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©Pichler
von
Irene Judmayer
Nuss ist Hirn isst Nuss ist Hirn
"Nüsse und Hirne" zeigt die Linzer Künstlerin Monika Pichler bei ihrer Personale in der renommierten Schärdinger Galerie am Stein. Konzentrierte Kunst im Pendel zwischen Irritation und Ästhetik.

Eine besondere sinnliche Unmittelbarkeit zeichnet die Werke Monika Pichlers aus. Diese emotionale Klammer ist zugleich die Grundlage für die Ambivalenz, die Pichlers Spiel mit den Wahrnehmungen fortwährend begleitet: Einer unentrinnbaren Ästhetik steht dabei das zwingende, gesellschaftspolitisch wache, scharf akzentuierte inhaltliche Konzept gegenüber.

Monika Pichlers Qualität ist es, uns zum Durchdringen von scheinbar sanften Oberflächen zu provozieren. Was etwa aus der Entfernung auf samtigen Teppichen wie schönes Ornament wirkt, entpuppt sich als krude Kombination von Kriegsgerät. Hinterhältige Satire auf viele ökonomisch bedingte, der Bevölkerung polemisch-existenziell hineinargumentierte Tötungsszenarien.

Monika Pichler durchschaut die Blasphemiken der Politik im Umgang mit Kunst und Gesellschaft. Sie begegnet ihr mit bestechend dichter künstlerischer Doppelbödigkeit. Auch in ihrem neuen Projekt "Nüsse und Hirne", das bis 31. März in der Galerie am Stein in Schärding zu sehen ist. Eine aus Einzelarbeiten zusammengesetzte, reduzierte Installation im Hauptraum; Bild-Teppiche und selbstgeschöpfte Nusspapier-Werke (über einem Haushofer-Text) im Archiv der Galerie.

Ausgehend von der formalen Nähe von Walnusskernen zu Gehirnen entwickelte Pichler eine poetische Assoziationskette, die über das Betrachten und Befühlen zum Gedankenspiel anregt. Im perfekten Zusammenklang von Siebdruck mit verschieden gefüllten, unterschiedlichen textilen Materialien entstehen dreidimensionale Objekte. Oft überraschend bedrohlich durch täuschende Lebendigkeit: In aufgebrochenen oder verfaulten Nussschalen räkeln sich seltsame Aliens. Wie sterbende Vogelembrios in zerborstenen Eischalen.

Und irgendwann blitzt dann der Gedanke auf, dass sich Nuss und Hirn höchst konträr bedingen: Sollen Nüsse das Hirn aufbauen, muss das Hirn dafür erst den Befehl zu ihrer Zerstörung geben.

Was für ein pointiertes Querdenken zur Philosophie Kants, bei dem kein Zweck die Mittel heiligt ...



OÖNachrichten vom 17.02.2004
 
   



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