elf Kammern für Sammlung

Über einen angenehm unpompösen Stiegenaufgang gelangt man dann in das Ausstellungsgeschoß. Die Zwischenwände sind schon aufgezogen. In elf offenen Kammern wird die ständige Sammlung präsentiert werden. Beeindruckend dann das Herzstück des Hauses: 40 Meter lang, 26 Meter breit öffnet sich überraschend weit die große Halle. Durchflutet vom sanften Schein der Oberlichten, versteckt von einer blaßgrünen, durchgehenden transparenten Zwischendecke. Eine einzige der fast 300 Glasplatten wiegt 250 Kilo, gehalten werden sie von sieben, fast beängstigend fragilen Stahlträgern.

Hier werden die Wechselausstellungen stattfinden. Die erste wird die Höhepunkte der Sammlung zeigen, von Schiele, Kokoschka, Kubin bis Lassnig, Lüpertz und Warhol. Ab Dezember 2003 plant Peter Baum eine Schau über die "École de Paris": 120 Gemälden sollen die Klassische Moderne und die Avantgarde der 20er bis 60er Jahre wiederauferstehen lassen.

Ein programmierter Publikumserfolg. Doch den wird das Lentos auch brauchen: 100.000 Besucher will Baum pro Jahr nach Linz holen. "Konkreter Hoffnungsträger ist für uns der Schiffstourismus". Die DDSG-Anlegestelle befindet sich direkt vor dem Haus - und "pro Jahr fahren hier ja 100.000 Passagiere durch". Auch das schicke Restaurant im Erdgeschoß wird den Zustrom unterstützen. Die Lage wurde jedenfalls ideal ausgenutzt: Die Aus-, Durchblicke auf Fluß und Stadt, die im ganzen Haus - aber nicht inflationär - verteilt wurden, sind attraktive atmosphärische Zuckerln.

Stadt und Land finanzieren

Und die Kosten? 33 Millionen Euro wiegt das Lentos, das Land gibt sieben Millionen Euro, die Stadt den Rest - davon konnten immerhin drei Millionen Euro durch Sponsoring aufgetrieben werden. Der Bund habe sich bei der Finanzierung bisher gedrückt, klagt Baum. "Das ist nicht vertretbar bei einem solchen Projekt mit weit überregionaler Bedeutung". Sein erstes Gesamtbudget wird um die 2,4 Millionen Euro betragen, das schließt das operative Geld, die Betriebskosten und das Personal mit ein - "das ist schon sehr wenig".

Ein weiteres Problem sieht der Direktor beim Personal: Das mehr als doppelt so große Haus soll mit den 16 Angestellten der Neuen Galerie - inklusive Tischler, Aufseher, Kassiere - auskommen. Eine Aufstockung ist nicht geplant. Doch vorerst überwiegt bei Peter Baum die pure Freude: "So schön hat man Linz noch nie gesehen".

www.lentos.at



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