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Auf Du und Du mit dem Ich

Bregenzer Galerie Lisi Hämmerle eröffnet heute eine Ausstellung mit Sissi Farassat.

ARIANE GRABHER

Bregenz (VN) Das Selbstporträt ist zu einem Markenzeichen von Sissi Farassat geworden. Seit zehn Jahren tritt die Künstlerin zugleich vor und hinter der Kamera in Erscheinung. Als zentrales Motiv ihrer Fotografien ist Sissi Farassat spätestens seit ihrem visuellen Tagebuch aus 40 Selbstporträts, für das sich die Künstlerin jeden Morgen beim Aufwachen in ihrem privaten Umfeld fotografierte, Legende. Auch in der aktuellen Ausstellung "Nur ich" in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz fungiert die 1969 in Teheran/Iran geborene, seit 1978 in Wien lebende Fotografin als ausschließliches Motiv.

Ausgehend von einer nachgestellten Ateliersituation präsentiert Sissi Farassat eine Auswahl von Arbeiten der vergangenen Jahre. Dazu zählen glitzernde Paillettenbilder, überarbeitete Fotos, zwischen Nähe und Ferne changierende Leuchtkisten, Collagen sowie verschiedene Ausgaben von "SIOSEH", der von Farassat herausgegebenen "kleinsten Fotozeitschrift der Welt".

Mit Nadel und Faden

Als Fotografin bleibt die Künstlerin ihrem Medium zwar stets treu, erweitert dessen Möglichkeiten aber auf eine höchst erfrischende, eigenständige Art. Denn mit der Reproduzierbarkeit und der Fragilität des Fotopapiers berührt sie nicht nur zwei wesentliche medienimmanente Aspekte, sondern wirft diese gleich völlig über den Haufen. Aus dem Wunsch von Farassat, Unikate herzustellen, das Material in der Hand zu halten und stundenlang an einem Bild zu arbeiten wie ein Maler, entstand die Idee der neuen Werkserie der Paillettenbilder. Großformatige Fotografien werden in wochenlanger Arbeit mit Nadel und Faden Stück für Stück mit glänzenden Pailletten besetzt. Bei diesem Verfahren, das den Hintergrund völlig ausblendet und in eine oder mehrere schillernde Farbflächen zerlegt, bleibt nur die zentrale, isoliert posierende Figur der Künstlerin übrig

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Kontemplatives Ritual

Das zeitintensive, kontemplative Ritual der Handarbeit widerspricht dem momenthaften, sich in Sekundenbruchteilen abspielenden Zugriff des Fotos. Für den Betrachter tut sich eine Glitzerwelt auf, deren irisierende Farbigkeit an orientalische Üppigkeit und Pracht erinnert, zeitgemäß kontrastiert jedoch von der Unaufgeregtheit des Motivs. Ohne nur einfach glamourös oder gar nur oberflächlich zu sein, liegt diesen Arbeiten eine wohltuend unpolitische Attitude zugrunde.

Intimität, Privatheit und Verletzlichkeit, äußere Konditionierungen und Öffentlichkeit spielen ebenso in die Paillettenbilder hinein wie Nähe und Distanz. Subtiler, zugleich noch deutlicher, weil am eigenen Körper erfahrbar, werden diese beiden Kategorien jedoch in den Leuchtkisten der Künstlerin. Mittels eines Bewegungsmelders erlöscht das Licht beim Nähertreten und bringt die Bilder zum Verschwinden. Sich offenbaren und Entziehen sind eins bei Sissi Farassat.

Die Ausstellung in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz wird heute um 20 Uhr mit "Silent Guitar Tunes", gespielt von Werner Hämmerle eröffnet. Zu sehen sind die Arbeiten bis 4. Juni, geöffnet Mi - Sa, 10 - 12 und 15 - 19 Uhr.

Das Selbstporträt ist zum Markenzeichen der iranischen Künstlerin Sissi Farassat geworden. (Foto: Farassat/Grabher)




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